NBA

Das letzte Hurra des Pioniers: Thabo Sefolosha

Die Basketballer Thabo Sefolosha (rechts) und Clint Capela sind in Houston vereint – hier unterhalten sie sich im Rahmen der EM-Qualifikation des Schweizer Nationalteams.

Der Schweizer Thabo Sefolosha wechselt im Spätherbst der Karriere zu den Houston Rockets. Er trifft auf den Genfer Clint Capela – und hat die Chance, mit den Weggefährten Harden und Westbrook Verpasstes nachzuholen.

Thabo Sefolosha gehört in der NBA zum Inventar. Seit 2006 verdient der Romand sein Geld in der vielleicht unterhaltsamsten Profisportliga der Welt, er warf seine Körbe für vier verschiedene Teams, aber lange war nicht gesichert, dass Sefolosha in der NBA eine Zukunft hat.

Erst vergangene Woche erhielt er einen Vertrag für die am 22. Oktober beginnende Saison. Die Houston Rockets verpflichteten ihn zum Minimalsalär, in seinem Alter immerhin noch 2,564 Millionen Dollar. Sefolosha musste sich lange gedulden, doch womöglich ist das einfach der Lauf der Dinge: Er ist im Mai 35 geworden. Das Durchschnittsalter in der Liga liegt bei knapp 26 Jahren.

Bei seinem letzten Arbeitgeber, den Utah Jazz, konnte der defensivstarke Routinier nur beschränkt Eigenwerbung betreiben: vor Jahresfrist verpasste er die ersten Saisonspiele, weil er wegen Marihuanakonsum gesperrt worden war. Danach setzten ihn die Jazz lange nur spärlich ein.

In der vergangenen Woche präsentierte Sefolosha sich in Las Vegas in einem Mini-Camp, einer Art Casting für die Rockets – und wusste zu überzeugen. Das Team des Schweizer Grossverdieners Clint Capela.

Verpasstes nachholen 

Houston hat sein Kader nach einem schmählichen Scheitern in den Playoffs radikal umgebaut, es schickte den ältlichen Chris Paul zu den Oklahoma City Thunder und erhielt im Gegenzug den ebenso enigmatischen wie begabten Russell Westbrook, der noch 2017 zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt worden war. Es war ein spektakulärer Transfer, einer, der Westbrook mit James Harden wiedervereinigte, des aktuell besten Skorers der Liga. Harden und Westbrook spielten einst schon in Oklahoma zusammen – und an ihrer Seite spielte auch Sefolosha.

Die Geschichte jenes Teams hat etwas Tragisches, weil die Organisation es trotz Perspektiven verpasste, einen Titel zu gewinnen. Die Thunder hatten mit Harden, Westbrook sowie Kevin Durant – noch ein Liga-MVP – das Talent für eine Dynastie. Nun ist der Organisation nichts geblieben, ausser einer Schiffsladung an Draft-Rechten.

Doch es ist möglich, dass Harden, Westbrook und Sefolosha in Houston nun Verpasstes nachholen können: Nach einem wilden Transfersommer scheint der Titelkampf offen, die einzige Gewissheit ist, dass die Toronto Raptors nach dem Abgang der Lichtgestalt Kawhi Leonard zu den Los Angeles Clippers als Titelhalter abgelöst werden.

Sefoloshas attraktive Reservistenrolle

Sefolosha wird bei den Rockets ein Reservist sein, aber das schmälert die Attraktivität der Aufgabe nicht. Der Wechsel nach Utah 2017 war auch finanziell motiviert gewesen, der Zweijahresvertrag brachte ihm 10,5 Millionen Dollar ein. In jenem Sommer hätte Sefolosha für den Minimallohn auch zum damaligen Serienmeister Golden State Warriors wechseln können.

Sefolosha wäre nun um den schmucken Titel NBA-Champion reicher – und ein paar Millionen auf dem Konto ärmer. Die Frage ist, wie viel einem eine Meisterschaft wert ist. Heute ist das Geld kein Treiber mehr, Sefolosha hat in 13 Jahren in der NBA 44 Millionen Dollar verdient; die Aussicht, mit Harden und Westbrook sowie dem Zögling Capela zu spielen, ist fraglos reizvoll, die Aussicht auf einen Titel ebenfalls, zumal als mutmasslicher Schlusspunkt einer schillernden Karriere.

Am 30. September bestreitet das Team das erste Vorbereitungsspiel, kurz darauf reisen die Rockets für Exhibitionspartien nach Japan. Für die zwei Schweizer an Bord ist es das erste Abenteuer in einer Saison, die sich als aufregend ankündigt.

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