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Der lange Weg Birkir Bjarnasons in die Schweiz zum FC Basel

Zum ersten Mal wurden die Basler auf den blonden Langhaarträger aufmerksam, als er in der WM-Quali mit Island die Schweiz zum Zittern brachte. Zwei Jahre später ist die Zangengeburt vollbracht und der 27-Jährige trägt jetzt Rot-Blau.

Sebastian Wendel, Crans-Montana
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Birkir Bjarnason ist endlich angekommen.

Birkir Bjarnason ist endlich angekommen.

Keystone

Eigentlich hätte die Autofahrt von Basel ins Wallis für Birkir Bjarnason eine erste Entdeckungsreise durch die neue Heimat sein sollen. Doch der Vertragsabschluss zieht sich am Mittwochabend derart in die Länge, dass Bjarnason und FCB-Sportdirektor Georg Heitz erst nach Anbruch der Dunkelheit aufbrechen und etwa den Genfersee nur anhand der Lichter rundherum erahnen können.

Kurz nach 1 Uhr trifft das Duo in Crans-Montana ein, wo der FCB noch bis heute im Kurztrainingslager weilt. Gestern Morgen absolvierte der Isländer bereits seine erste Einheit im Kreis der neuen Kollegen.

Keine Selbstverständlichkeit – denn der Wechsel des 27-Jährigen von Pescara an der Westküste Italiens zum FCB war eine Zangengeburt. Eine, die am 6. September 2013 beginnt: 4:1 steht es nach 55 Minuten im WM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Island. Dann, als hätte eine Giftspritze die Schweizer gelähmt, geht gar nichts mehr und die Isländer schaffen in der 90. Minute sogar den Ausgleich zum 4:4.

Schweizer Unglücksspiel wird zu Sprungbrett für Bjarnason

Bei den Gästen fällt neben Dreifach-Torschütze Johann Gudmundsson vor allem der Mann mit der strohblonden, wehenden Mähne auf: Birkir Bjarnason. Immer wieder entzückt der offensive Mittelfeldspieler mit seiner Technik, die man so von nordischen Kickern nicht gewohnt war. Er sagt: «Ich erinnere mich gut an die Partie und habe gehört, dass es in der Schweiz in die Geschichtsbücher eingegangen ist.»

Gefallen hat Bjarnasons Auftritt auch Ruedi Zbinden. Als der Chefscout des FCB am nächsten Tag ins Büro kommt, sagt er: «Bjarnason müssen wir verfolgen. Nicht den mit den drei Toren.»

Wechsel zu Turin schien fix

Zwei Jahre später wird aus dem Interesse ernst. Doch da gibt es ein Problem: Pescara hat sich vor zwei Wochen mit dem FC Turin über den Transfer von Bjarnason geeinigt, macht den Deal am 27. Juni gar publik. Die Verwirrung ist komplett, als am vergangenen Wochenende die ersten Gerüchte zum Wechsel nach Basel aufkommen.

Bjarnason klärt auf: «Ich habe nie mit Turin gesprochen.» Was aber nicht heisst, dass er sich da schon für den FCB entschieden hat. Es gab Interesse von mehreren Vereinen, doch habe er sich «unglaublich schwergetan» mit einer Entscheidung.

Ein Image, das ihm zusagt

Bis zum Montag: Als er sich in Basel mit Präsident Bernhard Heusler und Heitz unterhielt, ging es plötzlich ganz schnell: fünf Minuten, so Bjarnason, habe es gedauert, und für ihn war klar: Hier will ich hin. Und nicht nach Turin, wo man nicht gerade erfreut reagierte auf die Neuigkeiten aus der Schweiz.

Am Mittwochabend dann, nach langen Verhandlungen, deren Ausgang lange unklar war, signiert er endlich den bis 2018 gültigen Vertrag. Dass der Transfer bis zuletzt auf der Kippe stand, beweist diese Anekdote: Als Bjarnason und Heitz auf dem Weg ins Wallis sind, zeigt der Isländer dem Sportdirektor sein Handy und sagt: «Schau, die Italiener schreiben, dass ich nach Lissabon gehe.»

Ein Wikinger, wie er im Buche steht

Als sich Bjarnason gestern vorstellt, sitzt da in der Hotellobby der Prototyp eines Wikingers: lange, blonde Haare, Raspelbart, Tattoos, stattlicher Körperbau. Sofort sieht man vor dem inneren Auge Thor, den Donnergott. «Schon in Italien haben mich die Menschen ‹Thor› genannt. Oder ‹Blondie›. Ich mag dieses Image», sagt er und grinst.

Er spiele auch so, wie man das von einem Wikinger erwarten könne: mit viel Körpereinsatz und Laufarbeit, Fleiss und Kampf. Dazu kommen die überdurchschnittlich gute Technik und Skorerqualitäten: «Im Strafraum, Mann gegen Mann, das ist genau mein Ding.»

Bjarnason ist ein erfrischendes, neues Element in der langen Liste der Söldner des FC Basel, noch nie hat ein Isländer das rot-blaue Trikot getragen. Mit Gretar Steinsson (YB) und dem legendären Sigi Gretarsson (1989 Meister mit Luzern) haben aber zwei Landsmänner Spuren hinterlassen in der Schweiz. Etwas, das auch Bjarnason anpeilt: «In den vergangenen vier Jahren habe ich vier Mal den Klub gewechselt. In Basel möchte ich zur Ruhe kommen.»

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