Challenge League
Der FC Wohlen kassiert eine bittere Niederlage gegen die Zürcher

Der FC Wohlen wird vom übermächtigen FC Zürich vorgeführt und verliert 0:5. Es ist Trainer Francesco Gabrieles vierte Niederlage im fünften Spiel.

Calvin Stettler (Text und Ticker)
Merken
Drucken
Teilen
Die Zürcher Winter, Rodriguez, Bangura und Cavusevic, (v.l.) freuen sich über das 4:0 gegen den FC Wohlen.

Die Zürcher Winter, Rodriguez, Bangura und Cavusevic, (v.l.) freuen sich über das 4:0 gegen den FC Wohlen.

Keystone

Gegen den FC Zürich, so heisst es, habe man nichts zu verlieren. Für die meisten Mannschaften in dieser Challenge-League-Saison gilt das. Auch für den FC Wohlen. Eigentlich. Am frühen Sonntagabend aber widerspricht Wohlen-Trainer Francesco Gabriele: «Das ist eben trotzdem nicht so.» Man könne sehr wohl etwas verlieren.

Der 39-Jährige meint damit nicht Punkte, sondern Selbstvertrauen und Wohlwollen. Wie sie sich präsentieren würden, sei entscheidend. Punkte budgetiert man sich als FC Wohlen gegen diesen hochdekorierten FCZ nicht. Aber einen beachtlichen Widerstand, das will man für den designierten Aufsteiger schon sein. Respektive wollte man sein.

Denn als Gabriele diese Worte wählt, ist das Renkontre mit dem Tabellenführer aus Zürich bereits vorbei. Der FCZ schlägt Wohlen. Keine Überraschung. Aber er tut dies mit einem schmerzhaften Gesamtskore von 5:0. Einerseits, weil Zürich ziemlich viel Freude am Kombinieren findet und Wohlen eben nicht diese ausserordentliche Leistung abrufen kann, die es benötigt, um diesen FCZ auch nur ein wenig in Verlegenheit zu bringen. Ein Auftritt eben, der weder Selbstvertrauen noch Wohlwollen fördert. «Wobei», interveniert Gabriele, «die ersten 25 Minuten waren nicht schlecht.»

Wer aber nur das Telegramm zur Rekapitulation des Spiels konsultiert, horcht auf, denn nach 25 Minuten steht es bereits 2:0 für die Gäste. Aber Gabriele hat recht. Die Freiämter starten keck in diese Partie. Bereits nach 120 Sekunden steht Wohlens Argentinier Augusto Lotti alleine vor FCZ-Keeper Vanins. Doch der 20-Jährige setzt seine Serie von ungenützten Grosschancen fort. Ein perfekt platzierter Freistoss von Captain Schultz entlockt Vanins keine Minute später eine weitere Glanzparade. Es sind Aktionen, die den FCZ wecken.

«Zu ängstlich»

Bereits in der achten Minute verkündet der Stadionsprecher das erste Tor der Gäste. Nach einem Corner fliegt der Ball an Goalie Kiassumbua vorbei, Giampà will auf der Linie klären und schiesst seinen Mitspieler Hajrovic an, wodurch der Ball letztlich doch im Wohler Gehäuse unterkommt. «Unglücklich», kommentiert Gabriele, «aber stark wie meine Mannschaft auf den Rückstand reagiert. Sie setzt den Kopf nämlich nicht in den Sand. Zumindest noch nicht.

Einmal mehr ist es nämlich Schultz, der zu einem Abschluss aus aussichtsreicher Position kommt. Wieder kein Erfolg. Stattdessen jubeln die Zürcher in der 23. Minute schon wieder, weil sie eine weitere Wohler Chancen unterbinden und blitzschnell umschalten: Rodriguez, Marchesano, Cavusevic, Tor. Es ist jene Aktion, die später als Wohler Genickbruch lokalisiert wird.

Was der FC Wohlen im Anschluss zeigt ist für Trainer Gabriele «zu ängstlich». Immer wieder fordert der FCW-Coach seine Spieler lautstark auf, sich nicht hinten einzuigeln. Ohne Wirkung. «Das war nicht unser Plan, wir wollten mutiger sein», erzählt Gabriele. Statt erneute Auflehnungsversuche zu lancieren, verkommt seine Mannschaft an diesem Nachmittag zum Sparringspartner. Zürich kombiniert, dominiert und reüssiert. Cavusevic, Bangura und Kone erzielen die drei weiteren Tore.

Zeit zur Aufarbeitung

Am Ende notieren die Statistiker ein Schussverhältnis von 33:9 für den FCZ. «Wir wussten, dass nach dem Sieg in Schaffhausen nicht einfach alles wieder gut ist», sagt Gabriele. Analysieren wolle er das Spiel jetzt erst einmal. An den ruhenden Bällen müsse man arbeiten. Und einigem mehr. Fest steht nur, dass der FC Zürich die Moral der Freiämter bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gehörig auf die Probe stellt. Nach der 0:4-Niederlage Anfang August im Letzigrund schlitterten die Wohler in eine Krise.

In fünf Ligaspielen punktete man im Anschluss nicht mehr. Das soll nach dieser erneuten FCZ-Niederlage nicht noch einmal passieren. Die Nationalmannschaftspause will Gabriele nutzen, um seinen Spieler noch mehr eigene Ideen implementieren zu können. «Bisher hatte ich wenig Möglichkeiten, um zu experimentieren.» In zwei Wochen gastieren die Freiämter in Neuenburg beim aufstrebenden Xamax. Dann will der FC Wohlen wieder mehr sein, als nur ein Sparringspartner.

FC Wohlen – FC Zürich 0:5 (0:3)

Niedermatten. – 3120 Zuschauer. – SR: Dudic. – Tore: 8. Hajrovic (ET) 23. Cavusevic 0:2. 40. Cavusevic 0:3. 61. Bangura 0:4. 90. Kone 0:5.

FC Wohlen: Kiassumbua; Schmid, Loosli, Hajrovic; Castroman; Giampà, Minkwitz (46. Foschini), Muslin, Kamber (78. Pacar); Schultz, Lotti (62. Abegglen).

FC Zürich: Vanins; Brunner (58. Alesevic), Kecojevic, Bangura, Voser; Sarr (70. Chiumento), Yapi; Winter, Marchesano, Rodriguez (74. Kone); Cavusevic.

Bemerkungen: Wohlen ohne Bicvic (gesperrt), Stahel (gesperrt), Stutzer, Dangubic und Pagliluca (alle nicht im Aufgebot). FC Zürich ohne Sadiku, Kleber, Brecher (alle verletzt) sowie Neff, Kempter, Stettler und Baumann (alle nicht im Aufgebot). 61. Lattenschuss Rodriguez. 86. Lattentreffer Marchesano.

Verwarnungen: 64. Kecojevic. 77. Schmid. 84. Loosli (beide Foulspiel).

Das Spiel im Liveticker zum Nachlesen: