Eishockey
Das letzte Ausrufezeichen der Emmentaler «Giele»

Reto und Jan von Arx verliessen die grosse Bühne genau so, wie sie es sich in den Kopf gesetzt haben: leise, unspektakulär, ja fast unbemerkt. Eine Vorgehensweise, die perfekt zum Credo des Emmentaler Brüderpaars passt.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
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Jan (links) und Reto Von Arx beenden ihre Karrieren.

Jan (links) und Reto Von Arx beenden ihre Karrieren.

Keystone

Typisch: Da verkünden zwei Spieler, die das Schweizer Eishockey während fast zwei Jahrzehnten nachhaltig geprägt haben, ihren Rücktritt und laden dazu genau zwei handverlesene Journalisten in ein anonymes Restaurant in Landquart ein. Reto und Jan von Arx verliessen die grosse Bühne genau so, wie sie es sich in den Kopf gesetzt haben: leise, unspektakulär, ja fast unbemerkt. Eine Vorgehensweise, die perfekt zum Credo des Emmentaler Brüderpaars passt. Sie liessen stets Taten sprechen. Die grossen Worte, das Scheinwerferlicht abseits des Eisrinks, war nie ihre Welt – bis ganz zum Schluss ihrer Karriere.

Nun ist der letzte Vorhang also gefallen. Was bleibt, sind die Erinnerungen an einen Spieler, der mit seiner Persönlichkeit, seinem Charisma, seiner Klasse und seinem Leadership den HC Davos zu sechs Meistertiteln und zwei Spengler-Cup-Siegen geführt hat: Reto von Arx. Der ältere der beiden Brüder hat sich nie um seinen Ruf und die öffentliche Wahrnehmung seiner Person geschert. Als er 2002 nach den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City zusammen mit Marcel Jenni als Sündenbock für den so genannten Bier-Skandal an den Pranger gestellt wurde, zog er die Konsequenzen und gab seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt. Die belastete Beziehung mit der Schweizer Auswahl gehört leider auch zur Vita von «RvA». Aber das hat ihn nie wirklich gestört. Auch nicht, dass er nach dem Olympia-Skandal in jedem Stadion ausserhalb von Davos ausgepfiffen und beschimpft wurde. Er konterte die Kritik auf seine Art und Weise: indem er dann, wenn es zählte, bereiter war als alle anderen und seine besten Leistungen ablieferte.

Jan war ein Spieler wie man ihn sich wünscht

Stets im Schatten des grossen und berühmten Bruders hat auch Jan von Arx eine aussergewöhnliche und erfolgreiche Karriere hinter sich. Er war als Spieler– noch mehr als Reto, der Kraft seiner Vergangenheit öfters im Fokus der Medien stand, – kein Lautsprecher. Aber er war ein Verteidiger, wie ihn sich jeder Trainer in seiner Mannschaft wünscht. Solid, unspektakulär, besonnen, meistens fehlerfrei. «JvA» wirkte in seinem Tun oft so unscheinbar, dass seine Verdienste im Vergleich zu «RvA» in Vergessenheit zu geraten drohten.

Dass es im Abschiedsprozess «menschelt», ist logisch.

Dass die Trennung zwischen dem Brüderpaar und dem HC Davos alles andere als schiedlich, friedlich und überhaupt nicht nach Drehbuch verlief, ist bedauerlich, in letzter Konsequenz aber auch irgendwie logisch. Kann es für zwei Spieler, die mit einem einzigen Verein so viel erreicht haben, wirklich einen sauberen und würdigen Abschied geben? Zumal sie mit ihrem Förderer und ewigen Trainer, Arno Del Curto, eine tiefe Freundschaft verband? So fruchtbar die Beziehung fast zwei Jahrzehnte lang war, so schwierig war es für beide Seiten, den richtigen Zeitpunkt zu finden, das innige Verhältnis zu beenden. Dass es in diesem Abschiedsprozess letztlich «gemenschelt» hat, ist logisch.

Zu begrüssen ist jedenfalls, dass sich die Brüder nach langem Hin und Her nun doch für das Karrierenende entschieden haben. Selbst wenn man in Langnau bereit gewesen wäre, den verlorenen Söhnen die Gelegenheit für eine NLA-Ehrenrunde zu bieten, so hätte es sich irgendwie falsch angefühlt, die beiden im Tigers-Dress auflaufen zu sehen. Zu diesem Schluss kamen schliesslich auch die von Arx’: «Mit einer anderen Mannschaft nach Davos zu fahren und vor den Fans zu spielen, hätte ich mir nicht wirklich vorstellen können», sagte Reto in seinem, – wie er betont – «letzten Interview», gegenüber der «Südostschweiz».

Klar ist: Reto und Jan von Arx hinterlassen nicht nur beim HC Davos, sondern im ganzen Schweizer Eishockey tiefe Spuren und Lücken, die nur schwierig zu füllen sind. Eigenwillige, profilierte Typen wie die beiden Emmentaler «Giele» werden immer seltener. Mit ihrem Abschied in aller Stille haben sie diesbezüglich noch einmal ein Ausrufezeichen gesetzt.