Young Boys
Den Bernern stehen heisse Tage bevor - Wo bleibt die Abkühlung?

Die Berner brauchen in der 3. Qualifikationsrunde heute in Monaco ein kleines Fussballwunder. Aber wie man zu sagen pflegt: Im Fussball ist nichts unmöglich.

Christian Finkbeiner
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Uli Forte wird heute Abend besonders ins Schwitzen kommen.

Uli Forte wird heute Abend besonders ins Schwitzen kommen.

Keystone

Sonne, Meer, azurblaues Wasser, kilometerlange Strände und Temperaturen von über 30 Grad. Die Côte d’Azur zieht gerade in diesen Tagen neben dem Jetset wieder Tausende sonnenhungriger Touristen an. Auch die Young Boys sind gestern von Bern-Belp aus nach Nizza aufgebrochen. In Monte Carlo treffen sie heute (20.45 Uhr) im Rückspiel der 3. Qualifikationsrunde der Champions League auf den im Fürstentum Monaco beheimateten Ligue-1-Vertreter.

Auf die Berner und ihren Trainer Uli Forte wartet aber alles andere als eine vergnügliche Dienstreise an die französische Riviera. Einerseits ist die Hypothek aus dem Hinspiel beträchtlich. 3:1 siegte der letztjährige Champions-League-Viertelfinalist vor einer Woche in Bern, womit die Chancen der Young Boys auf die Teilnahme an den Champions-League-Playoffs bereits bei Halbzeit auf ein Minimum gesunken sind. Andererseits hinken die Berner ihren Ansprüchen in dieser Saison bislang hinterher.

Die Meisterschaft verläuft anders als geplant

Das Last-Minute-Remis am Samstag in St. Gallen – das dritte 1:1 im dritten Meisterschaftsspiel – vermochte die Wogen nicht zu glätten. Die Unruhe in und um Bern ist spürbar, was nicht nur allein an den Medien liegt. Die absolute Rückendeckung der Verantwortlichen für den Trainer fehlt, der Tenor in den Fan-Foren gegenüber Mannschaft und Trainer ist kritisch und überwiegend negativ. Die Fans sehnen sich nach knapp drei Jahrzehnten Erfolglosigkeit nicht nur nach einem Titel, sondern auch nach offensivem und spektakulärem Fussball.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei YB bisher weit auseinander. Dass deswegen immer und immer wieder der Name des arbeitslosen Murat Yakin fällt, ist auch Forte nicht verborgen geblieben. Das mediale Getöse nennt er ein «Tamtam», das er so noch nie erlebt habe. Dem Boulevard unterstellte er vergangene Woche, dass dieser eine Kampagne gegen ihn führe.

Der YB-Trainer zeigte sich aber auch selbstkritisch: «Wir müssen uns vorwerfen, dass wir nicht so gestartet sind, wie wir uns das vorgestellt haben. Dafür trage ich die Hauptverantwortung.» Sie hätten vor der Saison mit der formulierten Zielsetzung, einen Titel zu gewinnen, eine «dicke Lippe» riskiert. «Doch das Ganze ist kein Selbstläufer.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Vor den wegweisenden Heimspielen in der Meisterschaft gegen Thun und Lugano und dem Cupspiel in Kriens bietet sich Forte und seiner Mannschaft auf dem Kurztrip nach Monte Carlo die Möglichkeit, kurz durchzuatmen und die minim erkennbare spielerische Aufwärtstendenz der letzten beiden Spiele fortzusetzen.

Der Glaube an eine sportliche Wende fällt allerdings schwer, zumal neben Alexander Gerndt auch Guillaume Hoarau, Sékou Sanogo, Renato Steffen und Loris Benito aus medizinischen Gründen auf die Reise ans Mittelmeer verzichtet haben. In Anbetracht der Ausgangslage üben sich die Protagonisten in Durchhalteparolen. «Im Fussball ist alles möglich», sagte Forte vor dem zweiten Vergleich mit dem siebenfachen französischen Meister und wies auf die Europa-League-Partie im Frühjahr in Liverpool gegen Everton hin, als die Berner nach einer 1:4-Heimniederlage im Rückspiel 1:0 in Führung gingen und dem 2:0 sehr nahe standen.

Letztlich blieben die Berner aber auch im Goodison Park ohne Chance und verloren 1:3. Steve von Bergen erinnerte an Vojvodina Novi Sad, das am letzten Donnerstag in der Europa-League-Qualifikation bei Sampdoria Genua überraschend 4:0 gewann.

Ansätze waren vorhanden

«Wir wollen beweisen, dass die 75 Minuten des Hinspiels, in denen wir guten Fussball gespielt haben, kein Zufall waren», sagte der YB-Captain. Nachdem die Berner im Hinspiel mehrere hochkarätige Torchancen vergeben hatten, kassierten sie innert einer guten Viertelstunde die drei Gegentreffer.

Für Von Bergen bietet der Auftritt im Stade Louis II eine weitere Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Schliesslich geht es für YB auch bei einem Ausscheiden gegen Monaco international in den Playoffs der Europa League weiter.