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Der nächste Diaz oder gar der nächste Josi?

Biels Nationalverteidiger Janis Moser ist beim Saisonstart produktiver als einst Roman Josi im gleichen Alter – wird auch er ein NHL-Star?

So ein Saisonstart ist im gleichen Alter nicht einmal Roman Josi gelungen. Und er gilt heute als bester Verteidiger der NHL. Und damit der Welt. Janis Moser (20) hat nach drei Partien 2 Tore und 5 Assists auf dem Konto und ist mit 2,33 Punkten pro Partie der produktivste Spieler der Liga. Die Frage, die also auf der Zunge brennt: Ist Biels Nationalverteidiger der neue Roman Josi?

Biels Verteidiger Janis Moser (20) startete stark in die Saison.

Biels Verteidiger Janis Moser (20) startete stark in die Saison.

Zahlen können diese Frage nicht umfassend beantworten. Roman Josi war im gleichen Alter beim SCB grösser (186 cm) und schwerer (84 kg) als der Bieler (185 cm/78 kg). Die Differenz ist allerdings nicht so gross, um daraus tiefgreifende Schlüsse ziehen zu können. Beim SCB war der NHL-Titan allerdings produktiver: 2009/10 erreichte er in 26 Partien 21 Punkte und Janis Moser letzte Saison «nur» 9 in 40 Spielen. In der körperlichen und spielerischen Entwicklung gibt es in diesem Alter allerdings oft noch erhebliche Unterschiede, die dann im Laufe der nächsten drei, vier Jahre verschwinden. Wenn Biels grosse Hoffnung weiterhin skort wie in den ersten drei Spielen dieser Saison, dann wird er viel produktiver sein als Roman Josi im gleichen Alter beim SCB.

«Seine Entwicklung zeugt von Lernfähigkeit»

Unsere Frage kann nur seriös beantworten, wer sich in der Wissenschaft der Spielerbeurteilung (Scouting) auskennt. Der Zufall will es, dass Thomas Roost im Mandat für Biel arbeitet. Er ist Personalchef einer international tätigen Firma und NHL-Scout. Er kombiniert Menschenkenntnis und Hockey-Kompetenz und geniesst international hohen Respekt. Er ist der Mann, an den wir die Frage richten: Ist Janis Moser der nächste Roman Josi? «Sie stellen mir diese Frage in einem eher ungünstigen Moment. Seine frühe Performance in dieser Saison verwirrt mich ein wenig und macht mich unsicher, ob ich ihn bisher nicht zu vorsichtig eingestuft habe.» Ein Vergleich sei schwierig. Josi habe bereits bei internationalen Juniorenturnieren dominiert. «Er hat früher offensive Dynamik entwickelt, während Moser sehr lange ein unauffälliger Verteidiger war, der keine Risiken einging und durch smarte Entscheidungen und eine extrem tiefe Fehlerquote überzeugte.» Aber bei geringer offensiver Kreativität und ungenügender Schussqualität. «Sein ‹heisser› Start in diese Saison überrascht mich deshalb. Ich glaube nicht, dass er diese Punkte-Pace durchhält, vermutlich auch nicht 50 Prozent davon.»

Also doch nicht der nächste Josi? Roost sagt, Janis Moser sei nicht in derselben Kategorie anzusiedeln.

Als NHL-Scout sei er überrascht, dass Moser nicht wenigstens in einer späten Runde gedraftet worden sei. «Ich habe ihn zum Draft empfohlen und dazu stehe ich noch immer.» Das Potenzial zu NHL-Star sehe er trotzdem nicht. «Aber das Potenzial zum NHL-Verteidiger Nummer sechs bis sieben, in den allerkühnsten Träumen zur Nummer vier oder fünf.» Aber Janis Moser sei künftig aus der Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken und in zwei bis drei Jahren könne er Biels Captain sein. Nach wie vor empfehle er ihn für die NHL.

Tatsächlich bleibt Moser ein Thema für die NHL. Er hat zwar soeben mit Biel bis 2024 verlängert. Wegen des Transferabkommens benötigt er in seinem Vertrag keine NHL-Klausel mehr. Er darf während der entsprechenden Transferfristen in die NHL wechseln und Biel kann ihn dann durch einen fünften Ausländer ersetzen. Und wenn er schon kein neuer Roman Josi werden sollte – zum nächsten Raphael Diaz, Captain in Zug und der Nationalmannschaft, wird es bei weitem reichen.

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