Raphael Wicky nickt, und sagt schliesslich: «Da muss ich dir wohl recht geben, wenn du das so formulierst.» Eben wurde er von einem Journalisten gefragt, ob das Spiel des FC Basel gegen die Young Boys vom Ostermontag die aller, aller, aller letzte Chance der Basler sei, die Berner in dieser Saison noch stoppen zu können.

«Wir müssen uns nichts vormachen, der Abstand von YB auf uns ist sehr gross.» 16 Punkte sind es, um genau zu sein. Natürlich hat der FCB aufgrund des Stromausfalls vor dem Klassiker gegen den FCZ ein Spiel weniger absolviert als der Leader aus Bern. Aber auch wenn dieses Nachholspiel gewonnen werden sollte, trennen Bern und Basel noch immer 13 Zähler.

YB müsste vieles falsch machen

Alles andere als ein Sieg am Montag in Bern bedeutet somit das definitive Ende aller Meisterträume des FCB sowie die erste titellose Saison seit acht Jahren. Kaderplaner Remo Gaugler sagt: «Wenn man realistisch ist, muss man schon sagen, dass die Young Boys vieles falsch machen müssten und wir keine Punkte mehr lassen dürfen, damit sich auf den ersten zwei Tabellenrängen noch etwas bewegt. Aber wir werden selbstverständlich alles geben, solange es rechnerisch noch möglich ist.»

Im Vorfeld des grossen Showdowns des Jägers gegen den Gejagten war die letzte Chance auf die Meisterschaft jedoch kein Thema, wie Wicky erzählt. «Ich habe am Freitag zur Mannschaft gesprochen. Da ging es aber nur darum, dass wir nach Bern fahren, um dieses Spiel zu gewinnen. Das ist unser Hauptziel. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können.»

Die Tabelle ist bekannt

Dass die Meisterschaft nicht thematisiert wird, heisse im Umkehrschluss aber nicht, dass man nun über Platz 2 in der Tabelle spreche. «Auch das habe ich extra nicht thematisiert. Dieser Tabellenplatz wird sich auch nicht im Spiel gegen YB entscheiden. Ausserdem kennt jeder Spieler die Tabelle.»

Vielmehr spüre er in der Mannschaft den Glauben, dass mit einem Sieg gegen YB noch einmal alles möglich sein könnte, die Meisterschaft noch einmal spannend und eng gestaltet werden könnte. «Auch ich glaube, dass wir, wenn wir in Bern siegen, eine Serie starten können. Das muss unser Ziel sein.» Man könne aber natürlich nicht beeinflussen, was YB in den anderen Spielen mache. «Wir müssen auf uns schauen und gewinnen.» Wie schwierig dieses Unterfangen sein wird, weiss man in Basel.

Zwei Jahre ohne Sieg in Bern

Die vier letzten Gastspiele in Bern (drei Mal in der Liga, einmal im Cup) gingen allesamt verloren. Der letzte FCB-Sieg im Stade de Suisse datiert vom 22. Mai 2016, als man YB 3:2 besiegen konnte. Um die Sieglos-Serie in Bern nach knapp zwei Jahren beenden zu können, muss der FCB offensiv klarer, effizienter und mutiger aufspielen, als er dies vor allem in dieser Saison jeweils bei den Auswärtsspielen in Bern getan hat.

Am Montag geht es aber noch um weitreichendere Signale als jenes, dass der FCB auch in Bern mal wieder gewinnen kann. «Wir müssen uns wieder den Status erarbeiten, dass jeder Gegner mit dem Gefühl gegen uns spielt, dass es gegen den FCB nichts zu holen gibt. Das sind unsere Ansprüche.» Auch dafür ist dieses Spiel gegen YB die letzte Chance in dieser Saison.