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Der FC Basel erneut mit zwei Gesichtern

Valentin Stocker, Andrea Padula und Torschütze Samuele Campo (von links) bejubeln Basels 2:0.

Valentin Stocker, Andrea Padula und Torschütze Samuele Campo (von links) bejubeln Basels 2:0.

Der FC Basel muss beim 3:2 über Famagusta unnötig zittern, zieht aber in die Playoffs der Europa League ein.

Noch ein Bild vom St. Jakob-Turm, dann ist alles festgehalten. Die Delegation von Anorthosis Famagusta hält jeden Winkel des Stadions in Basel fest. Man scheint dieses Spiel, diesen Abend, immer wieder Revue passieren zu wollen. Es soll eine unvergessliche Reise werden, fast wie ein kleiner Ferientrip.

Nun, unvergesslich dürfte es tatsächlich gewesen sein für die Zyprioten. Denn eine solch turbulente Partie gerät nicht so schnell in Vergessenheit. Mit 2:3 unterliegt Famagusta dem FC Basel. Weil Letzterer von der ersten Minute an stark aufspielt. Dominiert, schnell nach vorne kombiniert, den Ball laufen lässt – und früh trifft. Lediglich vier Minuten dauert es, bis die Basler ein erstes Mal jubeln können. Nach einem Freistoss von der linken Seite – ausgeführt von Samuele Campo – reagiert Silvan Widmer im Gewusel des Strafraums am schnellsten und erzielt das 1:0. Es ist erschreckend, wie einfach der FC Basel dieses Tor erzielen kann. Aber es ist nicht das letzte Mal, dass die zypriotischen Gäste wenig Gegenwehr zeigen. Oder: gar mit Eigenfehlern mithelfen, dass diese Partie schnell einseitige Züge annimmt.

Erst die Dominanz, dann der neuerliche Einbruch

So ist es ein Fehlpass der Famagusta-Defensive, welchen Campo in der zwölften Minute abfängt, sich auf denk starken linken Fuss legt und via Lattenunterkante als Traumtor zum 2:0 unterbringt. Die Basler begeistern in der Anfangsphase. Insbesondere im Zentrum verweigert der Gastgeber dem Gast jeglichen Zugriff, Fabian Frei gewinnt beinahe jeden Zweikampf. Der Lohn ist das 3:0, ein durch Arthur Cabral erzwungenes Eigentor von Hovhannes Hambartsumyan.

Kurz vor Pausenpfiff folgt der Anschluss der Zyprioten. Ein Schönheitsfehler, so scheint es. Doch wer den Anschluss der Zyprioten als solchen erachtet, wird vom Gegenteil überzeugt. Denn obschon sich Famagusta selber schwächt, weil Tornike Okriashvili nach einer Schwalbe die gelb-rote Karte sieht, wird der Gast plötzlich stärker. Wohl weil er nichts mehr zu verlieren hat. Aber auch, weil der FCB erneut nicht verhindern kann, was er schon gegen Osijek und Vaduz getan hat: Einbrechen in der zweiten Halbzeit. So zeigt er erneut zwei Gesichter: Begeisternd zu Beginn, besorgniserregend danach.

Ob es an der mangelnden Physis oder ungenügender Konzentration liegt, beantwortet Fabian Frei nach dem Spiel wie folgt: «Es ist eine mentale Sache. Sonst hätte es nicht bereits nach 30 Minuten angefangen, dass wir den Gegner aus unerklärlichen Gründen aufkommen liessen.» Man habe sich nach dem frühen, deutlichen Vorsprung in Sicherheit gewähnt «und abgeschaltet. Wir dachten wohl, wir sind schon durch.»

Eine Unkonzentriertheit geht auch dem zweiten Famagusta-Tor voraus. Der noch nicht überzeugende Andrea Padula foult ungestüm an der Strafraumgrenze und verschuldet einen Penalty. Diesen verwandelt Giorgi Kwilitaia problemlos und sorgt für eine hektische Schlussphase im Joggeli. Eine, in welcher der FCB phasenweise vogelwild agiert, jeglichen Faden und später auch noch den eingewechselten Julian Von Moos nach zwei dummen gelben Karten verliert.

Mit ebenfalls zehn Mann werden die Basler noch einmal etwas stärker, verschenken die Grosschance zum 4:2 aber in Person von Dimitri Oberlin. Um 22.19 Uhr aber ist sein Fehlschuss egal. Dann ertönt der Schlusspfiff, der FCB gewinnt ein unnötig spannendes Spiel mit 3:2. Famagusta seinerseits beschliesst eine Woche, die mit Spielmanipulations-Vorwürfen begann und mit dem europäischen Aus endet.

Die vor Spielbeginn geschossenen Fotos, sie werden also lediglich an eine kurze, erfolglose Reise erinnern. Für den FC Basel hingegen geht die europäische Reise weiter. Bereits am nächsten Donnerstag stehen die Playoffs der Europa League und damit die letzte Hürde auf dem Weg in die Gruppenphase an. Die Basler geniessen erneut Heimrecht und empfangen CSKA Sofia. Der zweite der bulgarischen Liga hat gestern B36 Torshavn mit 3:1 besiegt.

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