Das Wort zur Champions League
Der Fussball erhält seine Seele zurück

Der Fussball musste in den letzten Monaten einiges an Kritik einstecken. Dann kamen diese Champions League-Achtelfinals. Spannung, Dramatik – der Zauber ist zurück. Ein Kommentar.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Was war das für eine Vorstellung! Barcelona siegt sensationell 6:1 gegen Paris Saint-Germain.

Was war das für eine Vorstellung! Barcelona siegt sensationell 6:1 gegen Paris Saint-Germain.

Keystone

Der Fussball ist langweilig. Der Fussball hat seine Identität verloren. Dem Fussball fehlt die Seele. Der Fussball liegt auf dem Sterbebett.

Das ist die Kurz-Zusammenfassung der Vorwürfe. Es hat sich einiges an Frust aufgestaut in den letzten Monaten. Frust über das Gekicke. Frust über die Allüren der Stars. Es war zunehmend schwierig, Leute zu finden, die dem übersättigten Treiben der Fussball-Welt mit begeisterten Augen begegneten. Gerade die Champions League bekam ihr Fett ab. Wie lange wollen wir uns das noch antun?, fragten wir.

Doch dann kamen die letzten Wochen. Und in diesen letzten Wochen ist etwas passiert. Es ist, als hätte der Fussball seine Seele zurückerhalten. Was die Teams in den Achtelfinals der Champions League zeigten, war schlicht grandios. Da war nichts mit Abwarten, nichts mit müdem Gekicke. Achtung, fertig, los! Begeisternder Fussball vom Anfang bis zum Schluss.

Vielleicht ist es jetzt ziemlich voreilig, eine neue Tendenz auszumachen nur aufgrund einiger Spiele. Und doch beschleicht einen plötzlich wieder ein wohliges, kribbliges Gefühl vor den Champions-League- Abenden. Das Gefühl, dass man etwas verpassen könnte, wenn der Fernseher ausgeschaltet bleibt. Die freudige Erwartung ist zurück. Spektakel, Dramatik – Spiele für die Geschichte! Alles dabei.

Neun Tore im Schnitt waren es bisher in den Achtelfinals. Resultate wie 4:0, 1:5, 6:1, oder 5:3. Und wir fragen uns: Kann das wirklich so weitergehen? Und warum kommen die
Leckerbissen plötzlich in grösster Regelmässigkeit?

Wir wollen gar keine Antwort. Wir wollen den Gedanken verdrängen, dass alles vielleicht nur eine Illusion ist. Wir wollen nicht daran denken, dass wir uns vielleicht schon sehr bald verfluchen, wenn wir den Jass-Abend absagen und bald die Viertelfinals und Halbfinals über uns ergehen lassen müssen. Aber die Hoffnung ist zurück. Und das ist gerade ziemlich schön.