Playoff-Final
Der Giftzwerg Cory Conacher bewegt sich auf schmalem Grat

Berns Topskorer Cory Conacher sucht die richtige Mischung zwischen Topskorer, Fighter und Provokateur. Keine leichte Aufgabe für Conacher.

Michael Forster
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1,73-Meter-Mann Cory Conacher ist der Unruhestifter des SC Bern.

1,73-Meter-Mann Cory Conacher ist der Unruhestifter des SC Bern.

Urs Lindt/freshfocus

«Meine Grösse ist ganz offensichtlich eine Erschwernis», sagte Cory Conacher vor etwas mehr als vier Jahren. Allein, zu diesem Zeitpunkt war er schon auf dem besten Weg, seiner Grösse ein Schnippchen zu schlagen. Der «5-foot-8 winger», wie der mit 173 Zentimetern eher kleine Flügel in Nordamerika bezeichnet wird, hatte sich nämlich mit starken Leistungen in unteren Ligen einen Vertrag in der AHL erspielt, wo er auf Anhieb einschlug. Mit 80 Punkten aus 75 Qualifikationsspielen, darunter 39 Toren, schaffte er es als Rookie in die Notizbücher der NHL-Scouts und brachte es in den folgenden drei Saisons auf 141 Spiele in der besten Liga der Welt.

«Er ist zwar nicht gross, aber er spielt grossartig», machte ihm Julien BriseBois, sein künftiger Assistenztrainer der Tampa Bay Lightning, wo er seine NHL-Karriere lancierte, das wohl schönste Kompliment überhaupt. «Er ist ein starker Spieler und geht dorthin, wo es wehtut.» Wenn man den damals 22-jährigen Conacher auf dem Eis suchte, dann fand man ihn meistens vor dem gegnerischen Tor.

«Ich liebe es, mich rund ums Tor zu bewegen»

Das ist heute nicht anders. Sein jetziges Spiel sei mit jenem in Nordamerika zu vergleichen, so der Kanadier. «Ich liebe es, mich rund ums Tor zu bewegen, mich dort aufzuhalten, wo dreckig gespielt wird – und, natürlich, dreckige Tore zu erzielen.» Die gelingen ihm nicht selten mittels Direktabnahme. Das gute Timing macht ihn vor allem im Powerplay zum unverzichtbaren Wert – zusammen mit Derek Roy, welcher ihn, aber auch seine Kollegen, immer wieder mustergültig zu bedienen versteht.

Cory Conacher geht dorthin wo es weh tut.

Cory Conacher geht dorthin wo es weh tut.

KEYSTONE

Einen Grund, an seinem Spiel, welches bei weitem nicht nur auf das Skoren ausgerichtet ist, etwas zu ändern, hat Conacher nicht. Denn genau damit hat er es schliesslich in die NHL geschafft – und «sicher nicht durch meine Grösse», schmunzelt er. Wenngleich: Über ein paar Zentimeter mehr wäre er nicht unglücklich. «Es vereinfacht Vieles, wenn man grösser ist. Aber ich habe gezeigt, dass ich mich auch mit meinen Ausmassen nicht scheue, in die Ecken zu gehen, das Duell gegen deutlich grössere Verteidiger zu suchen, auch einmal zu riskieren, in einen Crosscheck zu laufen.»

Die NHL bleibt im Hinterkopf

Der Grat jedoch zwischen Topskorer, Fighter und Provokateur sei ein schmaler, räumt er ein. Hart spielen ja, aber nicht um jeden Preis. «Wenn ich durch eigene Strafen das Team schwäche, dann habe ich meinen Job nicht gemacht.» Gegen Lugano war aber genau dies der Fall. Zweimal musste Conacher auf die Strafbank, und zweimal nutzte der Gegner die folgende doppelte Überzahl zu einem Treffer. Nur wenn es gelingt, gegen die dominanten ersten beiden Linien der Luganesi die richtige Mischung zu finden, ist ein SCB-Sieg in dieser Finalserie realistisch. Das weiss auch Conacher. «Wenn sie genügend Raum vorfinden, spielen sie grossartiges Hockey. Und genau das müssen wir verhindern.»

Cory Conacher steht in den bisherigen Playoffs bei 6 Punkten (3 Tore/3 Assists).

Cory Conacher steht in den bisherigen Playoffs bei 6 Punkten (3 Tore/3 Assists).

KEYSTONE/DOMINIC STEINMANN

Am Einsatz Conachers, welcher sich zusammen mit seiner Frau Shannon in Ittigen bestens eingelebt hat, wird es nicht liegen. Ein Titelgewinn mit Bern wäre für ihn die Krönung seiner ersten Saison auf dem Kontinent. Und ein Dank an das «überwältigende «Publikum. Eine ähnliche Stimmung habe er in Übersee nie auch nur annähernd erlebt. Und auch sonst fühle er sich in Bern ausgesprochen wohl. Er könne sich gut vorstellen, hier sogar eine Familie zu gründen. Und doch behält er die NHL im Hinterkopf. «Das ist für einen Nordamerikaner ganz normal. Sollte sich die Möglichkeit zur Rückkehr ergeben, ich müsste sie wohl annehmen. Aber nicht, ohne vorher mit meiner Frau darüber gesprochen zu haben.»

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