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Das schwere Erbe von Marcel Hirscher ist die grosse Chance von Österreich

Tritt er in die Fussstapfen von Marcel Hirscher? Matthias Mayer gewinnt den Super-G von Lake Louise.

Tritt er in die Fussstapfen von Marcel Hirscher? Matthias Mayer gewinnt den Super-G von Lake Louise.

Marcel Hirscher hat mit dem Rücktritt seinen ehemaligen Kollegen in den Technikergruppen ein schweres Erbe hinterlassen. Für die Speed-Fahrer des ÖSV könnte der Abgang des Überfahrers eine günstige Gelegenheit sein.

Ganz ohne Marcel Hirscher ging es auch nach dem Sieg von Matthias Mayer im Super-G am Sonntag in Lake Louise nicht. Der Hinweis, dass im vierten Weltcup-Rennen nach dem Rücktritt des Dominators zum ersten Mal ein Österreicher gewonnen hatte, musste sein. In den österreichischen Medien war aus den Kommentaren zwischen den Zeilen Erleichterung herauszulesen – und die Hoffnung, die Techniker mögen sich an den Speed-Fahrern ein Beispiel nehmen. Ganz so einfach wird es nicht werden. Die von Hirscher aufgerissene Lücke wird so schnell nicht zu schliessen sein. Der Riesenslalom in Sölden und der Slalom in Levi haben das gezeigt.

63 Siege, 44 von Marcel Hirscher

Dass Hirscher so manche Rangliste für die ÖSV-Fraktion geschönt hat, ist bekannt. Trotzdem sollen zwei Zahlen aus den Statistiken die Abhängigkeit von Hirscher nochmals verdeutlichen. Sie zeigen, dass die Ergebnisse in Sölden und in Levi der Realität ziemlich nahe und deshalb nicht völlig unerwartet kommen. In den letzten fünf Wintern feierten die Österreicher im Männer-Weltcup 63 Siege, 44 davon gingen auf Hirschers Konto, Anteil knapp 70 Prozent. Ein noch viel deutlicheres Ergebnis ergibt der Vergleich in den technischen Wettbewerben. Von den 42 Siegen in fünf Jahren gehen 41 auf das Konto von Hirscher.

Die Speed-Spezialisten stehen nach Hirschers Abgang nicht so massiv im Gegenwind wie ihre Kollegen des Riesenslalom- und des Slalom-Teams. Der auf sie gerichtete Fokus ist aber schon etwas grösser geworden, sie werden vermehrt in der Verantwortung stehen. «Marcel hat sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ­gezogen, von uns aber auch viel Druck genommen», sagt der mittlerweile 39-jährige Hannes Reichelt. Der Druck mag etwas zugenommen haben. Jedoch die Aussicht, vom Neben- zum Hauptdarsteller zu werden, beflügelt und steigert das Selbstvertrauen, das wiederum die Leistung fördert.

Jahrhundert-Equipe um Maier und Eberharter

In den Zeiten von Abfahrtskönig Franz Klammer oder später, als die von Hermann Maier und Stephan Eberharter angeführte Jahrhundert-Equipe im Weltcup wie eine Furie wütete und die Konkurrenten zu Statisten degradierte, waren Siege im Riesen­slalom und Slalom Zugaben, die zwar höchst willkommen waren, auf das Selbstverständnis der Skination Nummer 1 aber keinen entscheidenden Einfluss hatten.Österreichs aktuelle Mannschaft lässt sich mit dem damaligen Wunderteam nicht vergleichen.

Hermann Maier (Österreich) 1998

Hermann Maier (Österreich) 1998

Über Potenzial und Talent verfügt aber auch sie in hohem Mass. Sepp Brunner, der nach dem stillosen Rauswurf bei Swiss-Ski die dritte Saison als Disziplinenchef in Angriff genommen hat, weiss ein Trio in seinen Reihen, das in jeder Abfahrt und jedem Super-G zum Sieg fähig ist. Das gilt für Matthias Mayer ebenso wie für Vincent Kriechmayr und für Max Franz.

Der nächste Sieg eines Österreichers in Abfahrt und Super-G dürfte nicht allzu fern sein. Vielleicht ist es schon am Freitag oder Samstag in Beaver Creek, Colorado, so weit.

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