EM 2016
Der ewige Gegner der Schweiz: Immer wieder Frankreich

Die Schweiz trifft heute im letzten Spiel der Gruppenphase auf Gastgeber Frankreich. Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden aufeinandertreffen. Die Geschichte eines ewigen Duells.

Sebastian Wendel
Merken
Drucken
Teilen
An der WM 2014 in Brasilien blieben die Schweizer mit Stephan Lichtsteiner (l.) und Xherdan Shaqiri (r.) gegen Frankreich beim 2:5 chancenlos.

An der WM 2014 in Brasilien blieben die Schweizer mit Stephan Lichtsteiner (l.) und Xherdan Shaqiri (r.) gegen Frankreich beim 2:5 chancenlos.

KEYSTONE

Frankreich und die Schweiz verbindet einiges. Auf die Französische folgte die Helvetische Revolution. In beiden Landesflaggen spielt die Farbe Rot eine wichtige Rolle. Und Französisch ist in der Schweiz offizielle Amtssprache.

Doch auch der Fussball gehört zu den verbindenden Elementen der zwei Länder. Die Geschichte des ewigen Duells zwischen der Schweiz und Frankreich beginnt am 12. Februar 1905: Im ersten offiziellen Länderspiel einer Schweizer Nationalmannschaft lautet der Gegner Frankreich. Vor 500 Zuschauern im PrinzenparkStadion in Paris sorgt Gaston Cyprès mit seinem Tor für den 1:0-Sieg der Gastgeber. Weil den Schweizer Fussballverband damals finanzielle Probleme plagen, findet das Rückspiel erst drei Jahre später in Genf statt. Frankreich gewinnt abermals, diesmal 2:1.

1905 trifft die Schweiz erstmals auf Frankreich.

1905 trifft die Schweiz erstmals auf Frankreich.

wikipedia

Kurios: Die Schweiz und Frankreich haben bislang 37 Mal gegeneinander gespielt. Doch 99 Jahre lang steht das Duell im Zeichen der Freundschaft, erst 2004 geht es zwischen den beiden Ländern erstmals um offizielle Punkte: An der Europameisterschaft in Portugal muss die Schweiz im letzten Gruppenspiel gewinnen, um sich für die Viertelfinals zu qualifizieren. Doch gegen die französische Weltauswahl um Zinédine Zidane bleibt dieses Vorhaben Wunschdenken – 1:3 lautet das Endresultat. Kleines Trostpflaster: Der Schweizer Johan Vonlanthen trifft zum zwischenzeitlichen 1:1 und ist seither der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten (18 Jahre, 4 Wochen, 20 Tage).

Nach der Ruhepause das Drama

In der anschliessenden Qualifikation für die WM 2006 werden Frankreich und die Schweiz erneut in die gleiche Gruppe gelost. Das Team von Köbi Kuhn schlägt sich achtbar: Beim 0:0 in Paris feiert Philippe Senderos ein überzeugendes Debüt im Schweizer Nationaltrikot. Im Rückspiel in Bern gibt es wieder ein Unentschieden. Dieses Mal ein 1:1. Der Schweizer Torschütze heisst Ludovic Magnin (siehe Interview auf Seite 14/15).

Damit aber genug der französisch-schweizerischen Vergleiche? Denkste! Schon bei der nächsten Gelegenheit landen die Mannschaften wieder in der gleichen Gruppe: Am Ausgang des Duells ändert sich nichts – im zweiten Gruppenspiel an der WM 2006 in Deutschland steht es nach 90 Minuten 0:0. Immerhin: Die Schweiz darf von sich behaupten, dem späteren Finalisten an den Rand einer Niederlage gebracht zu haben.

In der Folge ruht das ewige Duell. Um acht Jahre später an der WM in Brasilien in Form eines Dramas wieder aufzutauchen: 2:5 – was für eine Blamage für die Schweiz und Trainer Ottmar Hitzfeld! Weder davor noch danach hat sich eine Schweizer Nationalmannschaft so wehrlos ihrem Schicksal ergeben. Zum Glück wartet im nächsten Spiel Honduras, ein Aufbaugegner: Die Schweizer rappeln sich auf, gewinnen dank eines Shaqiri-Hattricks 3:0 und liefern danach im Achtelfinal Argentinien einen heroischen Kampf.

Die Schweiz verliert an der WM gegen Frankreich 2:5.

Die Schweiz verliert an der WM gegen Frankreich 2:5.

Keystone

Und heute? Geht es ebenfalls um viel. Primär um den Gruppensieg. Dazu um Wiedergutmachung: Die Schweizer wollen die Schmach von 2014 vergessen machen, die Franzosen nach zwei erknorzten Siegen an ihrem Heimturnier endlich die erste Duftmarke setzen.