Eishockey
Der EV Zug ist auf Augenhöhe mit den Titanen

Wir analysieren, warum der EV Zug schon sehr bald zum Schweizer Serienmeister werden könnte.

Klaus Zaugg
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Die Spieler des EV Zug haben ein Umfeld im Rücken, das ihnen ermöglicht, schon bald wieder Meister zu werden.

Die Spieler des EV Zug haben ein Umfeld im Rücken, das ihnen ermöglicht, schon bald wieder Meister zu werden.

Keystone

Kennen Sie Roland Staerkle? Wahrscheinlich nicht. Und gerade deshalb ist der 54-Jährige einer der besten Präsidenten der neueren Hockey-Geschichte. Staerkle übergibt heute Montag nach der Generalversammlung sein Amt an Hans-Peter Strebel (68).

Auch wenn der neue Chef vierzehn Jahre älter ist als der abtretende, ist es doch eine Stabübergabe ganz so, wie es uns einst der grosse Dichterfürst Jeremias Gotthelf gelehrt hat. Der alte Bauer übergibt seinem Nachfolger einen schuldenfreien, neuen Hof mit prächtigem Viehbestand. Er zieht sich ins Stöckli (in die VIP-Loge) zurück, redet nicht mehr in den Tagesablauf hinein, hat aber Rat parat, wenn danach gefragt wird. Und wenn sein Nachfolger einen guten Handel machen kann, dann kramt er diskret ein paar Nötli hervor.

Keine Skandale oder Schulden

Staerkle steht mit seinem diskreten Wesen und Wirken für die Rolle der Klubpräsidenten im Sportgeschäft des 21. Jahrhunderts. Er kommt 1994 noch unter dem legendären Fredy Egli in die Führung und wird 2006 Präsident. Er macht aus einem Hockey-Klub mit handgestrickten Strukturen und nicht einmal 10 Millionen Franken Umsatz ein Sport-Imperium, bestehend aus fünf Aktiengesellschaften, das mit einer Nachwuchs-Akademie, mit NLA-Hockey und Gastronomie fast 25 Millionen umsetzt.

Der EV Zug steht unternehmerisch auf Augenhöhe mit den Titanen SC Bern und ZSC Lions. Keine Skandale, keine Schulden, vorzügliche Strukturen, wohlhabende Verwaltungsräte und der unternehmerische Mut zum vernünftigen Risiko und zu sportlichen Ambitionen, die nun mal zum Sport-Business gehören.

Der scheidende Patron hat sich bescheiden im Hintergrund gehalten. Sein Ehrgeiz ist es, gute Arbeit zu leisten und nicht auf der Bühne Eitelkeiten zu tanzen. Ein Unternehmen, das ein solch emotionales Spiel wie Hockey als Geschäft betreibt, kann langfristig nur mit einem Chef erfolgreich sein, dessen Führungsstil durch Sachlichkeit, Zurückhaltung und Pragmatismus geprägt wird.

Roland Staerkle redet nie in die Mannschaftsaufstellung hinein, er sitzt nie auf der Spielerbank (wie das in unserem Fussball Operetten-Präsidenten zu tun pflegen). Dafür orchestriert er beharrliche den Bau eines neuen Stadions, gewinnt die Volksabstimmung und heute spielt der EV Zug in einer der modernsten Arenen von ganz Europa.

Ein Trendsetter

Der EV Zug ist in den neun Jahren unter Staerkle zwar nie über die Halbfinals hinausgekommen, hat aber trotzdem auf dem Eis viel Spektakel geboten. Neben dem Eis ist das Unternehmen trotz vieler Feuerköpfe in der sportlichen Abteilung (wie Doug Shedden) von Erschütterungen verschont geblieben. Mit einem harten Kurs gegen Unruhestifter ist es auch gelungen, im Stadion für jene Ruhe und Ordnung zu sorgen, die der zahlende Zuschauer schätzt.

Staerkle ist mit seiner diskreten Amtsführung durchaus ein Trendsetter. Nur noch im Tessin, wo die Märkte zwei Hockeyunternehmen nicht alimentieren können, finden wir inzwischen noch den archaischen Führungsstil aus dem letzten Jahrhundert. Und zudem eine Präsidentin (Vicky Mantegazza in Lugano) und einen Präsidenten (Filippo Lombardi in Ambri), die bekannter sind als ihre Manager. Aber anders geht es nicht – entweder bezahlen sie aus der eigenen Tasche das Defizit (wie in Lugano) oder sie sind so charismatisch, dass es gelingt, eine Männerrunde dazu zu bringen, Jahr für Jahr das Minus auszugleichen (wie in Ambri).

Der EV Zug wird Serienmeister?

Wenn der neue Präsident Hans-Peter Strebel bei seiner Amtsführung so viel Glück hat wie im Geschäftsleben, wird der EV Zug nun Serien-Meister. Die Geschichte geht so: Ein Kunde liess in seiner Klosterapotheke in Muri/AG ein Pulver untersuchen. Die darin festgestellten Substanzen werden heute weltweit in Medikamenten gegen multiple Sklerose (MS) verwendet. Das Patent auf diesem Pulver ist Millionen wert und schwemmt dem Vorsitzenden Tag und Nacht ohne Unterlass Geld in die Kasse.

Strebel hat mit einer Million bereits für die Anschubfinanzierung der Akademie gesorgt. Gelingt es nun den Verwaltungsräten auch noch, ihn dazu zu überreden, vom monetären Pulver, das aus dem heilenden Pulver kommt, ab und zu etwas in die Transfer-Kriegskasse zu schütten, dann pulverisiert der EVZ die Konkurrenz und der zweite Titel nach 1998 ist nur eine Frage der Zeit.

Schade ist nur, dass der Führungswechsel ein Jahr zu spät kommt. Unser Hockey hätte vor einem Jahr einen Mann wie Roland Staerkle fürs Präsidium des Verbandes gebraucht – um die aktuelle Führung zu verhindern.