Nationalmannschaft
Der doppelte Haris schiesst die Schweiz zum 2:1-Sieg gegen Österreich

Dank einem kämpferischen Effort rang die Schweiz in ihrem zweiten EM-Test Österreich 2:1 nieder. Haris Seferovic markierte in Wien beide Treffer, Austrias Siegesserie endete nach fünf Spielen abrupt.

Etienne Wuillemin (Text) und Marco Frei (Liveticker)
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Marcel Koller ist mit dem Resultat nicht zufrieden.
Baumgartlinger kann den Ball gegen Captain Inler behaupten.
Drmic (l.) und Klein kämpfen um den Ball.
Alaba trifft für das Heimteam zum zwischenzeitlichen Ausgleich.
Vor der Partie gedenken beide Teams den Terroropfern aus Paris.
Torschützen unter sich: Alaba und Seferovic

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Keystone

Es war ein einziger Satz, aber er liess ziemlich tief blicken. «Wir müssen die Liebe zum Fussball finden!» Es war die Forderung des Schweizer Trainers Vladimir Petkovic vor dem Prestige-Duell mit Österreich und seinem Schweizer Trainer Marcel Koller.

Als die 94 Minuten im Wiener Ernst-Happel-Stadion vorbei waren, durfte Petkovic feststellen: Sein Team hat wenigstens ein bisschen Liebe gefunden. Der 2:1-Sieg ist ein versöhnlicher Abschluss des Jahres, das im Zeichen der EM-Qualifikation stand. Aber das zuletzt eben auch einige Fragen aufgeworfen hatte. Es war kein überragender Auftritt der Schweiz. Dafür war sie spielerisch zu bescheiden. Und dafür gemahnten Teile der zweiten Halbzeit zu sehr an eine Schwimm-Lektion. Aber es war eine zumeist solidarische Leistung.

Die Fans sahen seit Sommer einige rätselhafte Schweizer Spiele. Es waren meist nur kleine Teile gut. Und zuletzt wurde auch der Balkan-Graben im Team deutlicher. Das Team hat sich inzwischen zusammengesetzt und sich darüber unterhalten. Als Zeichen der Solidarität dient das 1:0, als sich danach sämtliche Spieler demonstrativ zu einer Jubel-Traube vor der Bank versammeln.

Österreich optisch überlegen

Es ist ein Abend, an dem es um mehr als nur um Fussball geht. Nach den Anschlägen von Paris verzichtet der österreichische Verband auf das Abspielen des traditionellen Radetzky Marsches. Stattdessen erklingt als Zeichen der Trauer und der Unterstützung die französische Marseillaise.

Noch vor dem Anpfiff erhält Koller, der die Österreicher wachgeküsst und erstmals seit 1998 an ein grosses Turnier geführt hat, einen Sonderapplaus. Und in der Stimme des Stadionmoderators schwingt eine gehörige Portion Stolz mit, als er verkündet, dass die Nummer zehn der Weltrangliste – Österreich – auf die Nummer elf treffe.

Noch besteht zwischen der Schweiz und Österreich im Fussball keine glühende Rivalität. Zu gross war bisher der Klassenunterschied. Mal war Österreich ausser Reichweite, mal die Schweiz. Doch dies könnte sich nun ändern. Und es wäre durchaus im Interesse der Fans, wenn sich die beiden Nationen künftig nicht nur im Skifahren, sondern auch auf dem grünen Rasen rivalisieren.

Über weite Strecken des Spiels sieht es zumindest optisch tatsächlich danach aus, als habe Österreich die Schweiz überholt. Zusammenhängende Angriffe von Petkovics Team sind selten. Hinten herrscht zu oft Panik. Manchmal ist die Überlegenheit Österreichs drückend.

Aber die Schweiz ist zumindest effizienter. Dank Alabas zu kurzer Rückgabe trifft Seferovic herrlich zum 1:0. Genau drei Minuten braucht jener Alaba, um seinen Fehler mit dem 1:1 wieder gutzumachen. Dann hat die Schweiz Glück, dass ein Kopftor von Okotie, der anstelle des angeschlagenen FCB-Stürmers Janko spielt, wegen angeblichem Offside nicht zählt.

Lichtsteiner verletzt raus

Bereits nach 18 Minuten scheidet Stephan Lichtsteiner aus. Nach ersten Erkenntnissen ist die Auswechslung eine Vorsichtsmassnahme wegen muskulären Problemen im Oberschenkel – und nicht seiner Herzprobleme. Nach 38 Minuten fällt bereits das entscheidende 2:1. Wieder durch Seferovic.

Die Massnahme von Petkovic, im Mittelfeld wieder auf zwei Sechser zu setzen, bewährt sich vorerst. Wichtigstes Fazit aber ist: Die Schweiz hat wieder einmal über 90 Minuten ein kämpferisches Gesicht gezeigt. Das ist Voraussetzung, um an der EM Erfolg zu haben.