Curling
Das Traumpaar im Schweizer Sport möchte sich sportlich auf Augenhöhe bringen

Skip Sven Michel ist so gut in Form wie noch nie und will an der Curling-Weltmeisterschaft in Basel um den Titel spielen. Seine Freudin Alina Pätz, Skip von Baden Regio, durfte sich bereits als Weltbeste feiern lassen. Ob sie ihrem Liebling den entscheidenden Tipp zustecken kann?

Rainer Sommerhalder
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Seit acht Jahren zusammen: Weltmeisterin Alina Pätz und Europameister Sven Michel.

Seit acht Jahren zusammen: Weltmeisterin Alina Pätz und Europameister Sven Michel.

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Gemeinsam ist das Palmarès beinahe perfekt: 2011 feiert das Schweizer Curling-Traumpaar Sven Michel und Alina Pätz den WM-Titel im Mixed, 2013 gewinnt der Berner Oberländer mit Adelboden die Europameisterschaft, die Limmattalerin kontert 2015 als Weltmeisterin mit Baden Regio. Fehlt eigentlich nur noch etwas – der Olympiasieg.

Der am 30. März 28 Jahre alt werdende Michel wird jeden Tag an dieses höchste Ziel erinnert. Ein Blick auf den Oberarm genügt. Dort strahlt in leuchtenden Farben ein grosses Tattoo mit den olympischen Ringen. «Eine Olympiamedaille ist wohl für jeden Sportler das Grösste», sagt der Interlakner. So formuliert das Team die Spiele 2018 in Südkorea als ultimatives Ziel.

«Facetime» als treuester Begleiter

Nicht zu verachten ist zweifellos auch ein Weltmeistertitel, erst recht vor Heimpublikum. Ab dem 2. April duelliert sich die Elite in der Basler St. Jakobshalle. Sven Michel wäre damit wieder auf Augenhöhe mit seiner Lebenspartnerin. Die Urdorferin weiss, wie es sich anfühlt, die Beste der Welt zu sein. Kann die 26-Jährige ihrem Freund vielleicht sogar den entscheidenden Tipp geben, wie man Weltmeister wird? Alina Pätz lacht: «Dafür gibt es leider kein Rezept, aber Sven hat als Curler so viel Erfahrung, dass er den Weg dorthin selber findet.»

Gratulieren müsste Alina Pätz ihrem Lebenspartner, mit dem sie seit acht Jahren zusammen ist, wieder einmal aus der Fremde. Sie wird zwar Mitte Woche das eine oder andere WM-Spiel in Basel verfolgen, am Finalwochenende bestreitet Baden Regio aber selbst das letzte Turnier der Saison in Kanada. Da sich die Männer- und die Frauentour selten am gleichen Ort trifft, ist «Facetime» ein treuer Begleiter des Paares. Dafür haben sie sich umso mehr zu erzählen, wenn sie im Winter zwischendurch wieder einmal in der Schweiz vereint sind. Erst recht, weil beide aus einer Curlingdynastie stammen. So werden Familientreffen zur Expertenrunde.

Maurer im Sommer, Profisportler im Winter

Harmonie ist Sven Michel nicht nur in der Beziehung zur Partnerin wichtig. Er sieht eine gute Stimmung auch als wichtiger Faktor für den sportlichen Erfolg mit dem Team. Die Faszination dieses gemeinsamen Weges ist für den gelernten Maurer, der im Sommer Vollzeit arbeitet, um sich seine Karriere im Winter zu finanzieren, auch die Hauptmotivation zur Ausübung dieser Sportart. «Wir sind nur vier Personen, man kann sich nicht aus dem Weg gehen und ist im Winter oft wochenlang im gleichen Zimmer. Da muss es zwischenmenschlich sehr gut funktionieren, um Erfolg zu haben», sagt Michel.

Der Erfolg ist derzeit da, obwohl es im letzten Sommer aus sportlichen Gründen zur Trennung von zwei Teammitgliedern kam. Seit dieser Saison spielt Michel mit den Burgdorfer Brüdern Marc und Enrico Pfister – vor einem Jahr selber Meister mit Bern. Erstaunlich schnell fand die neue Besetzung den Draht zueinander und dadurch auch die Mechanismen auf dem Eis. So konnte Michel nach dem Gewinn des Schweizer-Meister-Titels Mitte Februar bilanzieren: «Es war die Curling-Woche unseres Lebens. Wir curlten so gut wie noch nie.»

Seither hat das Team Adelboden intensiv und ausschliesslich trainiert. Michel, der eine Woche vor dem WM-Start sehr ruhig und fokussiert wirkt, ist zuversichtlich, dass man die Topform für Basel konservieren kann: «Das Timing stimmt, wir haben es im Team sehr gut, alles läuft nach Plan.» Sven Michel weiss genau, dass in Basel der Kopf mitentscheidet. «Er ist einer, der in wichtigen Momenten stets gut spielt», folgt die Bestätigung für das vorhandene Selbstvertrauen aus weltmeisterlichem Munde.