Pyeongchang

Der eine unter vielen: Beat Feuz fährt so stark wie noch nie in seiner Karriere

Beat Feuz springt auf der Olympia-Strecke von Jeongseon dem Ziel entgegen

Beat Feuz springt auf der Olympia-Strecke von Jeongseon dem Ziel entgegen

Beat Feuz sagt: «Es gibt etwa 30 Kandidaten auf den Sieg.» Wir sagen: Stoppt ihn nicht das Wetter, wird es für alle anderen schwierig. Wenn es nämlich am wichtigsten ist, ist Feuz zur Stelle.

Beat Feuz ist anders. Während man den anderen Favoriten die Anspannung vor dem Saisonhighlight anmerkt, ist er zwei Tage vor der Olympia-Abfahrt in der Nacht auf Sonntag (3 Uhr MEZ) ganz entspannt. «Warum sollte ich jetzt schon nervös sein? Dafür habe ich ja noch genügend Zeit am Renntag.»

Feuz ist anders. Wengen und Kitzbühel sind es auch. «Auf diesen Strecken gibt es viele Passagen, in denen man sich richtig überwinden muss, um die schnellste Linie zu fahren», sagt Feuz. «Auf der Olympia-Piste gibt es zwar keine richtig langsamen, aber eben auch keine richtig schnellen Abschnitte.» Das wiederum öffnet das Feld der Favoriten. «Hier gibt es extrem viele Athleten, die schnell sein können», sagt Feuz.

Trotzdem ist es gut möglich, dass Feuz der eine unter vielen ist. Der Schweizer ist einzigartig. Nicht nur im Umgang mit der Nervosität. Feuz versteht es, im entscheidenden Moment am schnellsten zu sein. In den anspruchsvollsten Passagen in Wengen und Kitzbühel, aber eben auch in den wichtigsten Rennen abgesehen von den Klassikern.

Drei Saisonhighlights hatte Beat Feuz definiert. Zwei sind vorbei. Am Lauberhorn hat der Emmentaler gewonnen und in Kitzbühel wurde er Zweiter. Jetzt fehlt noch der Auftritt in Südkorea. Geplant ist die Abfahrt an Feuz’ Geburtstag.

Doch für den 11. Februar sind die Wetterprognosen eher schlecht. Schon in St. Moritz, als Feuz Weltmeister wurde, war die Abfahrt an seinem Geburtstag vorgesehen und musste verschoben werden. Wiederholt sich die Geschichte?

Das Wetter als Spielverderber?

Das Wetter könnte sowieso zum Spielverderber für Feuz werden – egal, ob am Sonntag oder an einem anderen Tag. Auf der von Bernhard Russi konzipierten Piste in Pyeongchang ändern sich die Wind- und Sichtverhältnisse sehr schnell, was das Rennen zu einer Lotterie machen könnte. Damit würde Feuz seiner Stärken beraubt. «Man hat im Training gesehen, wie stark sich hier ändernde Verhältnisse auswirken», sagt er.

Beat Feuz ballt die Faust - doch zum Sieg reichte es in Kitzbühel nicht

Beat Feuz ballt die Faust - doch zum Sieg reichte es in Kitzbühel nicht

Bei gleichbleibenden Bedingungen wird auf der Piste «Jeongseon» das Ski-Gefühl entscheidend sein. Marc Gisin sagt: «Sobald man auf dieser Strecke nur einen Moment zu aggressiv fährt, verliert man sehr viel Zeit.» Instinktskifahrer Feuz beherrscht es perfekt, es «laufen zu lassen». Carlo Janka sagt: «Beat ist einfach immer und überall schnell.»

Janka musste sich in der Nacht auf Samstag im dritten Abfahrtstraining noch für den letzten Schweizer Startplatz empfehlen. Neben dem gesetzten Beat Feuz haben sich die Trainer gestern für Mauro Caviezel und Gilles Roulin als Abfahrtsteilnehmer entschieden. Caviezel überzeugte mit konstant starken Leistungen im Training und in der gesamten Saison. Roulin kann sich im Rennen jeweils extrem steigern.

Dies ist eine Fähigkeit, die Beat Feuz schon immer auszeichnete. Dann, wenn es am wichtigsten ist, ist er am besten. Das, aber natürlich besonders seine Geschichte beeindruckt aktive und ehemalige Stars.

Der Österreicher Hans Knauss schwärmt in Interviews genauso von Feuz wie der Liechtensteiner Marco Büchel oder der Norweger Aksel Lund Svindal. Sie alle bezeichnen den Schweizer als Ausnahme-Athleten. Svindal sagt: «Wie es Beat geschafft hat, nach seiner Knieverletzung wieder so stark zu werden, beeindruckt mich.»

In der Tat hätten viele in der Situation von Feuz aufgegeben. Doch er machte nach 2012, als sich sein Knie so schwer entzündete, dass sogar eine Amputation im Raum stand, weiter. Statt längst im sportlichen Ruhestand zu sein, fährt er heute so stark wie nie in seiner Karriere. Beat Feuz ist anders. Er ist der eine unter vielen.

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