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Ein fatales Urteil: Der CAS spricht Manchester City frei

Renato Schatz.

Renato Schatz.

Im Februar schloss die Uefa den Klub für die kommenden beiden Spielzeiten aus seinen Wettbewerben aus. Der CAS gab nun bekannt, dass die Regelverstösse entweder nicht nachweisbar, oder aber verjährt seien. Und sendet damit ein fatales Zeichen.

Das Erstaunen im Februar war gross. Die Uefa entschied, Manchester City zwei Jahre aus den internationalen Wettbewerben auszuschliessen. Erstmals wurde ein europäisches Schwergewicht seinem wichtigsten Wesenszug beraubt: dem Streben nach der Champions-League-Trophäe. Gab es also doch noch Gerechtigkeit in den Teppichetagen der Fussballverbände?

Der Vorwurf: Manchester City soll Einnahmen absichtlich falsch deklariert haben. Offiziell flossen von Sponsoren wie Etihad, einer Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, Millionenbeträge in die Klubkassen. Ein beträchtlicher Teil dieser Gelder soll aber tatsächlich von der Herrscherfamilie in Abu Dhabi überwiesen worden sein. Dass ist insofern verboten, weil das Financial Fairplay, eine Regelung der Uefa für mehr Gerechtigkeit und Mass, besagt, dass innerhalb von drei Jahren etwa gleich viel ausgegeben wie marktüblich eingenommen werden darf. Indem Manchester City Alimente aus dem Emirat als Sponsorenzahlungen ausgewiesen haben soll, umging es diese Regel. Die Beweislast war erdrückend.

Manchester City mit seinem Trainer Pep Guardiola darf in der nächsten Saison in der Champions League antreten.

Manchester City mit seinem Trainer Pep Guardiola darf in der nächsten Saison in der Champions League antreten.

Und doch zog der Tabellenzweite der Premier League mit dem Urteil vor den internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Dieser sprach Manchester City gestern frei. Der Klub muss lediglich eine Busse in Höhe von zehn Millionen Euro bezahlen, weil er während der Ermittlungen nicht mit der Uefa kooperiert habe. Der Vorwurf, gegen das Financial Fairplay verstossen zu haben, wurde fallengelassen. Der CAS schrieb, die Vergehen seien nicht feststellbar und verjährt.

Das Financial Fairplay – ein zahnloser Tiger

Wer den internationalen Sportgerichtshof CAS kennt, ist nur bedingt überrascht von seinem Entscheid. In seinem Gremium sitzen Vertreter des organisierten Sportes. Menschen, die sich nicht ausschliesslich der Gerechtigkeit im Sport verschrieben haben, sondern auch andere Tätigkeiten in dieser Branche ausüben. Eine Konstellation, die Interessenkonflikte begünstigt. Dieses Gremium wählt die Richter, die über die Fälle des CAS befinden. Es ist ein Konstrukt, das nicht vollends unabhängig ist.

Und sein Urteil ist fatal. Weil es signalisiert: Die Topklubs können tun und lassen, was sie wollen. Der CAS verführt zur kreativen Buchführung und Masslosigkeit auf dem Transfermarkt. Die Schere zwischen reich und superreich dürfte weiter auseinandergehen, obschon die Uefa mit der ursprünglichen Sperre Wille zur Besserung gezeigt hatte.

Gegen Manchester City wurde schon mehrfach ermittelt, eine spürbare Bestrafung folgte nie. Offenbar ist die Uefa inzwischen versucht, die Regeln konsequenter einzuhalten. Doch der CAS hatte das letzte Wort. So ist das Financial Fairplay ein zahnloser Tiger.

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