Tour de Suisse
Der heimliche Hauptsponsor: Warum es ohne das Schweizer Fernsehen keine Tour de Suisse geben würde

Eine Tour de Suisse ohne das Schweizer Fernsehen SRF ist undenkbar. Der Staatssender bietet die wichtigste Bühne für das neuntägige Etappenrennen und investiert viel Geld in den Event - doch es ist eine Rechnung, die aufgeht: Der Radsport ist beim Fernsehpublikum beliebt.

Daniel Good
Drucken
Teilen
Das Feld im Visier: Eine der vier Motorrad-Kameras der Tour de Suisse am Puls des Geschehens.
7 Bilder
Tour de Suisse SRF (17.06.2019)
Im heimischen Wohnzimmer durften tausende von Zuschauern seinen erneuten Triumph miterleben.
Der brillierende Peter Sagan wird von der Konkurrenz verfolgt: Auch das entgeht dem SRF nicht.
Für die Tour de Suisse investiert das Schweizer Fernsehen gerne viel Geld...
....denn es lohnt sich: Der Radsport selbst und das Rennen erfreuen sich grosser Beliebtheit.
Eine Tour de Suisse ohne das Schweizer Fernsehen? Undenkbar!

Das Feld im Visier: Eine der vier Motorrad-Kameras der Tour de Suisse am Puls des Geschehens.

Ohne die SRG würde die Tour de Suisse nicht mehr stattfinden. Am deutlichsten zum Ausdruck kam dies 2017 im Vorfeld der Volksabstimmung über die sogenannte No-Billag-Initiative, als es um die Abschaffung der Gebühren der öffentlich-rechtlichen Anstalt SRG ging.

Kein privater Anbieter würde das Risiko auf sich nehmen, die Produktionskosten für ein grosses Etappenrennen zu stemmen. Eine Refinanzierung ist unmöglich. Bloss fünf Prozent der Produktionskosten kann die SRG während der Tour de Suisse durch Werbung und Sponsoring wieder einnehmen.

Wie viel Geld die SRG für die Produktion und Übertragung der Tour de Suisse ausgibt, ist vom Staatssender nicht zu erfahren. «Zu einzelnen Produktionen geben wir keine Zahlen bekannt. Aber natürlich ist die Tour de Suisse ein aufwendiger Posten im Budget», erklärt SRG-Sportchef Roland Mägerle.

Peter Sagans Machtdemonstration

Dritte Etappe, dritter Leader: Peter Sagan ist in Murten der Favoritenrolle gerecht geworden. Der Slowake meisterte die Tücken des Parcours auf den letzten Kilometern einmal mehr besser als die Konkurrenz. Er verbuchte schon den 17. Tagessieg an der Tour de Suisse und baute seinen Rekord weiter aus. Dank der zehn Sekunden Zeitgutschrift für den ersten Etappenrang löste Sagan zugleich den Dänen Kaspar Asgreen als Leader ab. Die dritte Etappe war auf Sagan zugeschnitten. Es ging insbesondere darum, in einer guten Position in die letzte Kurve, 200 Meter vor dem Ziel, einzubiegen. Sagan bewies dabei einmal mehr, dass er ein Meister der Positionskämpfe ist. Mit einem Check mit der Schulter gegen den Deutschen John Degenkolb verschaffte er sich freie Bahn und fuhr als Zweiter in die finale Steigung. Der 29-Jährige überholte den letzten Gegner locker und hielt sich auch den Italiener Elia Viviani vom Leib. Es war Sagans dritter Saisonsieg nach je einem Erfolg in Australien und Kalifornien. Bester Schweizer war der 25-jährige Zürcher Unterländer Fabian Lienhard auf dem achten Platz. Ihm liegen Zielsprints, die bergauf führen. «Mein Ziel am Morgen war ein Platz unter den ersten zehn. Ich bin deshalb sehr zufrieden», sagte Lienhard, der in Gippingen, im wichtigsten Schweizer Eintagesrennen, Siebter geworden war. Lienhards Vater Erwin gewann 1981 in Laax die Königsetappe der Tour de Suisse. Erwin Lienhard starb im Januar nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 62 Jahren. Fabian Lienhard gehört zum Schweizer Nationalteam, das zwischen Flamatt und Murten erneut einen guten Auftritt hatte. Simon Pellaud wurde erst sechs Kilometer vor dem Ziel eingeholt. Der Unterwalliser hielt dem Bergpreis-Leader Claudio Imhof den Rücken frei. Nach dem Kraftakt vom Sonntag, als er 114 Kilometer solo an der Spitze fuhr, kam der 28-jährige Thurgauer gestern im Feld ins Ziel. Bester Schweizer im Gesamtklassement blieb Stefan Küng. Er ist Sechster mit 20 Sekunden Rückstand auf Leader Sagan. (dgo)

So viel kann er sagen: «Für den Erwerb von Sportrechten wenden wir jährlich 48 Millionen Franken auf. In den vergangenen Jahren sind diese Ausgaben gesunken. Wir sind bekanntlich durch Gebühren finanziert und gehen haushälterisch mit unseren Mitteln um.»

Aufwendige Produktion

Ein Velorennen zu übertragen, ist teuer. Rund 1200 Kilometer werden während einer Tour de Suisse durchmessen. Die Infrastruktur im Start- und Ziel-Gelände wird täglich neu auf- und abgebaut. Am Zielort hat die SRG zwei Übertragungswagen im Einsatz, um das Weltsignal zu produzieren.

Fernsehbilder vom Rennen liefern vier bis sieben fest installierte Kameras im Zielgelände, zwei Helikopter und vier Motorradkameras. Die Bilder der mobilen Motorradkameras und der Helikopter gelangen über ein Flugzeug, das auf rund 8000 Metern unterwegs ist, zum Übertragungswagen am Etappenziel. 65 Mitarbeiter der SRG kümmern sich um die Produktion des Weltsignals, weitere 40 produzieren die TV-, Radio- und Online-Angebote für alle Sprachregionen der Schweiz.

Mit den Zuschauerzahlen und dem Marktanteil ist Mägerle zufrieden. 2016 waren es in der Deutschschweiz auf SRF 2 durchschnittlich 124 000 Personen, die die Tour de Suisse live am Fernseher verfolgten. In den vergangenen beiden Jahren waren es jeweils 79 000.

Ansehlicher Marktanteil

«Das ist um einiges mehr, als andere Sendungen während des Tages haben», sagt Mägerle. Der Marktanteil beträgt jeweils 20 bis 25 Prozent. Auch das ist laut dem Chef ein starker Wert. In der Romandie schauten 2018 im Durchschnitt 19 000 Personen zu, im Tessin 7000. Zum Vergleich: 2018 führten sich 914 000 Deutschschweizer die Lauberhornabfahrt in Wengen auf dem SRF-Sender zu Gemüte.

«Der Radsport ist in der Schweiz wieder im Aufschwung und beim Fernsehpublikum beliebt. Das zeigte schon der Zuspruch der Zuschauer während der Tour de Romandie in diesem Jahr. Auch die Mountainbikerennen, die wir seit dieser Saison übertragen, haben einen sehr ansehnlichen Marktanteil», sagt Mägerle, «die Entwicklung erachte ich als sehr positiv. Dazu wollen wir unseren Teil weiter beitragen.»

Die Tour de Suisse ist für Mägerle eine identitätsstiftende Angelegenheit, ein Kulturgut mit grosser Tradition. «Stadt und Land rücken näher zusammen. Das ist wichtig für die Schweiz. Das hat mit Service public zu tun.»

Am meisten Zuschauer gibt es für das nationale Fernsehen, wenn die Schweizer mit starken Leistungen aufwarten. Als Ferdy Kübler und Hugo Koblet seinerzeit auf den Schweizer Strassen unterwegs waren und Sieg an Sieg reihten, gab es noch keine Live-Bilder. Erst seit 1991 – seit dem 700-Jahr-Jubiläum des Landes – überträgt die SRG die Tour de Suisse live.

Die Durchfahrtszeiten

13:15 Murten (Start) – 14:18 Grenchen – 14:28 Bettlach – 14:30 Selzach – 14:35 Bellach – 14:38 Solothurn – 14:45 Riedholz – 14:53 Wiedlisbach – 14:56 Oberbipp – 14:58 Niederbipp – 15:02 Oensingen – 15:06 Klus – 15:09 Balsthal – 15:14 Mümliswil – 15:20 Ramiswil – 15:32 Passwang (BP) – 15:39 Unterbeinwil – 15:43 Erschwil – 15:46 Büsserach – 15:48 Breitenbach – 15:59 Fehren – 16:01 Zullwil – 16:04 Nunningen – 16:08 Bretzwil – 16:14 Seewen – 16:22 Hochwald – 16:27 Dornach – 16:39 Arlesheim (1. Zieldurchfahrt) – 16:40 Dornach – 16:43 Duggingen – 16:47 Gerlingen – 16:57 Eichenberg (BP) – 17:04 Hochwald – 17:09 Dornach – 17:20 Arlesheim (Ziel

Aktuelle Nachrichten