Daniela Anschütz-Thoms
Der grösste Pechvogel bei Olympia

An olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften zählt nur eines: Eine Medaille. Bereits der vierte Platz gilt nichts mehr. Das erlebt seit 12 Jahren die Eisschnellläuferin Daniela Anschütz-Thoms aus Deutschland. In Vancouver hat sie zum vierzehnten und fünfzehnten Mal Blech eingesammelt.

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Daniela Anschütz-Thoms

Daniela Anschütz-Thoms

Keystone

Adrian Köchli

Daniela Anschütz-Thoms ist 35 Jahre alt und eine der besten Eisschnellläuferinnen der Welt. Doch auf der gelernten Rechtsanwaltsgehilfin lastet ein Fluch. Der Fluch des vierten Platzes. Die gebürtige Erfurterin brachte es in den letzten 12 Jahren bei Grossereignissen (Olympia, WM und EM) im Einzel 15 Mal auf dem undankbarsten aller Plätze zu landen. In Vancourver setzte sich diese unglaublich anmutende Serie fort.

So etwa im 3000m-Final der Frauen am 14. Februar 2010. Die Tschechin Martina Sablikova holt sich Gold in 4:02,53 Min. Silber geht an Stephanie Beckert (21) aus Deutschland. Bronze sichert sich Kristina Groves von Gastgeber Kanada in 4:04,84 Min. Vierte wird Daniela Anschütz-Thoms. Ihr Rückstand am Schluss auf Bronze: Winzige 0,03 Sekunden. Zehn Tage später, im 5000m-Final, holt sich wieder die Frau aus dem Osten Tschechiens, die 22-jährige Martina Sablikova, den Olympiasieg. Auch die Zweite ist die Gleiche wie im 3000m-Final. Die Erfurterin Stephanie Beckert sichert zum zweiten Mal Einzel-Silber in Vancouver. Daniela Anschütz-Thoms wurde auch in diesem Rennen, ja genau, Vierte. Tröstend war vielleicht, dass der Abstand diesmal grösser war als über die 3000 Meter. Die Kanadierin Clara Hughes schnappte Anschütz-Thoms die Bronze-Medaille um 2,92 Sekunden weg.

Der Traum vom Einzelgold ist ausgeträumt

Wie der berühmten Märchenfigur «Pech-Marie» aus den Märchen der Gebrüder Grimm klebt Anschütz-Thoms scheinbar ihre ganze Karriere lang das Unglück an den Kufen. Die Thüringerin scheint ihre Pechsträhne aber langsam mit Humor zu nehmen. So sagte sie nach dem 3000m-Rennen der «Bild-Zeitung»: «Schei . . .! Ich habe einfach die Schei . . . an der Backe kleben. Ich habe keinen Fehler gemacht, bin unendlich enttäuscht.»
Sarkastisch fügt sie hinzu: «Ich habe meine vierten Plätze schon immer knapp gewonnen.» Nach den Spielen von Vancouver ist klar: Der grosse Einzel-Erfolg wird der Sportsoldatin in ihrer Karriere verwehrt blebein. Am zweitletzten Wettkampf-Tag in Vancouver gewann sie wenigstens zum zweiten Mal nach Turin 2006 Olympia-Gold mit der Mannschaft in der Teamverfolgung. Ein schwacher Trost.
Denn in Erinnerung bleiben bei ihr leider die vielen vierten Blech-Plätze . . .