Ski alpin

Der Doppelmeter als Speerspitze

Begeistert: Ramon Zenhäusern nach seinem zweiten Lauf.

Begeistert: Ramon Zenhäusern nach seinem zweiten Lauf.

Ramon Zenhäusern (7.) schafft als dritter Schweizer Slalomfahrer in dieser Saison einen Top-Ten-Platz. Er gehört damit zu einer heranwachsenden Slalom-Mannschaft, die ein Versprechen für die Zukunft ist.

Ausgerechnet am Chuenisbärgli, wo die Schweizer in den letzten Jahren so oft eins auf den Deckel kriegten, ist auf kargem «Boden» – so heisst der Ortsteil von Adelboden – neues Leben erwacht. Und ausgerechnet die einstigen Sorgenkinder der Slalom-Fraktion, angeführt vom Zwei-Meter-Mann Ramon Zenhäusern, liessen im garstigen Wetter die Sonne durchschimmern. Mittelfristig darf wieder von Podestplätzen geträumt werden. Zenhäusern, wegen seines Gardemasses «Doppelmeter» genannt, katapultierte sich als dritter Schweizer nach Luca Aerni (5. in Madonna di Campiglio) Daniel Yule (6. in Santa Caterina) vom 38. Startplatz in die Top-Ten. Der 7. Rang stellt sein mit Abstand bestes Resultat dar. Bisher war er über zwei 19. Ränge nicht hinausgekommen.

Ausser Zenhäusern schaffte es nur Manuel Feller (Nr. 30) mit einer hohen Nummer unter die ersten Zehn. Alle andern trugen die bei diesen Verhältnissen günstigen Startnummern 1 bis 9, was aufzeigt, welches Potenzial in Zenhäusern steckt. Ein kleines Detail am Rande: Manuel Feller, der als zweiter «Aussenseiter» vor Zenhäusern Fünfter wurde, lag schon einmal knapp vor dem Walliser. Das war an den Junioren-Weltmeisterschaften 2013 in Mont St-Anne (Ka). Feller wurde Weltmeister, Zenhäusern Vize-Weltmeister.

Laufbestzeit im zweiten Lauf

Viele trauten Zenhäusern wegen seiner scheinbaren Unbeweglichkeit eine solche Leistung nicht zu. Insider wussten aber: Zenhäusern befindet sich auf Augenhöhe mit den Weltbesten. Das hat er im Training oft bewiesen. Slalom-Chef Matteo Joris, der Steve Locher im Frühling als Verantwortlicher abgelöst hat, verriet ein Beispiel aus dem Training in Santa Caterina: «Unser Team trainierte mit Alexander Choroschilow und den Österreichern Marco Schwarz und Manuel Feller. Ramon war in jedem Lauf der Schnellste – meist mit einer halben Sekunde Vorsprung.»

In Adelboden lieferte er die Bestätigung ab. Im 2. Lauf war er ebenfalls besser als alle andern, drei Zehntel vor Feller, aber sogar sechs Zehntel vor Kristoffersen und acht vor Hirscher. Das zeigt, was möglich ist, wenn er mal mit gleich langen Spiessen kämpfen kann. «Jetzt darf ich künftig in der 2. Gruppe starten», freute sich Zenhäusern. «Auf diesen Exploit habe ich lange gewartet. Im Training und im Europacup sind mir schon ein paarmal gute Leistungen gelungen. Nur im Weltcup wollte es nicht klappen, weshalb ich mich mit Rängen zwischen 20 und 30 begnügen musste.»

Kompakte Teamleistung 

Zenhäusern stammt aus einer sportfreundlichen Familie. Sein Vater Peter ist Sportreporter beim Walliser Lokalsender Radio Rottu, seine Schwester Romaine war eine ausgezeichnete Tennisspielerin, bevor sie ihre Karriere wegen Verletzung abbrechen musste. Sie war die letzte Schweizerin, die Belinda Bencic besiegte – und das gleich zweimal. Auch Ramon war ein guter Tennisspieler und einst am gleichen Wochenende Walliser Vizemeister im Tennis und Kantonalmeister im Slalom geworden.

Hinter Zenhäusern bewiesen Daniel Yule und Luca Aerni – trotz kleinen Fehlern – mit den Rängen 13 und 14, wie kompakt das Schweizer Team mittlerweile ist. Sonst brachten nur die Deutschen drei Mann in den Top 15. Und seit Val d’Isère 2010 (vier unter den ersten Dreizehn) fuhr nie mehr ein Schweizer Team so stark. Dabei hatten einige Pech wie Marc Gini (Sturz nach gutem Start) und Bernhard Niederberger (32., drei Zehntel zu langsam für die Qualifikation). Nur Reto Schmidiger hatte mit der Nummer 55 keine Chance mehr. Der letzte Qualifizierte trug die Nummer 41.

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