EM-Qualifikation
Das Unentschieden, das sich wie eine Niederlage anfühlt

Bis zur 84. Minute hatten die Schweizer gegen Dänemark mit 3:0 geführt, am Ende gab es dennoch nur ein 3:3-Unentschieden. Die Nationalspieler können sich den grossen Bruch in der Endphase nicht erklären.

Raphael Gutzwiller
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Restlos bedient: Breel Embolo (links) und Denis Zakaria.

Restlos bedient: Breel Embolo (links) und Denis Zakaria.

Sven Thomann/Freshfocus (Basel, 26. März 2019)

Wie konnte das nur passieren? Die Schweizer Nationalmannschaft hatte 84 Minuten lang alles im Griff gegen Dänemark. Das Team führte 3:0. Dann aber kassierte man in den Schlussminuten noch drei Treffer und musste sich mit nur einem Punkt zufrieden geben.

Von den Zuschauern gab es zum Schluss Pfiffe. Ähnlich enttäuscht wie die Fans waren auch die Spieler selber, die sich frisch geduscht einige Minuten später den Journalisten stellten. «Natürlich fühlt sich das wie eine Niederlage an», meinte Albian Ajeti. Ähnlich sah es dessen Sturmpartner Breel Embolo: «Wir sind gefrustet. Wir haben zwar einen Punkt geholt, aber diesmal gehen wir als Verlierer vom Platz. Ich glaube die Dänen, wissen selber nicht, wie sie zu den drei Toren gekommen sind.»

Immerhin wussten die Schweizer Spieler, was in den letzten Minuten in ihrem Spiel gefehlt hat: Cleverness. Jene Cleverness also, die in der Person von Granit Xhaka nach 80 Minuten ausgewechselt worden war. Der Captain war bis dahin der beste Spieler gewesen, er fehlte in der Schlussphase schmerzlich. Xhaka sei deshalb ausgewechselt worden, weil er sich über Adduktorenprobleme beklagt habe, begründete Trainer Petkovic. Doch die Spieler wollten den grossen Bruch im Schweizer Spiel nicht der Auswechslung von Xhaka zuschieben. Sommer sagte:

«Keine Frage, Granit ist ein super Spieler, der für uns sehr wichtig ist. Doch wir haben das Spiel so im Griff gehabt, da müssen wir dieses 3:0 auch ohne ihn über die Zeit bringen können. Dafür haben wir genug Qualität im Team. Darum können wir es sicher nicht auf diese Auswechslung schieben. Wir hätten uns in den letzten Minuten einfach viel cleverer anstellen müssen.»

Konkret fehlte Sommer die nötige Ruhe und Ordnung im eigenen Spiel. «Wenn man das 3:1 bekommt, ist alles noch okey. Aber wir merkten, dass die Dänen wieder begannen, daran zu glauben. Sie haben dann noch mehr mit langen Bällen agiert. Statt selber in Hektik zu verfallen, hätten wir in dieser Phase wieder eigene Ballstafetten kreieren sollen», so Sommer. «Stattdessen haben wir nur noch den Ball irgendwie weggeschlagen.»

Die Bilder vom Spiel:

EM-Qualifikation, Schweiz - Dänemark
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In der 93. Minute trifft Dalsgaard zum 3:3.
Die Dänen kommen so unverhofft zu einem Punktgewinn.
Kasper Schmeichel jubelt nach dem Last-Minute-Ausgleich der Dänen.
Enttäuscht: Remo Freuler und Steven Zuber (rechts).
In der 84. Minute führten die Schweizer noch mit 3:0.
Granit Xhaka trifft zum 2:0.
Breel Embolo trifft zum 3:0. Das Spiel scheint entschieden.
Doch dann gerät die Schweiz komplett aus dem Tritt.
Ein Unentschieden wie eine gefühlte Niederlage.
Dänemarks Nicolai Jorgensen (M.) kommt nicht weit, die Schweizer Abwehr ist bereit.
Kaum ist Christian Eriksen (M.) am Ball, sind Denis Zakaria (l.) und Kevin Mbabu (r.) zur Stelle.
Da nützt das Reissen an Ajetis (2.v.l.) Shirt auch nichts mehr, Freuler (r.) hat schon abgezogen.
Remo Freuler (M.) fliegt nach seinem Treffer zum 1:0.
Steven Zuber sucht das Ziel für seine Flanke.
Yussuf Poulsen (l.) kommt geflogen, Remo Freuler duckt sich da besser und überlässt die nächste Aktion Ricardo Rodriguez (h.)

EM-Qualifikation, Schweiz - Dänemark

Keystone

Xhaka gibt keine Interviews

Unmittelbar nach der Partie sei es sehr ruhig gewesen in der Schweizer Kabine und auch wenige Minuten später hatten die Spieler die gefühlte Niederlage noch nicht verdaut. Immerhin konnte Breel Embolo bereits ein wenig nach vorne schauen: «Im Nachhinein ist man immer schlauer. Wir haben heute auf brutalste Art lernen müssen, was im Fussball alles möglich ist. Nun geht es für uns darum, die richtige Schlüsse daraus zu ziehen und zu lernen.» Denn - und das bemerkten die Spieler unisono - ein Unentschieden gegen Dänemark ist eigentlich kein schlechtes Resultat. «Vier Punkte aus zwei Spielen ist okey, aber natürlich überwiegt bei uns im Moment nur die Enttäuschung», so Sommer.

Nach dieser denkwürdigen Partie hatte sich Granit Xhaka gar nicht erst den Medien gestellt. Er verliess den St. Jakob-Park durch einen Hinterausgang. Bestimmt hat aber auch er sich seine Gedanken zu den Schlussminuten der Partie gemacht.

Die Noten der Schweizer Spieler:

Yann Sommer: Note 5 Lange friert der Goalie, zum Schluss braucht es aber seine ganze Klasse. Kann bei den Gegentoren jedoch nichts machen.
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Nico Elvedi: Note 3,5 Macht die Sache für den ausgefallenen Schär lange gut. Beim letzten Gegentor zum 3:3 macht er jedoch eine unglückliche Figur.
Manuel Akanji: Note 4,5 Orchestriert die Schweizer Defensive und das Aufbauspiel bis zur 76. Minute stark. Bei den Gegentoren sieht er dann ebenfalls nicht gut aus.
Kevin Mbabu: Note 3,5 Punktet lange durch seine Geschwindigkeit. Doch seine Flanken sind zu ungenau. Hebt beim zweiten Gegentreffer das Abseits auf.
Ricardo Rodriguez: Note 5 Startet gut in die Partie. Spielt gute Seitenwechsel und einen scharfen Ball ins Zentrum vor dem 1:0. Geht zur Pause raus und ist schuldlos am Ausgang.
Denis Zakaria: Note 4,5 Physisch stark und zeigt gute Laufwege. Er ist sehr ballsicher und zeichnet sich durch eine tolle Ballbehandlung aus.
Granit Xhaka: Note 5,5 Der Captain ist klar der Beste. Fast alles läuft über ihn. Krönt seinen Auftritt mit dem Traumtor zum 2:0. Beim Stand von 3:0 wird er ausgewechselt.
Remo Freuler: Note 5 Trifft zum ersten Mal für die Nati, zudem bereitet er das dritte Tor per Eckball vor. Ansonsten unterlaufen ihm aber auch einige Ungenauigkeiten.
Breel Embolo: Note 5 Berührt beim 3:0 noch den Ball und wird als Torschütze aufgeführt. Macht eine gute Partie, setzt sich mehrmals in Laufduellen geschickt durch.
Steven Zuber: Note 4,5 Strotzt vor Selbstvertrauen. Das zeigt er immer wieder in seinen Dribblings. Legt das Tor von Xhaka ideal auf, die Flanken sind aber ungenau.
Albian Ajeti: Note 5 Er kann mit seiner Physis die Bälle gut abschirmen. Legt vor dem 1:0 ideal für Freuler ab – jedoch eigentlich unerlaubt mit dem Oberarm.
Admir Mehmedi: Note 4,5 Ist nach seiner Einwechslung aktiv und kommt zu Abschlüssen. Er kann den Ball aber vor dem letzten Gegentor nicht klären.
Loris Benito: Note 4 Kommt zur Pause für Ricardo Rodriguez. Kämpferisch stark, kommt aber einige Male einen Schritt zu spät. Hat Mühe mit Gegenspieler Poulsen.
Djibril Sow: - Kommt in der 79. Minute für Xhaka beim Stand von 3:0 ins Spiel. Zu kurz im Einsatz für eine Benotung.

Yann Sommer: Note 5 Lange friert der Goalie, zum Schluss braucht es aber seine ganze Klasse. Kann bei den Gegentoren jedoch nichts machen.

Keystone

Die Schweizer Tore: