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Der designierte Thun-Präsident Andres Gerber sagt: «Es geht ums Überleben des Klubs»

Andres Gerber musste einen harten Entscheid fällen.

Andres Gerber musste einen harten Entscheid fällen.

Andres Gerber, 47, ist der Sportchef und designierter Präsident des Challenge-League-Klubs FC Thun. Nun sagt er warum Spieler wie der ehemalige Stefan Glarner aussortiert werden und kaum mehr einen Klub finden.

Weshalb haben Sie Ihren einstigen Mitspieler Stefan Glarner nicht behalten?

Andres Gerber: Wenn er noch einen laufenden Vertrag gehabt hätte, wäre er vermutlich bei uns geblieben. Bei den Vertragsverhandlungen vor zwei Jahren hatten wir ihm eine Klausel angeboten, wonach der Vertrag auch bei einem Abstieg – jedoch zu schlechteren Konditionen – weiterläuft. Glarner bevorzugte es indessen, dass sein Vertrag bei einem Abstieg automatisch ausläuft, was ja auch legitim ist.

War letzte Saison noch Captain des FC Thun: Stefan Glarner (rechts).

War letzte Saison noch Captain des FC Thun: Stefan Glarner (rechts).

Aber Stefan Glarner ist ein sehr verdienter Spieler, für das Berner Oberland eine Identifikationsfigur und zuletzt auch Captain.

Es gab Stimmen, die unseren Entscheid nicht verstanden. Doch der Vertrag ist nur das eine. Wir hatten mit Kablan und Joss auf dieser Position Spieler mit laufenden Verträgen, dazu den jungen Wetz. Weil uns wegen Corona die lebenswichtigen Zuschauereinnahmen wegbrachen und nach dem Abstieg weitere wichtige Einnahmen fehlen, müssen wir noch krasser sparen, als zuvor. Deshalb mussten wir so handeln. Wetz aus dem eigenen Nachwuchs verdient weniger als ein Arrivierter, auch der potenzielle Verkaufswert ist ein ganz anderer. Einen wie Glarner könnten wir vom Alter her nie mehr verkaufen, selbst wenn er eine Topsaison machte.

Angenehm ist es für den FC Thun nicht, solche Entscheide zu fällen.

Nein, aber es gehört dazu, Verantwortung zu übernehmen. Schliesslich geht es ums Überleben des Klubs. Aber wir sind uns bewusst, dass es für Stefan schwierig ist, einen neuen Klub zu finden, der für ihn finanziell Sinn macht. Fast alle Klubs haben einen wirtschaftlichen Druck und selber eine Nachwuchsabteilung, aus der sie Spieler nachziehen können. Die Älteren haben es definitiv schwerer als die Jungen.

Ist die Pandemie schuld oder gibt es auch ein strukturelles Problem?

Beides. Ein grosses Problem ist die Spielerschwemme. In jedem Klub wird sehr professionell ausgebildet. Entsprechend gross wird der Druck auf die ersten Mannschaften. Sie sind gezwungen, junge Spieler nachzuziehen, sonst müssten sie sich ja sagen: Wofür bilden wir überhaupt noch aus? Mit der Folge: Ganz viele finden keinen Platz. (br)

Autor

Markus Brütsch

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