Ski Alpin

Der neue Russi ist eine Frau: Die Andermaterin Aline Danioth will den Ski-Zirkus erobern

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Aline Danioth, Jugend-Olympiasiegerin und Junioren-Weltmeisterin, greift in Sölden nach den Sternen. Eines der hoffnungsvollsten Schweizer Ski-Talente betritt in Sölden die Weltcup-Bühne.

Da stehen sie alle in Reih und Glied in der Oetztal-Arena in Sölden, die Superstars der Skifirma Head. Lara Gut, Anna Veith, Ted Ligety, Wendy Holdener, Aksel Lund Svindal oder Alexis Pinturault. Es fällt kaum auf, das bei dieser Showparade eine wie Lindsey Vonn abwesend ist. Eher fällt auf, dass eine fehlt, die im «Rebel-Team», wie diese Elitetruppe genannt wird, in absehbarer Zeit eine zentrale Rolle spielen dürfte – Aline Danioth.

Derweil stellt sich die 18-jährige Urnerin aus Andermatt im Fitnessraum des Hotels «Liebe Sonne» vor und erzählt aus ihrem Leben und von ihren Träumen. Im Hotel Chedi von Samih Sawiris absolvierte die Handelsschülerin ein Praktikum. Sportlich hat sich in kürzester Zeit einiges zusammengeläppert: Sieben Mal stand sie bei den olympischen Jugend-Weltspielen und den Junioren-Weltmeisterschaften insgesamt auf dem Podest, dreimal als Siegerin. So hoch dekoriert stieg noch nie ein Talent in den Weltcup ein.

Rainer Salzgeber, Rennchef-Chef von Gut, Svindal und Co., ist überzeugt: «Wenn sie gesund bleibt, stehen ihr alle Türen offen.» Er geniesst die Gunst der Stunde. So günstig kam die Firma Head wohl noch nie zu einer Rennfahrerin mit solchem Potenzial. Die meisten musste Firmen-Boss Johan Eliasch, ein schwedisch-britischer Multimillionär, für viel Geld zusammenkaufen.

Aline Danioth schneite es einfach herein, «weil Andermatt so etwas wie Head-Land ist», wie Länderchef Lucio Zallot anmerkt. Sein Vorgänger Piero Vezzani stammt von dort, der langjährige Rennchef Fred Tanner ebenfalls. «Uns ist ihr Talent schon sehr früh aufgefallen und wir haben versucht, sie materialmässig zu unterstützen», sagt Tanner.

Aber, wie Aline erzählt, war ein ausgeklügeltes Scouting-System gar nicht nötig: «Ich kann mich genau erinnern, wie ich als kleines Kind ins Sportgeschäft ging und meine ersten Ski auswählen durfte: Ich ging direkt auf diese Marke zu, weil sie mir am besten gefiel.»

Triumph im «King of the Mountain»

Seit sie denken kann, dreht sich bei ihr (fast) alles um den Skisport: «Als ich vierjährig wurde, hatte ich nur einen Geburtstagswunsch: Ich wollte einen Tag freeriden am Gemsstock.» Die Eltern erfüllten ihr den Wunsch, zumal sie selbst eine enge Beziehung zum Schnee haben. Die Mutter war als Jeanette Gnos einst Zentralschweizer Meisterin. Ihr Vater Carlo ist Pisten- und Rettungschef bei den Gemsstockbahnen. «Wenn ich», erzählt Aline, «mal auf eine Patrouille mitgehen durfte, war das für mich etwas vom Grössten.»

Selbst jetzt, wo Aline etablierte Alpin-Rennfahrerin ist, hat für sie Freeriden einen hohen Stellenwert. Und sie nimmt mitunter an Wettkämpfen teil. Vor zwei Jahren gewann sie den wichtigsten Contest am Gemsstock um den «King of the Mountain».

Alpintrophäen besitzt sie aber bereits im Dutzend, über J.O. (Jugend), Juniorinnen bis zum Migros-Grand-Prix und dem «Topolino». Das ist international der wichtigste Jugend-Bewerb. Wer dort gewinnt, taucht in der Regel fünf bis zehn Jahre später an der Weltspitze auf. Zurzeit ist Aline Danioth in ihrem Jahrgang 1998 weltweit die Nummer 2 im Slalom und Riesenslalom und die Nummer 1 im Super-G und der Kombination.

Heute kommts zu einer ersten Nagelprobe, eigentlich eine «Mission impossible». Im Gletscherrennen auf fast 3000 m haben Fahrerinnen mit hohen Nummern in der Regel keine Chance. «Ich starte mit einer 50er-Nummer», sagt Aline, «aber mein Ziel bleibt trotzdem eine Qualifikation für den zweiten Lauf (erste 30; die Red.). Wenn das nicht mein Ziel wäre, müsste ich gar nicht starten.»

Bis jetzt schaffte es nur eine, dieses Nummern-Gesetz zu durchbrechen: Lara Gut. Die Tessinerin wurde beim Debüt mit der Nummer 38 Fünfte. Mit Lara trainierte Aline schon am Gemsstock, als sie achtjährig war. «Zu ihr schaue ich auf», sagt Aline, «und auch zu Bernhard Russi». Seit seinen Erfolgen in den 70er-Jahren wartet Andermatt auf einen Nachfolger. Nun ist der neue Russi womöglich eine Frau. «So weit ist es noch nicht», sagt Aline. «Aber es wäre mein Ziel, einst in seine Fussstapfen zu treten.»

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