Wer sich in den Katakomben der Zuger Bossard-Arena bewegt, der wird bombardiert mit englischen Slogans. «Blue white passion» – blau-weisse Leidenschaft – prangt in grossen weissen Buchstaben auf einer blauen Wand vis-à-vis der Garderobe, aus welcher die Spieler des EVZ jeweils kommen, wenn sie das Eis betreten. «This is Zug» – das ist Zug – ist oberhalb des Durchgangs zu lesen, durch den die Cracks in die Arena marschieren.

«Passion for success» – Leidenschaft für Erfolg – steht auf einer anderen Wand geschrieben. Fast mantramässig wird dem Beobachter hier mitgeteilt: Der EV Zug ist stark. Der EV Zug bereit für die kommenden Herausforderungen. Es scheint aber auch fast ein wenig, als ob sich die Zuger selber davon überzeugen müssen, dass sie stark genug sind, erstmals seit 1998 wieder den Titel in die Kolinstadt zu holen.

Nun: Nimmt man den bisherigen Verlauf der Playoffs als Massstab, dann darf man beim EVZ durchaus zuversichtlich sein. Drei Spiele, drei Siege lautet die makellose Bilanz in der Viertelfinalserie gegen den HC Lugano.

Der Auftritt im dritten Vergleich am Donnerstagabend war zwar alles andere als überzeugend. Aber es ist eben das Qualitätsmerkmal einer guten Mannschaft, dass sie auch Spiele zu gewinnen vermag, die sie eigentlich verlieren müsste. 3:4 lagen die Zuger nach einem desolaten Auftritt im Mitteldrittel gegen die Tessiner im Hintertreffen.

Und hatten dabei Glück, dass der Rückstand nicht grösser war. «Wir waren überhaupt nicht zufrieden, wie wir aufgetreten sind. Umso wichtiger war, dass wir im letzten Abschnitt eine Reaktion gezeigt haben», analysierte Zugs Topskorer Lino Martschini ehrlich.

In der Tat reagierten die Innerschweizer auf den unzufriedenstellenden Lauf der Dinge überzeugend. «Wie wir im letzten Drittel aufgetreten sind, war sehr gut und zeugt auch von unserem Selbstvertrauen. Wir sagten uns, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen und immer noch im Spiel sind», sagt Martschini.

Entscheidend ist in solchen kritischen Augenblicken bekanntlich auch immer der Faktor «Leadership». Ein Punkt, den man dem EVZ in den vergangenen Jahren immer mal wieder angekreidet hat. Zu oft verschwand die Mannschaft genau dann in der Versenkung, wenn sie auf Widerstände traf.

Martschini spürt aber, dass man auf mentaler Ebene einen Schritt nach vorne gemacht hat: «Wir haben sehr viele Leader im Team, die zum richtigen Zeitpunkt auch mal aufstehen und klare Worte an die Mitspieler richten. Dasselbe gilt für Trainer Dan Tangnes, der uns wieder auf Kurs gebracht hat.»

Drei Spiele, drei Tore

Einer, der in den vergangenen Jahren immer mal wieder gerne untergetaucht ist in den Playoffs, ist ausgerechnet Lino Martschini. Der 1,68 Meter kleine und 66 Kilogramm leichte, quirlige und vor allem schussgewaltige Flügel kam dann, wenn es auf dem Eis härter zur Sache ging, überhaupt nicht mehr zur Geltung.

Martschini ist auf dem besten Weg, seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Nach drei Spielen hat er schon drei Tore auf seinem Konto. Zum Vergleich: In den vergangenen vier Jahren kam er in total 31 Playoff-Partien auf exakt denselben Output. Martschini weiss, dass auch er einen Schritt nach vorne machen muss, wenn sich der EVZ den Traum vom Titelgewinn erfüllen möchte.

Dazu gehört eben auch, dann, wenn es zählt, eine Leaderrolle zu übernehmen. Er sagt: «Ich bin nicht immer der Lauteste. Aber ich suche mir die Momente heraus, in denen ich etwas sage. Das Wichtigste ist aber, dass man seinen Worten auf dem Eis Taten folgen lässt.»
Noch haben die Zuger die Hürde Lugano nicht überwunden.

Noch ist der Weg zum Thron sehr weit. Dessen ist man sich beim EVZ vollauf bewusst. Ebenso, dass das Spiel mit dem Feuer nicht jedes Mal so gut ausgeht wie am Donnerstag. Lino Martschini sagt: «Wir wollen in Zug eine Winner-Mentalität entwickeln. Dafür braucht es Abende, in denen man solche Spiele noch wenden kann.

Wir müssen aber auch ehrlich zu uns sein und analysieren, was nicht gut gelaufen ist. Es kann nicht immer so herauskommen. Deshalb ist es wichtig, dass wir am Boden bleiben.» Der passende englische Slogan wäre: «Keep your feet on the ground.»