Europacup

Der FCB musste es schmerzlich erfahren: Der spanische Klubfussball ist momentan unaufhaltsam

Der FC Basel – hier Xhaka und Zuffi – scheiterte einmal mehr beim Versuch, die spanischen Fussballkünste zu stoppen.

Der FC Basel – hier Xhaka und Zuffi – scheiterte einmal mehr beim Versuch, die spanischen Fussballkünste zu stoppen.

Nicht nur der FC Basel, ganz Europa tut sich schwer mit spanischen Klubs – doch warum ist das so? In vier entscheidenden Punkten liefert Ihnen die «nordwestschweiz» eine Antwort.

Auch im neunten Anlauf klappte es nicht mit einem Sieg: Spanien bleibt für den FC Basel eine uneinnehmbare Festung, dieses Mal endete die Europacup-Saison in Sevilla. Das 0:3 war ein weiterer Beleg dafür, wie schwer sich der FCB gegen Mannschaften von der Iberischen Halbinsel tut. Anders als etwa gegen die Engländer, gegen deren Grossklubs schon einige Coups gelangen. Behrang Safari, der mit dem FCB in Spanien bereits einige Male an Grenzen stiess und der in Sevilla sein letztes internationales Spiel im rot-blauen Trikot absolvierte, sagt: «Die Spiele gegen die Spanier waren mit Abstand die härtesten und schwierigsten. Man ist nur am Reagieren, sie beherrschen alle Facetten des Spiels. In Basel haben wir immer besser ausgesehen, aber zu Hause sind sie andere Teams, praktisch unschlagbar.» Zur Erinnerung: Im Heimspiel gegen Sevilla war der FCB die bessere Mannschaft und erreichte ein achtbares 0:0. Vor zwei Jahren gegen Valencia gewann Basel das Hinspiel mit 3:0, im Mestalla folgte dann die grosse Ernüchterung: 0:5.

Dominierende Nation im internationalen Vergleich

Nicht nur der FC Basel musste in dieser Saison im Land des amtierenden Europameisters untendurch. Mit je drei Mannschaften in den Viertelfinals der Champions und Europa League ist Spanien erneut die dominierende Nation im internationalen Vergleich. Beispiel: Leverkusen, in unseren Augen ein Topklub aus der Bundesliga, hatte im Europa-League-Achtelfinal nicht den Hauch einer Chance gegen Villarreal, den hierzulande unbekannten Mittelfeldklub aus der Primera Division.

Nach Italien in den Neunzigern und England Anfang der Nullerjahre prägen seit Jahren die Spanier den Fussball auf Klub- und Nationalmannschaftsebene. Was sind die Gründe dafür?

Die Heimstärke: Der FCB musste 2014 gegen Valencia und heuer gegen Sevilla erfahren, was Heimstärke bedeutet. Letzte Saison in der Champions League bot Basel im St. Jakob-Park sogar Real Madrid die Stirn, auswärts lautete das Verdikt 1:5. Warum die zwei Gesichter? FCB-Sportdirektor Georg Heitz: «Die Spanier gehen mit der Überzeugung in die K.-o.-Duelle, dass sie es im Heimspiel schon richten werden.»

Die Dominanz der Giganten: Weil sie von Anfang an wissen, dass der Meistertitel wohl eh an Real Madrid oder den FC Barcelona geht, konzentrieren sich die Klubs dahinter mehr auf den Europacup. Sevilla etwa peilt bewusst den Sieg in der Europa League an, um sich auf diesem Weg für die Champions League zu qualifizieren.

Die Nachwuchsarbeit: Mit insgesamt 20 Titeln sind die spanischen Junioren-Nationalmannschaften das Mass aller Dinge. In Madrid und Barcelona arbeiten die besten Juniorentrainer in hochmodernen Leistungszentren. Doch weil bei Real und Barça der Weg in die erste Mannschaft oft versperrt ist durch ausländische Superstars, verstärken die top ausgebildeten Neo-Profis die zweite Garde der Primera Division.

Die Schuldenpolitik: Nicht nur der Staat, auch die spanischen Fussballvereine schreiben tiefrote Zahlen – Mitte 2015 hatten alle Klubs zusammen rund 3 Milliarden Euro Schulden. Doch wegen ihres hohen Stellenwertes in der Gesellschaft – trotz Armut bezahlen viele Spanier jedes Wochenende 70 Euro für ein Ticket – werden die Klubs vom Fiskus mit Samthandschuhen angefasst. Und weil die Uefa das Financial Fairplay nur lasch umsetzt, sind die Spanier zahlreich im Europacup vertreten. Die Verschuldung hat aber auch zu einem Umdenken geführt: Gehörten Klubs wie Valencia und Sevilla Anfang der Nullerjahre zu den Grosseinkäufern, liegt ihr Fokus heute auf der Ausbildung und Förderung der Spieler mit spanischem Pass.

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