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Das Warten geht weiter: Die Schweiz verpasst auch gegen Belgien den ersten Sieg im Jahr 2020

Seit sechs Spielen ist die Schweiz sieglos. So lange wie noch nie unter Petkovic.

Seit sechs Spielen ist die Schweiz sieglos. So lange wie noch nie unter Petkovic.

Die Schweiz verschenkt gegen Belgien eine frühe Führung und verliert mit 1:2. Damit ist sie in 2020 weiter sieglos.

Zwei Chancen bleiben noch. Gegen Spanien und die Ukraine. In diesen beiden Partien kann der Schweiz gelingen, was sie gegen Belgien gestern erneut nicht geschafft hat: Ihren ersten Sieg 2020 zu erspielen. Denn obschon die Schweiz lange führt, reicht es am Ende nicht. Weil die Nati die Partie aus der Hand gibt und schliesslich mit 1:2 gegen die Nummer 1 der Weltrangliste unterliegt. Und somit die vierte Niederlage in diesem Jahr kassiert. Es ist eine, die nicht hätte sein müssen. Eine, die gar richtig unnötig ist. Denn die Belgier präsentieren sich weder mit einem eingespielten Team noch in Bestform. Dennoch ist das genug, um eine ebenfalls nicht eingespielte Schweiz aus dem Konzept zu bringen.

Xhakas Auswechslung als Knackpunkt

Aber von Anfang an. Die Schweiz, erneut in einem 3-4-1-2 agierend, beginnt mit vielen Fehlpässen, die auch den diversen personellen Rochaden geschuldet sind. Die Sicherheit fehlt, ebenso die Automatismen. Weil es dem Gegner – ohne seine grossen Namen Kevin De Bruyne oder Eden Hazard – gleich geht, fallen die diversen, viel zu einfachen Ballverluste nicht ins Gewicht. Die Schweiz schafft es nach einem typischen Pass von Fabian Schär über das ganze Spielfeld gar, in Führung zu gehen. Sebastiaan Bornau bringt den Ball statt aus der Gefahrenzone genau zu Admir Mehmedi, der abgeklärt abzieht und sein zehntes Nati-Tor erzielt.

Diese Führung nehmen die Schweizer verdient und dank diszipliniertem, hohem Ver­teidigen mit in die Pause. Eine Pause, in der eine folgenschwere Auswechslung erfolgt: Um Captain Granit Xhaka vor den kapitalen Spielen gegen Spanien und die Ukraine ein bisschen Erholung zu gewähren, nimmt ihn Vladimir Petkovic vom Platz. Seine Captainbinde übernimmt zwar Xherdan Shaqiri, nicht aber seine Präsenz. Mit Xhakas Herausnahme fällt das Schweizer Spiel auseinander. Die Kompaktheit fehlt, die Organisation und die Ideen ebenfalls. Erneut ist der Niveauabfall frappierend. Es ist eklatant, wie abhängig dieses Team fussballerisch von seinem Captain ist, vor allem aber auch mental. Mit Xhaka agiert die Schweiz zu keiner Zeit so, als würde ein unerwünschtes Testspiel absolviert. Nach seiner Auswechslung verliert sie die Kontrolle und bleibt im sechsten Spiel in Serie sieglos. So lange wie noch nie unter Petkovic.

Aber es ist nicht nur an Xhakas Fehlen festzumachen, dass die Schweiz diesen Sieg nicht über die Zeit bringt. Vor dem Ausgleich spielt Loris Benito einen Fehlpass, der ihm so nicht unterlaufen darf und durch den Michy Batshuayi den Ausgleich gegen den für Yann Sommer im Tor stehenden Yvon Mvogo erzielen kann. Dieser hat nur zwanzig Minuten später erneut das Nachsehen, nachdem Batshuayi neuerlich nicht ge­nügend gedeckt wird und zum 2:1-Schlussresultat trifft.

Die Noten der Schweizer Spieler in der Kurz-Übersicht

Die Hoffnung auf mehr Automatismen am Samstag

Das Resultat hat seine Richtigkeit, weil die Schweiz in den zweiten 45 Minuten zu wenig macht. Damit hält das Warten auf den ersten Sieg 2020 an. Dass es gegen Spanien und die Ukraine nicht einfacher wird, ist selbsterklärend. Mut gibt aber, dass Petkovic dann auf ein eingespielteres Team setzen wird, welches in diesem Jahr bereits gute Leistungen zeigen konnte. Ein Sieg gegen Spanien am Samstag wäre ein wichtiges Zeichen, dass diese Mannschaft noch siegen kann.

Ein starkes Zeichen konnte die Schweiz immerhin gestern noch vor der Partie gemeinsam mit den Belgiern senden: Alle 22 Spieler knieten nieder.

© Stephanie Lecocq / EPA (Leuven, 11. November 2020

Ein Kniefall, wie er im Rahmen der «Black lives matter»-Bewegung bekannt geworden ist. Es ist kein Zeichen, welches mit Alain Stutters «Stop it Chirac»-Banner gleichzusetzen ist. Aber es ist ein Zeichen des Sports, dass er vermehrt und deutlich für humanitäre Werte einsteht. Jetzt braucht es am Samstag von den Schweizern nur noch ein Zeichen im Spiel.

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