Tour de Suisse

Der doppelte Spielverderber: Rohan Dennis verdrängt Silvan Dillier und verhindert einen Heimsieg

Der Australier Rohan Dennis verdrängte nicht nur Silvan Dillier aus dem BMC-Team, sondern verhinderte beim Tour-de-Suisse-Auftakt in Cham auch noch einen Heimsieg von Stefan Küng.

Rohan Dennis beantwortete gerade die letzte Frage an seiner Medienkonferenz, als Stefan Küng den Pressesaal in Cham betrat, auf die Bühne trottete und sich neben den Australier setzte. Er klopfte ihm dabei auf die Schulter. Der Zweite des Tour-de-Suisse-Prologs gratulierte mit dieser Geste dem Sieger. Eine halbe Stunde vorher stand das Verdikt fest: Dennis hatte den sechs Kilometer langen Parcours acht Sekunden schneller durchfahren als Küng. Auf diese kurze Distanz schon fast eine kleine Weltreise.

Der Etappenplan der Tour de Suisse.

Der Etappenplan der Tour de Suisse.

So klar das Verdikt war, so schwer tat sich das grösste Schweizer Radtalent der Gegenwart damit, die Niederlage zu akzeptieren. «Ich bin hierher gekommen, um den Prolog zu gewinnen», gab der 23-Jährige zu, dass seine Erwartungen nicht erfüllt worden waren. Schon als kleiner Junge hatte er davon geträumt, einmal im «Goldtrikot» der Tour de Suisse fahren zu dürfen – «so wie es auch Globi in seinem Buch erleben durfte», wie er am Tag vor seinem ersten grossen Auftritt an der Schweizer Rundfahrt beschrieben hatte.

«Ich dachte eigentlich, dass er mich schlagen würde»

Nun: Rohan Dennis hatte etwas dagegen, dass sich der Traum des Thurgauers erfüllte. «Ich dachte eigentlich, dass er mich schlagen würde», sagte der Australier, nachdem er auf dem Leaderstuhl im Ziel auf die Zeiten der Konkurrenten wartete. Küng hatte, bevor er zum Einfahren auf die Rolle ging, als letzte Fahrt ausgerechnet jene seines BMC-Teamkollegen gesehen. Und gewusst, dass diese Zeit nur schwer zu knacken sein wird. «Da wurde die Denkmaschine in meinem Kopf angeworfen», so Küng, dem – so seine eigene Einschätzung – vor allem auf den letzten zwei Kilometern das Stehvermögen gefehlt habe. «Mir fehlt da noch etwas die Substanz. Man sagt nicht umsonst, dass Radprofis drei Saisons brauchen, ehe sie ihr Potenzial ausschöpfen können.»

Die Höhenprofile aller Tour-de-Suisse-Etappen:

Küng steht zwar mittlerweile in seiner dritten Profisaison, aber die ersten beiden waren geprägt von Verletzungen und Krankheiten. Auch deshalb durfte er erst gestern seine Tour-de-Suisse-Premiere feiern. Trotz des nicht in Erfüllung gegangenen Traums, hat er seinen ersten Renntag genossen. «Ich will diese Atmosphäre aufsaugen. Die Fans motivieren unheimlich. Das macht grossen Spass.»

Dillier als Fernseh-Experte

Weniger Spass hatte Silvan Dillier. Der BMC-Fahrer weilte ebenso in Cham. Aber nicht, wie ursprünglich erhofft, als Teilnehmer der Tour de Suisse, sondern nur als Experte im SRF-Studio.

Silvan Dillier muss die Tour de Suisse von zuhause aus verfolgen.

Silvan Dillier muss die Tour de Suisse von zuhause aus verfolgen.

Dort musste er mit ansehen, wie ausgerechnet Rohan Dennis, also der Mann, der ihn kurzfristig aus dem Aufgebot für die Rundfahrt gedrängt hatte, triumphierte. «Immerhin hat er gewonnen und somit einen Sieg für mein Team herausgefahren», fand der Aargauer ein wenig Trost. Trotzdem: Rohan Dennis war aus Schweizer Sicht gestern gleich ein doppelter Spielverderber.

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