Fotografiertes Essen verdirbt den Appetit. Oder haben Sie schon einmal im Dönerladen um die Ecke die Bilder genauer angeschaut? Noch schlimmer ist es im Ausland. Wenn im Ferienparadies das Menü bildlich präsentiert wird, erinnert das an einen Ausflug in des Teufels Küche. Hunger? Jetzt nicht mehr!

Ähnlich verhält es sich mit dem Trend, Fotos des Leibgerichts auf den sozialen Medien zu teilen. Selbst Gaumenfreuden vom Gourmet-Koch erinnern in den Schnappschüssen der Hobby-Fotografen an Henkersmahlzeiten aus der Mikrowelle. Oder an ein Dreierlei von ... Aber lassen wir das. Hunger? Jetzt nicht mehr!

Doch es gibt sie, die schön fotografierten Speisen. Daraus ist sogar ein Beruf entstanden. Der des Foodstylisten. Diese hantieren mit allerlei Kniffs und Tricks. Sie brauchen Pinzette und Pinsel, oder Farbe und Lack. Sie arbeiten immer mit dem Ziel, den Schlemmereien gerecht zu werden. Damit sich diese von der Schokoladenseite zeigen können, wenn sie von den Profi-Fotografen geknipst werden.

Das ist nur richtig so. Wenn die Stylisten den Menschen für den Laufsteg verschönern, hat das Poulet im Chörbli ein Anrecht auf Gleichberechtigung. Der Blumenkohl hat genauso ein Schönheitsideal wie Kate Moss. Und auch das Rüebli will herausgeputzt vor die Linse. Sonst kann es ja gleich Suppengemüse werden. Schliesslich zieren Hamburger, Rindsfilet und Co. die Titelseiten von Genussmagazinen genau wie die Models jene der «Vogue». Und auch im Kochbuch will der Gratin einfach Gratin sein. Und nicht gelbe Masse mit brauner Verfärbung.

In Südkorea, wo noch bis Sonntag die Olympischen Spiele stattfinden, hat jedes Restaurant präparierte Speisen im Schaufenster. Es ist so etwas wie der Laufsteg für Lebensmittel. Manche Speisen werden von wahren Künstlern erstellt. Allein der Blick auf das Meisterwerk lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen, und der plastifizierte Fisch ist plötzlich eine Stilikone. Quasi ein Brad Pitt des Abendessens.

Um der Kunst der Lebensmittel-Präparation gerecht zu werden, sollte die Disziplin olympisch werden. Bewertet wird ähnlich wie im Eiskunstlauf. Es gibt Punkte für den Schwierigkeitsgrad – so wird ein Filet Mignon besser bewertet als Ravioli aus der Büchse. Dann gibt es aber auch eine Wertung für die Ausführung und den Ausdruck. So kann die ausdrucksstarke Zwiebel plötzlich den scheuen Kaviar übertreffen.

Für das Internationale Olympische Komitee ergäben sich zahlreiche Vorteile. Endlich würden die Spiele kleiner und günstiger. Es braucht nur eine Küche, etwas Puder – und schon geht es um Medaillen. Und plötzlich arbeitet im Dönerladen um die Ecke ein olympischer Champion.