Eishockey
Der Jubelsturm von Sotschi droht zu verpuffen

Nach dem Bronze-Erfolg von Sotschi ist bei den Eishockey-Frauen wieder der Alltag eingekehrt. Der heisst in den kommenden Tagen «International Chablais Hockey Trophy», ein Turnier in Monthey.

Daniel Monnin
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Aushängeschild in Sachen Frauen-Eishockey. Torhüterin Florence Schelling jubelt über Bronze bei Olympia. key

Aushängeschild in Sachen Frauen-Eishockey. Torhüterin Florence Schelling jubelt über Bronze bei Olympia. key

Das Spiel der Spiele in Sotschi ist Vergangenheit, die Tage der Euphorie sind dem Alltag gewichen. Auf der Tour der Bewährung steht das Schweizer Frauen-Nationalteam vor seinem ersten Härtetest, dem Vierländer-Turnier um die «International Chablais Hockey Trophy» in Monthey. Beim Traditionsturnier im Unterwallis spielen die vier Teams der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs und der Slowakei.

Den Medaillengewinnerinnen von Sotschi bietet sich die Gelegenheit, vor Heimpublikum Werbung in eigener Sache zu machen. Der Druck wird nicht klein sein, denn gegen die hinter der Schweiz klassierten Nationen werden klare Siege erwartet. Doch fehlen im Schweizer Aufgebot acht Olympiafahrerinnen aus verschiedenen Gründen: Ausland, Beruf, Verletzung, Rücktritt.

Der neue Trainer, Gian-Marco Crameri, formuliert seine Ziele zurückhaltend und spricht vor seinen ersten drei Länderspielen keineswegs vom Turniersieg: «Wichtig ist mir in erster Linie, dass wir lernen, den Gegner zu dominieren. Die Favoritenrolle schieben uns andere zu, wir wollen uns Schritt für Schritt entwickeln.» Natürlich weiss er, dass Siege erwartet werden. «Das ist auch gut so, wir werden mit dem Druck umgehen müssen.»

Gestiegene Akzeptanz

Mit dem Gewinn der Bronzemedaille ist die Aufmerksamkeit und Akzeptanz gegenüber dem Frauen-Eishockey in der Schweiz merklich gestiegen. Sympathieträger und Aushängeschild ist die Nationalmannschaft: 21 Spielerinnen, die in Sotschi Geschichte geschrieben haben. Allen voran Torhüterin Florence Schelling, die am Olympia-Turnier drei Auszeichnungen erhielt: wertvollste Spielerin des Turniers (MvP), beste Torhüterin, All-Star-Torhüterin.

«Ja, der Bekanntheitsgrad ist massiv angestiegen, das merkt man jeden Tag», sagt sie. Schelling ist eine Ausnahmeerscheinung, sie gilt als «das Gesicht des Schweizer Frauen-Eishockeys». Eine Bezeichnung, die ihr nur bedingt gefällt. Bescheiden meint sie: «Ich sehe mich nicht als solches, auch wenn ich die meisten Einladungen erhalten habe.»

Captain Julia Marty doppelt nach: «Wir stehen vermehrt im öffentlichen Interesse, das ist richtig, aber so richtig durchgestartet ist das Frauen-Eishockey noch nicht.» Grundlegendes habe sich noch nicht verändert, weder in der Liga noch bei der mit rund 1000 Lizenzierten dünnen Spielerinnendecke in der Schweiz. Deshalb sei es wichtig, dass generell auf allen Stufen «vermehrt in die Zukunft investiert wird,» so Schelling. Sie denkt an eine aktive Förderung des Frauen-Eishockeys.

Ein erster Schritt war der «Girls Hockey Day» in Kloten, an dem gegen 100 Anfängerinnen und junge Spielerinnen teilgenommen haben. Die Bronzegewinnerinnen standen zuletzt am «Swiss Ice Hockey Day» überall in der Schweiz im Einsatz und in Monthey findet am Samstag ein «Girls Only»-Event statt, getragen von den Organisatoren und dem nationalen Frauen-Eishockey-Gremium. Präsidentin Laure Aeschimann: «Mit der Chablais Trophy bietet sich uns eine Plattform, das Frauen-Eishockey in der Romandie noch besser zu positionieren und bekannt zumachen.»

Ziel ist eine WM-Medaille 2015

Förderung und Entwicklung sind die eine Seite, die kurz- und langfristigen Erfolge die andere. Für Schelling ist klar: «Wir haben extrem viel zu bestätigen, aber es muss unser oberstes Ziel sein, im April 2015 an der WM eine weitere Medaille zu holen.» Julia Marty, erst von einer sechswöchigen Verletzungspause zurückgekehrt , aber schon wieder am Fuss verletzt und in Monthey aus Studiengründen nur bedingt dabei, sagt: «Wir wollen dort weiterfahren, wo wir aufgehört haben – auf höchstem Niveau.» Das heisst nichts anderes als den dritten Platz im Nationen-Ranking zu verteidigen – und dafür werden weitere Höchstleistungen, spätestens an der WM Ende März 2015 in Malmö – nötig sein.

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