Tennis

Der Kopf wird das Rennen entscheiden

Kommt es zu einem Schweizer Halbfinal? Wenn Wawrinka (links) Murray besiegt, steht ein Schweizer im Final in London.

Kommt es zu einem Schweizer Halbfinal? Wenn Wawrinka (links) Murray besiegt, steht ein Schweizer im Final in London.

Stan Wawrinka und Andy Murray kämpfen um einen Platz im Halbfinal gegen Roger Federer an den World Tour Finals. Es geht um alles oder nichts. Sieg oder Niederlage.

Ob Gruppenspiel oder klassisches K.-o.-System. Die Frage erübrigt sich, Rechenspiele sind überflüssig. Stan Wawrinka oder Andy Murray lautet heute Abend die einfache Frage. Sie streiten um den zweiten Platz hinter Gruppensieger Rafael Nadal. Um 21 Uhr Schweizer Zeit (SRF 2) gehts los. Der Sieger zieht bei den World Tour Finals in London in die Halbfinals ein, der Verlierer scheidet aus. Klar ist bereits, dass auf den Sieger der Partie Roger Federer morgen im Halbfinal (wohl um 21 Uhr Schweizer Zeit) wartet. Das andere Halbfinalduell findet zwischen Rafael Nadal und der Weltnummer 1, Novak Djokovic, statt.

«Für uns ist das gut», betont Wawrinka. «Du gehst raus und weisst, du musst gewinnen, das macht es einfacher», sagt der Schweizer. Bei seiner dritten Teilnahme am Turnier der besten acht der Saison möchte der 30-Jährige auch zum dritten Mal in die Halbfinals. Wenig deutete am Montag nach seiner uninspirierten Vorstellung gegen Nadal darauf hin, dass er sein Ziel erreichen kann. Doch gerade noch rechtzeitig bekam er die Kurve.

Gedanken nicht beim Tennis

«Ich war gegen Nadal mit meinen Gedanken irgendwo ganz anders», erklärte er. Er habe weder Tennis gespielt, noch habe er sich bewegt. «Das war ganz einfach nichts», gibt er zu. Er habe sich gefühlt, wie wenn er aus dem Gefängnis gekommen sei und nichts mehr sei gewesen wie zuvor. «Unbegreiflich», nannte Marc Rosset nach dem Match die Vorstellung Wawrinkas und rätselte, ob dieser vielleicht verletzt gewesen war.

In der zweiten Partie gegen David Ferrer sah das schon anders aus. Der verfügt zwar nicht über die Klasse seines Landsmannes Nadal, doch ist der Spanier ein zäher Brocken. Seit mehr als zehn Jahren hält sich der 33-Jährige konstant in den Top 20, seit fünf Jahren gar in den Top 10. Er gehört zu den Dauergästen bei den World Tour Finals, ist zum siebten Mal dabei.

Wawrinka startete zwar schlecht gegen Ferrer. Doch dann nutzte er zum Ende des Satzes Geschenke seines Gegners. «Da hatte ich ein bisschen Glück, aber dann habe ich zu meinem Spiel gefunden», sagte er. Offensichtlich fühlt sich Wawrinka wieder befreiter. Seine Frau Ilham, von der er getrennt lebt, hatte seine Tochter Alexia nach London gebracht. Die Fünfjährige strahlte, genoss das Spektakel in der 02-Arena und freute sich in der Box neben Grossvater Wolfram, Wawrinkas Vater, über den Sieg von Papa.

Wawrinka hofft, auf dem richtigen Weg zu sein: «Es wird sicher interessant, wir haben schon ein paar grosse Kämpfe gegeneinander gehabt.» 8:6 führt Murray, die beiden letzten Partien hat der Schweizer gewonnen, allerdings liegen sie schon zwei Jahre zurück. «Ich bin gespannt, ob ich das gute Spiel vom Ende des Ferrer-Matches wiederfinde», blickt er voraus. Auch sei interessant, was Murray biete. «Der spielt ein tolles Jahr, ist die Nummer zwei der Welt, in der Halle gefährlich, besonders zu Hause», weiss Wawrinka. Murray hat eine ähnliche Woche wie er hinter sich. Ein solides Match gegen Ferrer und eine happige Pleite gegen Nadal.

Murray und der Davis-Cup

Während für Wawrinka die Saison spätestens am Sonntag zu Ende ist, geht es für Murray in der nächsten Woche weiter mit dem Final im Davis-Cup in Belgien. «Ich weiss nicht, wie er denkt», sagt Wawrinka. «Ob er komplett konzentriert ist oder bereits den Davis-Cup im Kopf hat.» Murray habe in der vergangenen Woche viel auf Sand trainiert, möglicherweise fehle ihm deshalb in London die Frische. «Wenn ich sein Match gegen Nadal betrachte, dann glaube ich, er war ein wenig platt», analysiert Wawrinka. «Wenn er mental nicht ganz bei der Sache ist, dann ist er ein komplett anderer Spieler.»
Murray will davon nichts wissen. Er nervte sich über die Frage, ob er unkonzentriert sei und sich schon mit nächster Woche beschäftige, weil er sich beim Seitenwechsel ein paar Haare abgeschnitten hat: «Nein, sie hingen mir einfach in die Augen, das wars.» Es sei unglaublich, wie eine Szene von zwei Sekunden so viel Aufmerksamkeit errege.

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