Ski alpin

Das Privatduell der beiden Motorrad-Fans

Henrik Kristoffersen (r.) führt im Slalom-Privatduell gegen Marcel Hirscher (l.).

Henrik Kristoffersen (r.) führt im Slalom-Privatduell gegen Marcel Hirscher (l.).

Der Norweger Henrik Kristoffersen und der Österreicher Marcel Hirscher dominieren den bisherigen Slalom-Weltcup nach Belieben. Die Parallelen der beiden Athleten sind verblüffend - nicht nur was den Skisport angeht.

Abwechselung macht das Leben schön. Das sagt sich auch Henrik Kristoffersen. «Wenn sich Marcel Hirscher und ich jetzt bis zum Ende der Saison mit dem Siegen abwechseln, wird es eine sehr gute Saison für mich», sagt der Slalomsieger von Adelboden.

Der Slalom ist in der bisherigen Saison eine Zwei-Mann-Show. Gestern und in den ersten beiden Rennen des Winters siegte Kristoffersen vor Hirscher. Zuletzt in Santa Caterina holte sich Hirscher den Sieg vor Kristoffersen. Für den grossen Rest ist es ein Rennen um Rang drei. Das gestern der Russe Alexander Choroschilow für sich entschied.

Vielleicht liegt die Ursache für das Privatduell zwischen Hirscher und Kristoffersen auch in einer Leidenschaft, die sie teilen. Sie sind beide begeisterte Motocrossfahrer. Kristoffersen wusste sogar lange nicht, ob er vielleicht Profi auf zwei Rädern statt Ski werden sollte. Das Motorradfahren im Gelände, so erklären beide, sei ein idealer Ausgleich zum Skisport und gleichzeitig ein Training für Gleichgewicht und Geschicklichkeit. Davon profitieren sie auch auf der Skipiste.

Kristoffersen erhielt seine ersten Ski mit fünf Jahren geschenkt, ein Jahr später sein erstes Motorrad. Auch Hirscher stand zuerst auf Ski, sein erstes Bike bekam er mit 11 Jahren. Zwei Räder oder zwei Ski, beides lässt die beiden nicht mehr los. Doch es gibt weitere Parallelen zwischen dem 21-jährigen Norweger und dem 26-jährigen Österreicher: Ihre Väter spielen wichtige Rollen in den Skikarrieren ihrer Söhne. Als Trainer, Betreuer, Ansprechpersonen und Helfer.

«Trainer kommen und gehen, mein Vater bleibt immer mein Vater», sagt Henrik Kristoffersen. Papa Hirscher steht noch heute bei jedem Rennen auf der Piste, beobachtet die Konkurrenten und deren Material genau. Papa Kristoffersen übernimmt an den Rennen mehr die Rolle des Betreuers. Auf der Piste sieht man ihn nur im Training.

Die Rekordjäger

Die Parallelen enden noch nicht. Beide investieren viel in den Erfolg. Am Anfang steht harte Arbeit. Hirscher sagt es so: «Auf gut Deutsch reisst sich Henrik den Arsch auf.» Das Training des Österreichers ist aber nicht weniger intensiv. Der Respekt der Konkurrenten vor den Leistungen des Anderen ist gross. Hirscher lobt den Norweger und Kristoffersen spielt den Ball zurück. «In Adelboden haben viele Grössen des Skisports gewonnen. Dass ich jetzt auch in der Liste stehe, ehrt mich sehr», sagte der 21-Jährige.

Zu den Grössen gehört natürlich Hirscher.Der vierfache Gesamtweltcupgewinner hat in Adelboden schon dreimal im Slalom gewonnen. Noch eindrücklicher ist, dass er gestern zum siebten Mal in Serie in Adelboden auf dem Slalompodest stand. Sieben Podestplätze am gleichen Ort und in der gleichen Disziplin in Serie gab es im Weltcup zuvor noch nie.

Ähnliche Serien kann Kristoffersen mit 21 Jahren natürlich noch nicht vorweisen. Trotzdem hat auch der schlaksige Mann aus Lørenskog in der Nähe von Oslo schon Rekorde vorzuweisen. Als er 2014 an den Olympischen Spielen in Sotschi Bronze gewann, war er erst 19 Jahre alt. Damit ist er der jüngste alpine Medaillengewinner bei Winterspielen. Zudem ist Kristoffersen mit acht Medaillen, davon sechs goldene, der erfolgreichste Athlet in der Geschichte von Juniorenweltmeisterschaften. Zum Vergleich: Hirscher hat «nur» sechs Medaillen, davon drei goldene, bei den Junioren gewonnen.

Bald auch im Riesenslalom?

Im Slalom-Weltcup hat Kristoffersen nach vier von elf Rennen 40 Punkte Vorsprung auf Hirscher. Wechseln sie sich nun also wie vom Norweger gewünscht mit dem Siegen ab, wird Kristoffersen am Ende der Saison die kleine Kristallkugel für den Sieg im Disziplinenweltcup entgegennehmen dürfen. Doch so einfach gibt sich Hirscher nicht geschlagen. «Ich konnte die Lücke zu Henrik in den letzten beiden Slaloms schliessen.» Zu Saisonbeginn verlor der Österreicher zweimal über eine Sekunde auf den Norweger. Gestern in Adelboden betrug sein Rückstand sechs Hundertstelsekunden.

Das verspricht für die nächsten Slaloms in Wengen, Kitzbühel und Schladming weitere Privatduelle auf höchstem Niveau. Hirscher sagt: «In der heutigen Zeit gelingt es nur noch wenigen Athleten, im Slalom um den Sieg zu kämpfen.» Und der Österreicher ergänzt «Noch schwieriger ist es, neben dem Slalom auch im Riesenslalom zu dominieren.»

Einer, dem dies wie Hirscher gelingt, ist Kristoffersen. Zuletzt belegte er in Alta Badia hinter dem Österreicher Rang zwei. Das Privatduell verlegt sich immer mehr in den Riesenslalom. Zumal der Norweger im März 2015 in dieser Disziplin schon gewonnen hat. Für die Konkurrenz sind das in den technischen Disziplinen keine guten Aussichten.

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