Bereits vor dem Start in die Weltcupfinal-Woche der Skifahrerinnen und Skifahrer ist klar: Die Schweiz wird in diesem Jahr leer ausgehen. Weder im Gesamtweltcup noch in einer der Disziplinen Abfahrt, Super-G, Riesenslalom oder Slalom kämpft eine Athletin oder ein Athlet von Swiss-Ski um den Titel des konstantesten und besten Fahrers der Saison. Doch offenbart der Blick in die Kristallkugel, die die Gewinnerinnen und Gewinner der Disziplinenwertungen erhalten, tatsächlich, wie es um den Schweizer Skisport steht?

Für die Antwort muss man ein wenig ausholen und zurückblicken. Die letzte Kristallkugel für die Schweizer Frauen gewann Lara Gut im vergangenen Winter, den sie als beste Super-G-Fahrerin abgeschlossen hatte. Zuvor gingen die Schweizerinnen elf Jahre leer aus. Sonja Nef war in den Jahren 2001 und 2002 die beste Riesenslalomfahrerin der Saison.

Bei den Männern gewann zuletzt Didier Cuche 2011 die Disziplinenwertungen in der Abfahrt und im Super-G. Der mittlerweile zurückgetretene Ausnahmeathlet ist der erfolgreichste Schweizer Kristall-Sammler der letzten 20 Jahre (insgesamt sechs Kugeln). Von den noch aktiven Schweizerinnen und Schweizern ist neben Lara Gut nur noch Carlo Janka Titelträger. Allerdings hat der Bündner 2010 sogar den Gesamtweltcup gewonnen.

Fehlende Konstanz

Das zeigt eines: Die Liste der Disziplinensieger weist Ausnahmeathletinnen und Ausnahmeathleten aus, was alleine schon die regelmässig erscheinenden Namen beweisen: Lindsey Vonn, Tina Maze, Anna Fenninger, Aksel Lund Svindal, Ted Ligety oder Marcel Hirscher. Es zeigt aber auch: Seit dem Rücktritt von Didier Cuche im März 2012 fehlt Swiss-Ski mit Ausnahme von Lara Gut ein solcher Athlet oder eine solche Athletin.

Daniel Albrecht, Carlo Janka oder Beat Feuz waren auf dem Weg dazu, wurden aber durch Verletzungen in der Entwicklung gestoppt. Fahrerinnen und Fahrer wie Patrick Küng, Didier Défago oder Dominque Gisin haben in ihrer Karriere zwar grosse Titel gewonnen, doch ihnen fehlte oft die Konstanz, um über eine ganze Saison mit den Besten mitzuhalten.

Männer besser, Frauen schlechter

Spannender als der Blick auf die Siegerlisten ist, was dahinter passiert. Und da ergibt sich ein Bild, das besser aussieht. Im Krisenwinter 2013 war bei den Schweizer Männern der beste Athlet in der besten Disziplin auf Rang 19 klassiert (Didier Défago im Riesenslalom) und den Gesamtweltcup beendete der beste Schweizer auf Rang 30 (ebenfalls Défago).

Aktuell liegt Janka im Gesamtweltcup auf Rang 9. In der Abfahrt ist Feuz als bester Schweizer auf Rang 6 klassiert. Im Super-G ist Janka 6. und im Riesenslalom als Bester 11. Im Slalom liegt Daniel Yule auf dem 15. Zwischenrang. Besonders die Resultate in Slalom und Riesenslalom zeigen, dass es in den Krisendisziplinen (langsam) vorwärts-geht. Das Männerteam hat sich zudem in der Nationwertung von Rang 8 (2013) über Rang 6 (2014) auf Rang 5 in dieser Saison verbessert.

Anders sieht es bei den Frauen aus: Im Vorwinter die zweitbeste Nation, liegen die Schweizerinnen aktuell nur auf Rang fünf. Dadurch ist Swiss-Ski in der Nationen-Gesamtwertung vom zweiten Rang im letzten Winter auf den momentan dritten Rang (knapp vor den Amerikanern) zurückgefallen. Mit dem sich abzeichnenden Rücktritt von Dominique Gisin zeigt die Tendenz für die nächste Saison sogar weiter nach hinten.

Ausnahmeathleten fehlen

Doch was bedeuten all diese Zahlen nun konkret für den Zustand des Schweizer Skisports vor den letzten Rennen der Saison? Erstens: Keine Kristallkugel ist noch kein Drama. Das gab es auch schon in früheren Jahren. Zweitens: Das Männerteam arbeitet sich nach vorne. Auch wenn zuletzt eher eine Stagnation zu erkennen war.

Drittens: Bei den Frauen droht ein Schritt zurück – und eine noch grössere Abhängigkeit von Lara Gut. Viertens: Sollte sich keiner aus dem Schweizer Team in nächster Zeit zum Ausnahmeathleten à la Cuche entwickeln, sind Resultate wie in diesem Winter weiterhin die Regel.