Champions League

Der FCB ist in London angekommen und bereit für die Reifeprüfung

Die Anspannung auf der Reise nach London ist spürbar. Gegen Arsenal wird sich zeigen, was der FC Basel wirklich drauf hat. Ein Reisebericht.

Mit breitem Grinsen kommt er um die Ecke gebogen. Es dauert keine zehn Minuten mehr, bis Flug ST1414 Basel-Mulhouse verlässt, doch Seydou Doumbia (28) lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Wenn es um die Champions League geht, ist er der grosse Routinier im Team von Urs Fischer. 22 Spiele in der Königsklasse hat er auf dem Buckel, eines davon im Dienste des FC Basel, den Rest für ZSKA Moskau. 13 Tore hat er dabei gebucht.

Er ist viel rumgekommen in seiner Karriere. Elfenbeinküste, Japan, Schweiz, Russland, Italien, England seine Stationen bevor er diesen Sommer wieder in die Schweiz zurückkehrte. Nicht zu den Young Boys, wo er einst Kultstatus genoss, sondern zum FCB. Auch wegen der Aussicht auf die Champions League. So trottet er also grinsend an den Journalisten vorbei, im Schlepptau Spielerbetreuer Pascal Naef. «Es sind immer die gleichen, die Probleme machen», sagt Naef scherzhaft zu Doumbia, der sich offenbar ein bisschen länger im Duty-Free-Shop aufhielt als der Rest der Mannschaft.

Ist jetzt Arsenal dran?

So locker und entspannt wie Doumbia wirken bei Basel längst nicht alle. Zwar geben sich Spieler wie Trainer abgeklärt, als sie kurz vor dem Besteigen der Maschine von den Journalisten in Beschlag genommen werden. Doch man spürt die Anspannung, man merkt, dass es um viel geht, dass dieses Team unbedingt an die Erfolge anknüpfen möchte, die der Klub in der jüngeren Vergangenheit einfuhr – gerade gegen englische Teams. Und so ist diese Begegnung für das aktuelle Team eine Art Reifeprüfung. Der Respekt, der dem FCB entgegengebracht wird, ist gross wie nie. Arsène Wenger sagt: «Sie haben alles geschlagen in England – Man United, Chelsea und Liverpool. Sie haben ganz starke Resultate eingefahren auf europäischem Parkett.»

Wiedersehen: Mohamed Elneny verdient bei Arsenal viel Geld, seine sportlichen Perspektiven sind weniger gut.

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Die Anspannung dürfte also nicht nur darin begründet sein, dass der FCB ein verhältnismässig unerfahrenes Team auf diesem Niveau hat, sondern auch darin, dass man die Basler kaum mehr unterschätzen wird. Zudem haben die Gunners letztes Wochenende Chelsea mit 3:0 vom Platz gefegt, das Team ist «richtig gut im Strumpf», wie Urs Fischer sagt. Der FCB-Coach weiter: «Für mich ist vor allem wichtig, dass wir den Mut haben, die Einstellung, die Überzeugung, dass wir mithalten können, nicht nur verteidigen, sondern auch versuchen nach vorne zu spielen, den Ball zirkulieren lassen und nicht nur dem Gegner hinterherrennen müssen.»

Ähnlich tönt es bei den Spielern. Luca Zuffi, der nach einer verletzungsbedingten, zweiwöchigen Pause zurückkehren dürfte, sagt: «Es ist wichtig, dass wir uns nicht verstecken und Angst haben, zu spielen.» Oder bei Verteidiger Michael Lang: «Wir sind ganz klar Aussenseiter, aber wir wollen uns nicht abschlachten lassen. Wir wollen einen guten Auftritt hinlegen.» Und Flügel-Flitzer Renato Steffen sagt: «Respekt ist immer da, aber den werde ich ablegen, sobald das Spiel beginnt. Dann bin ich wieder der alte Reni und werde alles geben.» Manchmal tönt es fast ein bisschen so, als ob sich die FCB-Protagonisten selber Mut zu sprechen würden.

Unterwegs mit einer Billigairline

Es ist 10 Uhr, als das Flugzeug mit dem Schweizer Meister an Bord Richtung Startbahn rollt. Das Team ganz hinten, Trainer und Klubführung ganz vorne, dazwischen Fans und Journalisten. Der Himmel über Basel ist wolkenverhangen, als die Maschine wenige Minuten später durchstartet. Rund 700 Kilometer trennen das Team vom Abenteuer Arsenal. Gegen Mittag landet das Team um Star-Stürmer Doumbia in London Stansted, der grössten Basis der Billig-Airline Ryan Air.

Auch hier zeigt sich der Himmel den Besuchern aus der Schweiz Grau in Grau. «London ist allzu sehr erfüllt von Nebel und ernsthaften Leuten. Ob die Nebel die ernsthaften Leute oder die ernsthaften Leute die Nebel hervorbringen, weiss ich nicht genau», schrieb der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900) einst.

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Fakt ist: Der Nebel drückt auch hier auf die Stimmung. Und Fakt ist auch, dass ebendieser Oscar Wilde unweit des Emirates Stadiums, wo der FCB morgen gegen Arsenal bestehen will, im Gefängnis sass. Wegen sexuellen Umgangs mit jungen Männern aus der Unterschicht sass er ab 1895 zwei Jahre im Gefängnis Ihrer Majestät in Holloway ein. Es gibt Vermutungen, dass Wilde an den Folgen einer chronischen Mittelohrenentzündung starb, die er sich ebendort zugezogen hatte.

Vor dem Tod muss sich der FC Basel nicht fürchten. Vor allem nicht, wenn die wenigen wirklich Champions League erprobten Spieler im Team, wie Marek Suchy, Taulant Xhaka oder eben Seydou Doumbia, den Rest des Teams mitziehen können. Dann würde sich das Gefühl von FCB-Präsident Bernhard Heusler bestätigen, der sagt: «Ich glaube, in den letzten sieben Jahren und den während dieser Zeit erzielten Erfolgen, ist ein Geist in Basel entstanden, der unabhängig ist von den Individuen, die diese Erfolge erlebt haben.» Das Spiel morgen wird zeigen, ob dieser Geist lebt oder nicht.

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