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Das Team Roth an der Tour de Romandie: Die Underdogs

Das kleine Schweizer Team Roth liefert sich an der Tour de Romandie einen ungleichen Kampf mit den Stars.

Simon Steiner
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Keine Angst vor grossen Namen: Nico Brüngger (links) präsentiert das Trikot des Roth-Teams bei der Tour de Romandie als Ausreisser vor dem Feld.

Keine Angst vor grossen Namen: Nico Brüngger (links) präsentiert das Trikot des Roth-Teams bei der Tour de Romandie als Ausreisser vor dem Feld.

Keystone

Zwanzig Mannschaften fahren bei der Tour de Romandie mit. 18 davon weisen World-Tour-Status auf, gehören also zur höchsten Kategorie des Weltverbandes UCI und operieren mit Jahresbudgets im zweistelligen Millionenbereich. Und dann ist da noch das Team Roth. Die junge Schweizer Mannschaft mit Basis in Gerlafingen ist eben erst in die zweitoberste Klasse aufgestiegen und auch dort noch eine der kleinsten, mit einem Bruchteil der finanziellen Potenz der Spitzenteams.

Die Rollen sind also klar verteilt: Die Roth-Fahrer kämpfen in der Westschweiz als Underdogs gegen die Stars der Szene, fahren im Feld Lenker an Lenker mit Tour-de-France-Favoriten wie Chris Froome oder Nairo Quintana. Dank einer Wildcard des Veranstalters ist die Equipe erstmals überhaupt bei einem Rennen auf World-Tour-Stufe mit dabei. «Es ist für uns eine Riesensache, dass wir bei dieser Rundfahrt überhaupt starten dürfen», sagt Uwe Peschel, der Sportdirektor des Teams.

Die Einladung zur Tour de Romandie ist eine Anerkennung für die Bemühungen des Rennstalls um die Zukunft des Radsports in der Schweiz. «Wir wollen dem Schweizer Nachwuchs eine Plattform bieten», sagt Stefan Blaser, Teamchef und CEO des Hauptsponsors Roth Gruppe. Indem sie jungen Fahrern den Einstieg in den Profisport ermöglicht, will die Equipe eine Lücke im nationalen Radsport-Gefüge schliessen. Beim Schweizer World-Tour-Team IAM Cycling sind die Ambitionen längst zu gross geworden, um sich noch um die Nachwuchsförderung im eigenen Land zu kümmern, zudem steht das Fortbestehen der Mannschaft auf der Kippe. Das vom Schweizer Unternehmer Andy Rihs alimentierte BMC Racing Team, das mit amerikanischer Lizenz fährt, ist erst recht international ausgerichtet.

Mit offensiver Haltung

Allein schon die Einladung zur Tour de Romandie – und auch jene für die Tour de Suisse – hat bei den Fahrern im Team Roth einen Motivationsschub ausgelöst. «Ich habe versucht, meine Vorbereitung so zu gestalten, dass ich auf die Tour de Romandie in Bestform komme», sagt der 23-jährige Waadtländer Dylan Page. Die jungen Profis sollen von der Erfahrung der Routiniers profitieren können. Mit Leuten wie dem Portugiesen Bruno Pires oder dem ehemaligen Schweizer Meister Martin Kohler, der während seiner Zeit bei BMC einmal die Punktewertung der Tour de Romandie gewinnen konnte, sind Leute mit World-Tour-Erfahrung mit dabei.

Sportdirektor Peschel ist sich bewusst, dass es für sein Team dennoch keine einfache Aufgabe ist, sich auf World-Tour-Niveau zu behaupten. Erst recht nicht angesichts des schwierigen Parcours der Tour de Romandie mit zwei Bergankünften heute und am Samstag sowie einem anspruchsvollen Zeitfahren. «Ich habe den Fahrern gesagt, dass sie das Rennen auch etwas geniessen sollen», sagt Peschel, einst Olympiasieger mit dem deutschen Strassenvierer. Er hofft, dass der direkte Vergleich mit den Besten beim einen oder andern Fahrer etwas auslösen wird. «Eine solche Rundfahrt kann ein Schlüsselerlebnis sein, um den nächsten Schritt in Richtung Weltspitze in Angriff zu nehmen.»

Die Underdogs bestreiten die Tour de Romandie gleichwohl nicht nur, um den Stars bei der Arbeit zuzuschauen. Peschel hofft darauf, die Aussenseiterrolle als Vorteil nutzen zu können. «Für andere Teams mag die Tour de Romandie eine Routineangelegenheit sein, für uns jedoch ist sie etwas Besonderes.» So hat sich das Team auf die Fahne geschrieben, sich offensiv zu zeigen und Chancen zu nutzen, wenn sich welche bieten sollen. Der Zürcher Nico Brüngger nahm sich in der gestrigen ersten Etappe dies zu Herzen und präsentierte das Trikot des Teams während mehr als der Hälfte der Strecke in einer Fluchtgruppe vor dem Feld.

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