Sport

«Das Virus hat mehrere Matchbälle»: Die Swiss Indoors Basel stehen kurz vor der Absage – Es droht ein Millionendefizit

Rekordsieger in Basel: Roger Federer. Die Swiss Indoors hätten in diesem Jahr ohnehin ohne ihn stattgefunden. Nun bleibt Federer Titelverteidiger.

Rekordsieger in Basel: Roger Federer. Die Swiss Indoors hätten in diesem Jahr ohnehin ohne ihn stattgefunden. Nun bleibt Federer Titelverteidiger.

Turnierdirektor Roger Brennwald hat der ATP mitgeteilt, dass die Swiss Indoors Basel 2020 nicht stattfinden sollen. Damit steht der grösste jährlich stattfindende Sportanlass der Schweiz vor der Absage.

Spiele ohne Publikum wie bei den US Open wird es in der St. Jakobs-Halle keine geben, das stand für Roger Brennwald schon lange fest. Nun tritt der Turnierdirektor der Swiss Indoors Basel die Flucht nach vorne an und macht öffentlich, dass er der Profi-Vereinigung ATP mitgeteilt hat, dass der grösste jährlich stattfindende Sportanlass der Schweiz in diesem Jahr wegen der medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Unsicherheiten nicht stattfinden sollen. «Das Virus hat leider mehrere Matchbälle», sagt Roger Brennwald und spricht von «radikal ungünstigen Vorzeichen».

Die ATP, die führende Standesorganisation im Männertennis, hat in diesen Tagen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab 14. August (Washington) bis zum 27. September (French Open) angekündigt. Bis das definitive Aus mit der ATP kommuniziert wird, was Mitte Juli der Fall sein dürfte, werden die Ticketverkäufe ausgesetzt. Wer sich schon ein Billett gesichert hat, kann sich den Preis für dieses vollumfänglich zurückerstatten – oder es sich in einen Eintritt fürs kommende Jahr umwandeln lassen. Im laufenden Jahr geht es für die Swiss Indoors nur noch um Schadensbegrenzung.

Droht eine Konventionalstrafe?

Die Mehrheit der zehn fest angestellten Mitarbeiter, ist seit Wochen in Kurzarbeit, wie Brennwald bestätigt. Die Sponsoren würden nicht belangt und würden ihre Ausgaben zurückerstattet erhalten. «Es ist für uns alle eine schwere Zeit, in der wir uns mit Respekt begegnen müssen», sagt Brennwald zu den Tamedia-Zeitungen. Mitte April war der Vorverkauf angelaufen, drei Tage seien bereits restlos ausverkauft. Eine Indoor-Austragung mit gut 10'000 Besuchern sei angesichts der medizinischen, sozialen und der wirtschaftlichen Unsicherheiten unverantwortlich.

Für Roger Brennwald und seine Swiss Indoors geht es in diesem Jahr wohl nur noch um Schadensbegrenzung.

Für Roger Brennwald und seine Swiss Indoors geht es in diesem Jahr wohl nur noch um Schadensbegrenzung.

Derzeit sind in der Schweiz Veranstaltungen mit mehr als 300 Besuchern verboten, ab kommender Woche sind maximal 1000 Besucher zugelassen, die Swiss Indoors locken jährlich über 70'000 Zuschauer nach Basel. Mit einem Budget von rund 19 Millionen Franken ist das Turnier der grösste jährlich stattfindende Sportanlass der Schweiz. In diesem Jahr hätte er vom 24. Oktober bis 1. November sein 50-jähriges Jubiläum feiern sollen. Über eine Pandemie-Versicherung verfügt das Turnier nicht. Auch eine Ausfallversicherung, die eine Pandemie nicht ausschliesst, gebe es nicht.

Einzelne Schadensereignisse seien versichert, zum Beispiel der Ausfall eines Spieltags, sagte Brennwald vor einem Monat und stellte weitere Gespräche mit Versicherungen in Aussicht, um das drohende Defizit in Millionenhöhe abzufedern. Möglich ist, dass auf die Swiss Indoors noch weitere Kosten zukommen. Die Swiss Indoors sind Lizenznehmer bei der Standesvereinigung ATP, ob das Vertragswerk für den Fall einer unilateralen Absage durch den Veranstalter eine Konventionalstrafe vorsieht, wollte die ATP auf Anfrage dieser Zeitung nicht beantworten. Roger Brennwald war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Meistgesehen

Artboard 1