Schwingen
Der Brückenbauer von Estavayer-le-Lac und seine Mission, den Röstigraben niederzuzwingen

Albert Bachmann will im August am Eidgenössischen Schwingfest Gegensätzliches zusammenbringen. Der Berner spricht über die Challenge, Jung und Alt, Partywütige und Traditionsliebhaber, Welsche und Deutschschweizer für ein Fest zusammenzubringen.

Fabian Soland
Merken
Drucken
Teilen
Noch 153 Tage hat Albert Bachmann Zeit, an der Brücke des Eidgenössischen Schwingfestes in Estavayer zu bauen.

Noch 153 Tage hat Albert Bachmann Zeit, an der Brücke des Eidgenössischen Schwingfestes in Estavayer zu bauen.

Sandra Ardizzone

Eine Brücke bauen. Genau das will das Eidgenössische Schwingfest (ESF) 2016 im beschaulichen Estavayer-le-Lac in der freiburgisch-waadtländischen Broye-Ebene. Und dies in vielerlei Hinsichten. Eine Brücke zwischen der französischen und der deutschen Sprache, eine Brücke zwischen den jungen, partywütigen und den traditionellen, schwingbegeisterten Besuchern, eine Brücke zwischen der traditionellen Schwingkultur und der welschen Gemütlichkeit. Als Architekt dieser Brücke waltet der OK-Präsident des ESF und ehemaliger Gemeindepräsident von Estavayer, Albert Bachmann.

Das Nischendasein in der Westschweiz

Vor drei Jahren fand das «Eidgenössische» im bernischen Burgdorf statt (siehe unten). Dieses grosse Erbe nun anzutreten, ist für Bachmann keine leichte Aufgabe. Zusätzlich erschwert wird diese durch die geografisch bedingte Lage des Austragungsortes. Denn der Schwingsport in der Romandie geniesst ein Schattendasein. Am letzten Eidgenössischen Schwingfest vor drei Jahren konnte nicht ein einziger Schwinger aus der französischsprachigen Schweiz einen der begehrten Kränze abstauben. Eine ernüchternde Bilanz.

Trotzdem ist sich Bachmann sicher, dass mit Estavayer ein perfekter Austragungsort gefunden werden konnte: «Der Kanton wollte schon 2001 und 1986 ein Eidgenössisches Schwingfest durchführen. Jetzt hat es endlich geklappt. Estavayer ist der Hauptort des Broye-Bezirks mit einem engagierten Schwingklub. Ausserdem steht uns mit dem Militärflugplatz Payerne ein optimaler Festplatz zur Verfügung.»

Den Röstigraben umgehen

Wahrlich. Das kleine, historische Städtchen am Ufer des Neuenburgersees mag nicht besonders gross sein. Aber in der ganzen Schweiz ist die 6000-Seelen-Gemeinde als erholsamer Ferienort bekannt, weshalb Estavayer in den Sommermonaten gut und gerne doppelt so viele Bewohner verzeichnen kann. «Unsere Stadt lebt vom Tourismus», meint Bachmann und ergänzt: «Das Schwingfest ist für Estavayer Gratis-Werbung.»

Tatsächlich dürfte die neuntgrösste Gemeinde Freiburgs enorm von diesem Event profitieren. Einerseits durch die mediale Aufmerksamkeit, andererseits durch die geschätzten 250 000 Besucher, die erwartet werden – und einen bunten Querschnitt durch die ganze Bevölkerung der Schweiz bilden. Denn das Zielpublikum des ESF könnte unterschiedlicher nicht sein. Hier die partywütigen Jugendlichen auf der Suche nach dem nächsten Bier, dort die traditionellen Schwingfestbesucher, bei welchen der Sport im Vordergrund steht. Ein Spagat, den man bereits an den letzten Ausgaben des ESF meistern musste. Dessen bewusst ist sich auch der diesjährige OK-Präsident Bachmann: «Man muss ein Glied zwischen Jung und Alt und zwischen sportlichen und nicht sportlichen Interessen finden. Denn beides gehört zum Schwingfest dazu. Das ist eine grosse Challenge für dieses Fest, das einen grossen Namen hat. Und diesen möchten wir gerne weiterpflegen.»

Die welsche Kultur bewahren

Doch nicht nur in dieser Angelegenheit muss Bachmann als Brückenbauer fungieren. Auch soll das Fest mit einem lateinischen Charakter versehen werden, ohne die Deutschschweizer Schwingfreunde zu vergraulen. «Uns trennt primär die Sprache. Und dann natürlich noch die verschiedenen Bräuche, die jeder auf seine Art zu pflegen weiss. Und genau diese welsche Kultur wollen wir mit diesem Fest bewahren», erklärt Bachmann. Alles auf den Kopf stellen will der gebürtige Berner jedoch nicht: «Die Gelassenheit «à la Suisse Romande» gehört zu einem Schwingfest in der Westschweiz einfach dazu – genauso wie wir dann auch mit einem Glas Weisswein anstatt einem ‹Kafi Luz› anstossen werden.»

Den grössten und wichtigsten Pfeiler dieser Brücke bildet für Bachmann aber die Kommunikation zwischen den Deutsch- und den Welschschweizern. Denn er organisiert, und da ist sich Bachmann sicher, ein Fest für die ganze Schweiz und nicht nur für die Westschweiz oder für die Stadt Estavayer. Noch hat Albert Bachmann bis zum 26. August Zeit, diese Brücke zu erbauen. Die Pläne sind bereits niedergeschrieben und unter Dach und Fach. Nun gilt es, sie auch entsprechend umzusetzen.

Ein paar Impressionen vom Eidgenössischen Schwingfest 2013 in Burgdorf:

Impressionen vom Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf
12 Bilder
Jeder Fan trank im Schnitt 0,76 Liter Bier
Das Wetter half zu einem guten Resultat

Impressionen vom Eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf