Der Meister ist in der Schwebe. Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz wollen im Sommer ihre Ämter niederlegen, Bernhard Burgener und Marco Streller stehen bereit.

Doch noch ist nichts in trockenen Tüchern. Mitte März soll ein unabhängiges Gremium das Konzept der neuen Führung unter die Lupe nehmen. Einen knappen Monat später entscheiden dann die Vereinsmitglieder an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung, ob die Machtübergabe wie geplant über die Bühne gehen kann.

Drängende Fragen

Der Übergang in die neue Ära fällt mitten in eine Zeit, in der wichtige Entscheide anstehen, Entscheide, welche die Zukunft des FC Basel massgeblich beeinflussen. Gerade im Personalbereich drängen sich Fragen auf: Wie geht es mit Urs Fischer weiter? Wer entschied über die Vertragsverlängerungen mit Davide Callà und Captain Matias Delgado? Was geschieht mit den auslaufenden Verträgen von Ersatzkeeper Germano Vailati und Marc Janko, mit Roma-Leihgabe Seydou Doumbia? Oder mit FCB-Spielern wie Cédric Itten (Luzern) oder Zdravko Kuzmanovic (Malaga), die an andere Vereine ausgeliehen sind?

Die Personalie Fischer

«Alle Entscheide von einer gewissen Tragweite sind momentan ‹on hold›. Wir würden zum Beispiel keinen neuen Spieler mit einem Rekordsalär verpflichten», sagt Bernhard Heusler zur «Schweiz am Wochenende».

Wie lange bleibt Urs Fischer noch FCB-Trainer?

Wie lange bleibt Urs Fischer noch FCB-Trainer?

Ebenfalls in diese Kategorie gehört die Personalie Fischer. Zu zentral ist seine Position, als dass die Vereinsführung seinen Vertrag vorgängig verlängert hätte. Und sollte sich der Vertrag durch die Erfüllung der darin enthaltenen Klausel automatisch verlängern, hiesse das noch lange nicht, dass die künftige Führung auch auf ihn bauen würde oder dass Fischer nicht selbst einen Schlussstrich ziehen könnte.

Wer weiss, vielleicht kommt er – wie Heusler und Heitz – zum Schluss, dass es das Beste für den Verein ist, wenn er geht.

So zentral ist Streller

Mitten in die Phase des Umbruchs an der Spitze des FCB fielen nun aber die Vertragsverlängerungen von Davide Callà (32) und Matias Delgado (34). Zum einen sind diese Verträge nur um ein Jahr verlängert worden, beeinflussen den Verein also nicht allzu langfristig.

Davide Callà (l.) und Matias Delgado spielen ein weiteres Jahr für den FCB.

Davide Callà (l.) und Matias Delgado spielen ein weiteres Jahr für den FCB.

Zum anderen war die neue Klubführung um Burgener über die Verhandlungen mit den beiden Routiniers stets bestens informiert. Denn mit Marco Streller sitzt der designierte Nachfolger von Georg Heitz seit 21 Monaten in der Transferkommission des FC Basel, war in alle Personalentscheide involviert und ist stets im Bild.

So ist auch garantiert, dass Bernhard Burgener involviert ist und via Streller allfällige Bedenken anmelden oder einen Entscheid gar kippen kann. «In den letzten sieben Jahren haben wir alle Entscheide in der Transferkommission einstimmig gefällt. Das heisst nicht, dass wir immer einer Meinung waren, oft gingen den Entscheiden heftige Diskussionen vorweg», erklärt Heusler.

Geplant oder Fügung?

Das Drehbuch für die Machtübergabe scheint makellos. Fast macht es den Eindruck, alles sei von langer Hand geplant. Oder war es nur glückliche Fügung? Weder noch, sagt Heusler. Marco Streller habe nach Karriereende nicht gewusst, ob er im Fussball bleiben will.

Doch man war gewillt, ihm eine Chance zu geben, ihn im Klub unterzubringen. Sein Wissen, seine Erfahrungen – er brachte alles mit, um zusammen mit dem Duo Heusler/Heitz, Chefscout Ruedi Zbinden, Nachwuchschef Adrian Knup und Trainer Urs Fischer über Kadergestaltung und -planung zu entscheiden. Ein Glücksfall ist einzig, dass Streller so sehr Gefallen fand an diesen Aufgaben, dass er sich bereit erklärte, die Nachfolge von Heitz anzutreten.

Marco Streller (l.) tritt die Nachfolge von Georg Heitz (r.) als Sportdirektor an.

Marco Streller (l.) tritt die Nachfolge von Georg Heitz (r.) als Sportdirektor an.

Dass beim FCB kein Entscheidungsvakuum entstanden ist, zeigt das jüngste Leihgeschäft: Erst gestern gibt der FC Lugano bekannt, dass er FCB-Innenverteidiger Eray Cümart (19) bis Saisonende leihweise verpflichtet. Andere Fragen dagegen sind noch offen und könnten dies vorerst noch bleiben, da sie allenfalls das Konzept von Burgener/Streller tangieren.

«Basel first»

Was zum Beispiel passiert mit Marc Janko und Germano Vailati, deren Verträge auslaufen? Und übernimmt man Seydou Doumbia von der AS Roma? Holt man allenfalls Cédric Itten, Mirco Salvi oder gar Zdravko Kuzmanovic wieder zurück? Die Fragen sind wohl verbunden.

Wie durchgesickert ist, sieht das Konzept von Burgener und Streller vor, vermehrt auf Basler zu bauen. Gut möglich also, dass man Doumbia und/oder Janko ziehen lässt, dafür Itten zurückholt. Genauso im Fall Vailati und Salvi.

Wird Torhüter Germano Vailati durch ein Basler Eigengewächs ersetzt?

Wird Torhüter Germano Vailati durch ein Basler Eigengewächs ersetzt?

Das Geheimnis des FCB

Selbst in dieser Phase der Ungewissheit, im Dunste der Veränderung an der Klubspitze, scheint alles unter Kontrolle. Als würde der Klub nicht nur unabhängig vom Trainer an der Seitenlinie, sondern auch unabhängig von der Führung funktionieren.

Weil zwar ein paar wenige Personen im Rampenlicht stehen, die Verantwortung aber letztlich auf vielen Schultern lastet. Wie in der Transferkommission, diesem sechsköpfigen Gremium, das auf Einstimmigkeit basiert. Wenn er davon im Ausland erzähle, ernte er nur Kopfschütteln, sagt Heusler. Aber vermutlich liegt genau darin das Geheimnis dieses Vereins.