Fussball
Der FC Grenchen macht Schlagzeilen bis nach England

Das Theater um den FC Grenchen zieht immer weitere Kreise. Vor allem geografisch. Stadtpräsident François Scheidegger sind die Schlagzeilen, die der Klub inzwischen bis nach England produziert, nicht egal.

Michael Schenk
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Der FC Grenchen strahlt in diesen Tagen bis nach England aus.

Der FC Grenchen strahlt in diesen Tagen bis nach England aus.

Nordwestschweiz

Allenthalben werden heute Leute engagiert, die sich ums Stadtmarketing kümmern. Leute, die dafür sorgen sollen, dass das «Produkt» Stadt ein positives Image erhält und attraktiv rüberkommt. In dem Sinn ist die Stadt Stakeholder, was Taten oder Untaten der örtlichen Klubs angeht. Stakeholder ist jemand, der oder die ein Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses hat. Der englische Ausdruck passt super zu Grenchen, weil es der FC Grenchen nach dem jüngsten «Rums» bis in die britische Presse geschafft hat. «Metro», eine Art «20-Minuten» das sich in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln in England findet, hat sich darüber amüsiert, dass man nach der 0:10-Niederlage gegen Luzern elf Spieler freigestellt und nicht den Trainer oder Sportchef entlassen hat.

«Natürlich wären mir positivere News lieber», sagt Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger. Auch darum hätte man schliesslich zuletzt die Mediatorin Valesca Zaugg mandatiert, um zu versuchen, das zu erreichen, was sportlich längst hochgradig Sinn machte. Ein Zusammenschluss der vier Fussballklubs auf dem Platz Grenchen nämlich. Eine Fusion, die letztlich allein aus Gründen von Machtgelüsten, Neid, Missgunst, Profitgier, Sentimentalitäten und Animositäten scheitert.

Zusammenarbeit gefordert

Das Image des FC Grenchen, in den 50er- und 60er-Jahren als Cupsieger und fünfmaliger Vizemeister glanzvolles Aushängeschild der Stadt, hat zuletzt arg gelitten. Befeuert durch Streitigkeiten mit den Uhrencup-Veranstaltern, den ständigen Wechsel an der Vereinsspitze, Investoren aus Frankreich, die zuletzt nur kosteten und nichts brachten, Spieler, die abhauen, weil sie kein Geld bekommen und Spieler, die gleich im Elferpack entlassen werden, weil sie «toujours» zweistellig auf die Mütze kriegen und erst noch charakterliche Schwächen offenbaren.

«Ich denke schon», sagt Scheidegger, «dass ohne dem allem mehr Bereitschaft in Gesellschaft und Wirtschaft spürbar wäre, den Klub zu unterstützen.» Sei es mit Geld oder Manpower. Das gilt so auch für die Stadt selbst, die sich heute dreimal überlegt, ob man noch Geld in die fussballerische Infrastruktur stecke oder nicht. «Zumindest solange die Klubs nicht mehr Bereitschaft erkennen lassen, zusammenzuarbeiten», so der Stadtpräsident.

Ein Politiker „for President“

Ob sich an der ordentlichen Generalversammlung vom Mittwoch ein Nachfolger von Nadja Aubry als Vorsitzende der Geschäftsleitung findet, ist fraglich. Aubry, der man vonseiten des Gemeinderates im Namen der Sponsoren nahelegte, zurückzutreten. Aubry ist die Nichte von Ex-Präsident Rolf Bieri und verkörpert darum etlichen Leuten noch zu viel des polarisierenden Bieri. «Möglich ist es, aber ich bin eher skeptisch, dass sich jemand fürs Präsidentenamt meldet», sagt Lilo Dellsperger.

Die bald 70-Jährige ist momentan im Vorstand für die Administration und den Spielbetrieb zuständig, bei ihr laufen alle Fäden zusammen, und sie wäre darum allenfalls auch die Frau für den Vorstandsvorsitz, so sich denn kein Präsident findet.

Und wie wäre es denn, wenn sich jemand seitens der Behörden – zumindest interimsmässig – als Präsi zur Verfügung stellte? Im Interesse der Stadt und auch, um die Zusammenarbeit mit Wacker, Fulgor und Ital zu optimieren? François Scheidegger: «Wenn das ein Gemeinderat tun möchte, wäre mir das natürlich recht. Ich hätte da auch keine Bedenken, bezüglich eines Interessenkonflikts.» Ihm selbst wäre so ein «Hut» dann doch einer zu viel und aus «Neutralitätsgründen auch nicht tragbar».

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