Als Albian Ajeti Anfang Oktober von St. Gallen zum FCB zurückkehrt, tut er dies als Ersatz für den verletzten Ricky van Wolfswinkel. Ajeti ist fortan, was van Wolfswinkel bis zu seinem im Spiel gegen Benfica Lissabon erlittenen Mittelfussbruch war: die Nummer 1 im Sturm der Basler. Im letzten Spiel im Dezember meldet sich van Wolfswinkel wieder zurück. Nach 81 Tagen. Und einen Monat später meldet er im Trainingslager in Marbella Ansprüche an: «Ich bin immer noch Stürmer Nummer 1», sagt der selbstbewusste Holländer.

Anspruch entspricht nicht der Realität

Doch Realität und Anspruch sind seit der Wiederaufnahme der Meisterschaft weit voneinander entfernt. Zwar bekommt er mit Ausnahme des Auftakt-Spiels gegen Lugano in den ersten Matchesmehr Einsatzzeiten als Konkurrent Ajeti. Überzeugen kann er nicht.

Wie schon vor seiner Verletzung ist er oft unsichtbar, wirkt isoliert in der Spitze. Konnte er in der Hinrunde zumindest Tore als Argument vorweisen, steht er dort im Jahr 2018 bei null. Der Königstransfer, wie er betitelt wird, steckt ebenso in einer Krise wie der FCB selber. Dass er Ende der Woche auch noch mit einer Stirnhöhlenentzündung ausgefallen und für das Spiel gegen YB fraglich ist, passt zu seiner Lage.

Herausragend aus dem Kollektiv

Ganz anders präsentiert sich die Situationfür Albian Ajeti. Aus einem bescheidenen Kollektiv war er es, der herausstechen konnte. «Albi ist gegen Lausanne und Sion sehr, sehr gut gewesen», lobt ihn auch sein Trainer Raphael Wicky, dem es für gewöhnlich eher fernliegt, einzelne Akteure seiner Mannschaft öffentlich zu beurteilen. Mit den mannschaftsdienlichen, kämpferischen und physischstarken Darbietungen in den vergangenen Spielen hat sich der 21-Jährige das Lob verdient.

So hat er es auch geschafft, van Wolfswinkel auf die Bank zu verdrängen. Gleich zwei Mal musste dieser vor der Nati-Pause über die volle Distanz zuschauen, wie Ajeti ihm den Rang abläuft und seine starken Leistungen auch noch mit einem Tor gegen Sion und einem Assist gegen Lausanne krönt. «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entwicklung. Wir wissen alle, dass in Basel der Konkurrenzkampf viel grösser ist als in den anderen Schweizer Mannschaften. Wir haben sehr viele sehr, sehr gute Spieler. Da muss jeder Spieler glücklich sein über die Minuten, die er bekommt.»

Kein Platz für das Ego

Bislang konnte er derer mehr sammeln im 2018 und hat somit auch statistisch die Nase vorn. «Ricky und ich sind beide klare Sturmspitzen und daher direkte Konkurrenten. Aber es ist ein gesunder Konkurrenzkampf und wir haben weder Streit, noch grätschen wir uns im Training gegenseitig um. Wir haben viel miteinander zu tun und teilen mehr oder weniger die gleichen Interessen.» An ihrem Verhältnis habe sich nichts geändert, seit er an van Wolfswinkel vorbeigezogen ist. Platz für persönliche Befindlichkeiten habe es sowieso nicht. «In der aktuellen Situation muss man das Ego einfach mal abschalten. Die Mannschaft steht im Vordergrund.»

Geändert habe er an sich oder seiner Art zu trainieren nichts, um Wicky davon zu überzeugen, dass er die bessere Wahl ist. Ajeti sieht sich aber als den robusteren Spieler an, sagt, dass er daher vielleicht mehr gepasst habe in den vergangenen Partien. «Der Trainer ist einen Tag vor dem Spiel zu mir gekommen und hat mir gesagt, ‹Junge, ich will, dass du morgen spielst, und ich will, dass du dich zerreisst und Vollgas gibst.›»

Er hat, was dem FCB fehlt

Ajeti wirkt gefestigt in seinen Aussagen, auch jetzt, «wo nicht alles rund läuft», wie er es beschreibt. Seine gesammelten Erfahrungen bei St. Gallen und Augsburg helfen ihm dabei. Auch dort lief nicht alles rund. «Gerade daraus habe ich viel mitgenommen. Denn ich denke, aus weniger guten Zeiten lernt man mehr als aus guten. Darum fällt mir das Ganze in Basel gerade nicht so, so schwer.»

Dass er mit dem schlechten Start umzugehen weiss, hat vielleicht auch geholfen, die Nummer eins zu werden. Zu verdanken hat er dies aber auch der Tatsache, dass er das verkörpert, was dem Rest des Teams und vor allem van Wolfswinkel zuletzt zu fehlen scheint: unbedingter Wille und der Glaube an sich und die eigenen Fähigkeiten.