Ein Lob von Netzer ist immer gut. Auch wenn dieser mit Vornamen nicht Günter heisst, sondern Philipp. «Die Young Boys haben eine sehr gute Wahl getroffen, auf jeden Fall», sagt Philipp Netzer. Er ist der Captain vom SCR Altach und hat mit Adi Hütter in Österreich knapp drei Saisons zusammengearbeitet. Dass sie dabei gleich dreimal den Aufstieg in die Bundesliga knapp verpasst hätten, sei überhaupt nicht am Trainer festzumachen», sagt Netzer. «Hütter hat bei uns das Maximum herausgeholt.»

Die Meldung der Young Boys über die Berufung des 45-jährigen früheren Internationalen zum neuen Cheftrainer und Nachfolger von Uli Forte war keine Sensation mehr. Diverse Medien hatten vom Interesse der Berner an Hütter berichtet. «Im gegenseitigen Austausch sind wir zum Schluss gekommen, dass es passt und wir mit ihm in die Zukunft gehen wollen», sagt nun YB-Sportchef Fredy Bickel.

Hütter ist nahe der Schweizer Grenze in Altach aufgewachsen, hat dort mit dem Fussball begonnen und eine ansehnliche Profikarriere gemacht. Er ist mit Austria Salzburg dreimal österreichischer Meister geworden und hat mit diesem Klub sogar den Uefa-Cup-Final gegen Inter Mailand erreicht.

Double mit Salzburg

Als Hütter 2007 seine Laufbahn wegen einer Achillessehnenentzündung beenden musste, wechselte er sofort in den Trainerstab von Red Bull Salzburg. Er wurde danach Cheftrainer der Red Bull Juniors in der zweithöchsten Liga, trainierte knapp drei Jahre Altach und holte den mit den Vorarlbergern verpassten Aufstieg 2013 mit dem SV Grödig nach. Ja, er führte diesen danach sogar gleich in den Europacup. Grund genug für Red Bull Salzburg, ihn als Nachfolger von Roger Schmidt zu engagieren. Zwar verpasste Hütter mit den Bullen gegen Malmö wie alle seine Vorgänger die Qualifikation für die Champions League, doch mit der Verteidigung des Doubles erfüllte er die Erwartungen dennoch. In der Meisterschaft schloss Red Bull sechs Punkte vor Rapid ab und erzielte in 36 Spielen nicht weniger als 99 Tore. In der Europa League sorgte Hütter für Aufsehen, als sein Team in der Gruppenphase ungeschlagen mit 23 Treffern den Torrekord um drei Einheiten übertraf.

So kam es einem Knall gleich, als Salzburg Mitte Juni verkündete, der noch ein Jahr weiterlaufende Vertrag – Hütter verdiente 750 000 Euro im Jahr – mit dem Trainer werde aufgelöst. Grund dafür seien unterschiedliche Zielsetzungen. Mit der Kurskorrektur der Salzburger, vermehrt auf junge Spieler zu setzen und das Erreichen der Champions League nicht mehr als oberste Priorität zu betrachten, mochte sich Hütter nicht abfinden. «Ich sehe mich nicht als Ausbildungstrainer», sagte Hütter. Eine Aussage, die stutzig macht, weil sie nicht zur Schweizer Ausbildungsliga passt – auch Bickel und YB wollen ja auf die Jungen setzen. Vielleicht hat sich Hütter inzwischen aber auch mit der YB-Philosophie arrangiert.

Harald Gämperle bleibt Assistent

Der Altacher Netzer bescheinigt ihm viel Ehrgeiz und Fleiss. Aber auch grosse menschliche Qualitäten. «Er gibt jedem Kadermitglied das Gefühl, ein wichtiger Teil des Teams zu sein», sagt Netzer. «Hütter ist sehr kommunikativ und spricht die Sprache der Spieler.»

Familienvater Hütter wird seine Arbeit in Bern am Montag – mit Harald Gämperle als Assistenten – aufnehmen und am 12. September beim Heimspiel gegen den FC Vaduz in der Super League debütieren. «YB hat grosses Potenzial, das es auszuschöpfen gilt. Ich bin sehr motiviert, für diesen ambitionierten Klub zu arbeiten», hat er schon mal schöne Worte vorausgeschickt. «Ich bin überzeugt, dass wir die Mannschaft vorwärtsbringen.»