Alles begann mit verlorenen Buchstaben. Als der Vater von Ramon Zenhäusern einst in der Walliser Gemeinde Bürchen von der Piste heimkehrte, zeigte der kleine Knirps auf ihn, japste «Hi, Hi, Hi!» und meinte «Ski, Ski, Ski!» Es war der Beginn einer Liebe und der Start zur Skikarriere von Ramon Zenhäusern.

Etwas später, Ramon hatte mittlerweile selbst Ski, schaffte es der Sohn zum ersten Mal mit dem Bügellift ganz nach oben. Und er schrie stolz: «Mehr, mehr, mehr!» Der Papa aber wollte heim – und weckte den Ehrgeiz des Sohns damit erst recht. «Er wollte schon immer mehr tun als andere», sagt sein Vater.

Auch heute, mittlerweile als Slalomprofi im Weltcup unterwegs, arbeitet Ramon Zenhäusern mehr als andere. Parallel zum Leben als Sportler absolviert er ein Fernstudium an der Uni – Fachrichtung Wirtschaft. Die nächsten Prüfungen finden kurz vor der WM in St. Moritz statt. Während die Kollegen Jassen, liest Zenhäusern komplexe Fachliteratur. «Es braucht sehr viel Selbstdisziplin», sagt Zehnhäusern. «Aber für die Zeit nach dem Skisport bin ich aufgestellt. Daher war für mich immer klar, dass ich es mache.»

Irgendwie passt diese Doppelbelastung zum Mann, der wegen seiner Körpergrösse von 200 cm den Spitznamen «Doppelmeter» trägt. Als Kind wechselte er die Sportarten und war im Tennis fast ebenso begabt wie auf der Skipiste. Einmal fanden die Nachwuchsmeisterschaften in der gleichen Woche statt. Zenhäusern pendelte hin und her und wurde Schweizer Nachwuchsmeister im Riesenslalom und Walliser Vizemeister im Tennis. Es war eine logistische Meisterleistung der polysportiv begeisterten Familie Zenhäusern.

Ramons Schwester Romaine konnte als letzte Schweizer Tennisspielerin Belinda Bencic besiegen, bevor dieser der Durchbruch gelang. Romaine musste ihre Karriere dann wegen Verletzungen beenden. Ramon steht noch heute oft auf dem Tennisplatz. Aber nicht, um Turniere zu spielen, sondern um die Beinarbeit zu verbessern. Schnelle Beine sind im Slalom essenziell. Besonders, wenn ein zwei Meter grosser Körper um die eng gesetzten Stangen manövriert werden muss.

Im Training sehr schnell

Zenhäuserns Fahrstil sieht dann auch selten elegant aus. Und trotzdem ist er schnell. In dieser Saison fuhr der 24-Jährige in vier von fünf Slaloms in die Punkte, wenn auch nur einmal in die Top 20. In Adelboden belegte er Rang 19. Sein Trainer Matteo Joris sagt: «Ich habe Ramon erklärt, dass es nun weiter nach nach vorne gehen muss. Er hat die Qualität, das zeigt er in den Trainings.» Sein Schützling widerspricht nicht. «Mein Ziel für Wengen ist ein Platz in den Top 15.» Ein Exploit gelang dem Walliser im Weltcup erst einmal, als er 2016 in Adelboden Siebter wurde. «Am nächsten Tag hatte ich an der Uni eine Prüfung, die ich souverän bestanden habe.» Es gelang ihm, beides zu tun.

Seither punktet Zenhäusern regelmässig, aber es fehlen die Topresultate. Noch ist er nicht für die WM in St. Moritz qualifiziert. «Das ist mein grosses Ziel», sagt er. Um es zu erreichen, müsste er zweimal in die Top 15 fahren, oder einmal in die Top 7. Dass es möglich ist, zeigt er im Training. Dort kann der Mann vom Skiklub Bürchen locker mit den Leadern Daniel Yule und Luca Aerni mithalten.

Lernen im Bus

«Ramon fehlt noch ein wenig die Reife, um im Wettkampf ans Limit zu gehen», sagt sein Trainer. Zenhäusern selbst spricht von zu vielen Fehlern, die ihm passieren und von einem Prozess, den er machen müsse. «Ich brauche viele Rennen, um zu lernen, selbstsicherer zu sein», sagt Zenhäusern, der dafür auch immer wieder im Europacup an den Start geht. Zuletzt nach Adelboden, als er in Zell am See Rang zwei belegte. Dafür ist er mehr als 1200 Kilometer hin und zurück gefahren. «Die Zeit im Bus nutzte ich, um für die Uni-Prüfungen zu lernen.

Und sollte Zehnhäusern in den drei verbleibenden Slaloms die Qualifikation für die WM in St. Moritz schaffen, wird er es ihm auch gelingen, die anstehenden Prüfungen irgendwie dazwischen zu legen. Das wird zwar kompliziert, aber logistische Meisterleistungen gelangen den Zenhäusern schon oft.