Kolumne
Den Fake echt gemacht

Fritz Künzli – das Idol auf dem Bolzplatz. Fast überall in Zürich, wo raue Jungs während der Pause sich die Lunge aus dem Leib kickten mit einem Tennisball. Wer ein Autogramm hatte vom Idol, war bald ein Star auch auf dem Pausenhof. Wer zudem über Chuzpe verfügte, machte ein Geschäft daraus: heischte einen «Schnägg» (5 Franken) für Künzlis Unterschrift.

Max Dohner
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Fritz Künzli war mit der Entertainerin Monika Kaelin verheiratet.

Fritz Künzli war mit der Entertainerin Monika Kaelin verheiratet.

Urs Flüeler/Keystone

Eine Schülerzeitung namens «Lit» lancierte das Geschäft. Die Fakenews in der Nr. 25 dieser «Lit» – jede Ausgabe war ein handgeschriebenes Unikat – stand prominent auf der ersten Seite: Fritz Künzli hatte eigenhändig in der Schülerzeitung firmiert! Der Reporter behauptete, nach jedem Match des FC Zürich problemlos solche Autogramme Künzlis zu bekommen. Heisst: Der Schulfratz fälschte am Ende Künzlis Autogramm – fünf Franken pro Stück – fabrikmässig und beinahe blind.

Jahre später, Jahrzehnte später brachte der einstige «Lit»-­Schmierfink – damals 14, inzwischen 52 – die ominöse Ausgabe Nr. 25 zu Künzli persönlich. Jetzt als echter Sportreporter – anlässlich eines Interviews im Vorfeld der Fussball-WM 2006. Trainer des Schweizer Nationalteams war damals die zweite FCZ-Legende, Köbi Kuhn.

Bei der Gelegenheit trug der Künzli-Fan – endlich! – nach Jahren, die Bitte vor, die falsche Unterschrift von damals doch zu «beglaubigen», mit der echten. Fritz Künzli zögerte kurz – er wusste, dass seine Hand zittrig geworden war – und unterschrieb dann doch.

Und das war jetzt unbezahlbar.