Die Bieler sind die tragischen Helden dieser Playoffs. Und Goalie Jonas Hiller (36) ihr tragischer Hauptdarsteller. Eigentlich müsste in Biel jetzt gefeiert werden. Für die Playoff-Halbfinals hätten vor dem Saisonstart alle blind unterschrieben.

Aber das Ausscheiden gegen Lugano nach einer 2:0-Führung (7:3, 2:1) und vier Niederlagen en suite (3:6, 1:5, 2:4, 2:6) ist schmerzhaft. Biel ist in die «Hiller-Falle» getappt.

Jonas Hiller ist Biels bestverdienender und wichtigster Einzelspieler und weit mehr als «nur» ein Torhüter. Der freundliche, eher introvertierte Appenzeller ist eine charismatische Persönlichkeit und hat Biel alleine durch seine Präsenz verändert. Es gibt ein Biel vor und nach Jonas Hiller. Die letzte Saison der «alten Zeit» beendet Biel 2016 auf dem 12. Platz.

Dann kommt Jonas Hiller. 2017 erreicht Biel die Playoffs (8.) und reduziert die Anzahl der Gegentreffer von 175 auf 140. Diese Saison waren es nur noch 124 Gegentore. Nach einem 3. Platz in der Qualifikation sind zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg die Halbfinals erreicht worden.

Im vierten Spiel trifft Luganos Nationalstürmer Grégory Hofmann den Goalie kurz vor der zweiten Pause beim Stand von 1:2 mit einem harten Schuss am Kopf. Jonas Hiller bleibt nach der Pause in der Kabine, Biel verliert 1:5. Er kehrte erst im 6. und letzten Spiel zurück. Die offizielle Lehrmeinung: Der Ausfall von Jonas Hiller hat die Halbfinalserie entschieden. Es geht also nicht ohne Jonas Hiller. Wir haben Jonas Hiller im Tor, also sind wir.

Aber kein Schelm, wer sagt, dass die Bieler ihren Torhüter aufgrund seiner ruhmreichen NHL- und HCD-Vergangenheit in fataler Weise überschätzen. Jonas Hiller hat mit 88,69 Prozent mit Abstand die schwächste Fangquote aller vier Halbfinal-Goalies und insgesamt wehrte nur noch Gottérons Barry Brust weniger Pucks ab.

Die Wende war – bei Licht gesehen – nicht sein Ausfall. Sondern der Zusammenbruch im dritten Spiel mit einer 3:6-Heimniederlage nach einer 3:0-Führung. Jonas Hiller hätte, wenn er seinem Salär hätte gerecht werden wollen, diese Niederlage verhindern müssen.

Sind Biels Fortschritte am Ende eher der klugen Transferpolitik von Sportchef Martin Steinegger und dem Trainerwechsel zu Antti Törmänen geschuldet? Käme Biel womöglich mit einem anderen Torhüter noch weiter? Solche Fragen müssen wir sofort vergessen. Jonas Hiller hat auch für nächste Saison einen Vertrag. Wer ihn infrage stellt, erschüttert das ganze Hockeyunternehmen. Das ist die «Hiller-Falle», in der Biel gefangen ist.