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Der Abstiegskampf ist die neue Meisterschaft der Bundesliga

Winterpause. In Deutschland, Italien und Spanien ruht der Ball. Die Bundesliga scheint entschieden. Der Abstiegskampf bringt zum Glück noch Spannung. In Italien und Spanien bleibt das Titelrennen spannend.

Ist die Deutsche Meisterschaft wie schon in den letzten zwei Jahren wieder schon nach der Hinrunde entschieden? 15 Siege aus 17 Spielen – nur Gladbach und Frankfurt konnten dem Rekordmeister aus München insgesamt fünf Punkte abknöpfen – sprechen eine deutliche Sprache. Und das obwohl Pep Guardiola immer wieder auf zahlreiche Leistungsträger wie Franck Ribéry, Arjen Robben oder Mario Götze verletzungsbedingt verzichten musste.

Da der Meistertitel für die Bayern zur Normalität geworden ist, wird das Münchener Starensemble den Fokus in der Rückrunde auf den Gewinn der Champions League setzen und deswegen in der Liga den einen oder anderen Punkt liegen lassen. Dennoch müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn Philipp Lahm am 14. Mai 2016 nicht erneut die Meisterschale in die Höhe stemmen dürfte. Es wäre die 26. Meisterschaft für die Bayern und die vierte in Serie.

Spannung im Abstiegskampf

Spannend bleibt die Bundesliga trotz der Bayern-Dominanz an der Tabellenspitze dennoch. Grund dafür: der Abstiegskampf. Neun Teams kämpfen um den Ligaerhalt. Die überraschend starken Aufsteiger aus Darmstadt (18 Punkte) und Ingolstadt (20), die vor der Saison schon als sichere Absteiger verschrien wurden, haben die Aufstiegseuphorie genutzt und in der Hinrunde fleissig Punkte gesammelt. Dafür stecken die Traditionsmannschaften aus Frankfurt, Bremen, Hannover und Stuttgart tief im Abstiegsstrudel fest. Auch Schlusslicht Hoffenheim hat andere Ansprüche und will das Feld in der Rückrunde von hinten aufrollen. Für Spannung ist gesorgt. Der Abstiegskampf ist die neue Meisterschaft.

Dem Abstiegssumpf entronnen ist dagegen der Hauptstadtclub. Seit der Ungar Pal Dardai die Hertha im Februar 2015 auf Platz 17 übernommen hat, geht es in Berlin steil nach oben. Die Hertha mit dem Schweizer Captain und Abwehrchef Fabian Lustenberger überwintert tatsächlich auf Champions- League-Platz 3 und sorgt so für die grösste Überraschung der Hinrunde, in der auch die Schweizer eine immer wichtigere Rolle spielen.

21 Schweizer Legionäre sind momentan in der Bundesliga aktiv. Mit Lustenberger, Johan Djourou (Hamburg), Diego Benaglio (Wolfsburg), Pirmin Schwegler (Hoffenheim) und Granit Xhaka (Gladbach) gibt es sogar fünf Schweizer Captains. Rekord.

Ebenfalls rekordverdächtig ist die Torquote von Dortmunds Knipser Pierre-Emerick Aubameyang: 18 Tore in 17 Spielen. Damit hat der Gabuner zur Halbzeit bereits nur ein Tor weniger erzielt als Torschützenkönig Alexander Meier in der kompletten letzten Saison. Netzt Aubameyang auch im neuen Jahr weiter so zuverlässig, ist sogar Gerd Müllers Bestmarke von 40 Saisontoren in Reichweite. Doch die Bayern-Spieler Thomas Müller (14) und Robert Lewandowski (15), der gegen Wolfsburg fünf Tore in neun Minuten erzielte, wollen Aubameyang noch abfangen.

Ein weiteres Glanzlicht der Bundesliga-Hinrunde ist Leverkusens mexikanische «Erbse» Javier Chicharito Hernandez. Seit seinem Last-Minute-Transfer trifft der mexikanische Super-Star fast in jedem Spiel. Auch seinetwegen steigt die Beachtung der Bundesliga in der Welt weiter an.

Juves Fehlstart – Inters Glück?

In Italien und Spanien ist der Kampf um die Meisterschaft dagegen deutlich spannender. Durch den Fehlstart von Juventus Turin – die Juve konnte von der ersten sechs Spielen nur eines gewinnen – rechnen sich neben dem Serienmeister der letzten vier Jahre auch Tabellenführer Inter Mailand, Florenz, Napoli und die Roma Chancen auf den Gewinn des «Scudettos» aus. Das wieder erstarkte Inter zelebriert in der Hinrunde italienischen Minimalismus. Sage und schreibe achtmal gewannen die «Nerazzurri» ein Ligaspiel mit 1:0 und gehen auch deshalb als Leader in die zweiwöchige Winterpause.

Auch in Spanien rollt bereits am 30. Dezember wieder der Ball. Atlético Madrid ärgert in dieser Saison erneut die beiden Dauerrivalen Barcelona und Real Madrid und überwintert punktgleich mit dem FC Barcelona an der Tabellenspitze. Real Madrid, das im «Clásico» zu Hause eine 0:4-Klatsche hinnehmen musste, hat die Meisterschaft ebenfalls noch nicht abgeschrieben und lauert auf Platz 3.

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