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«Das können wir doch nicht zulassen»: Warum ein «Flachländer"  300'000 Franken spendet, um den Lauberhorn-Streit zu beenden

Jörg Moser posiert vor seinem schweizweit bekannten Volksmusikzentrum «Lueg».

Jörg Moser posiert vor seinem schweizweit bekannten Volksmusikzentrum «Lueg».

Er ist ein Friedensstifter, einer, dem das Lauberhorn am Herzen liegt. Und er ist einer, der sich engagiert: Jörg Moser aus dem Emmental.

Wie kommt es, dass ausgerechnet einer aus dem Flachland 300'000 Franken hinauf in die Berge schickt, um den Frieden am Lauberhorn zu retten?

Wer den Spender verstehen will, muss in des Spenders Land gehen. Goethes Spruch – eigentlich auf Dichter gemünzt – können wir auf den Ski-Friedenstifter Jörg Moser anwenden. Der 66-jährige Architekt und Generalunternehmer mit heimatlichen Wurzeln in Burgdorf und wohnhaft im Stadtberner Vorort Ittigen ist Besitzer des Restaurants auf der Lueg.

Hier ist tiefes Gotthelf-Land. Hier geht das raue Emmental über in eine sanftere Hügellandschaft. Weit geht der Blick hinüber zu den ewigen, majestätischen Schneebergen der Berner Alpen und über die Ebenen des Mittellandes zu den «blauen Bergen» des Juras. Wer hier steht, dem geht das Herz auf und dem erwacht die Heimat­liebe.

Jörg Moser ist durch Zufall hierhergekommen. Er sei einmal bei einem Kollegen eingekehrt und der habe ihn gebeten, ein Kaufangebot für die «Lueg» zu deponieren. Die Beiz sei wieder einmal Konkurs gegangen. Nun seien die Gläubigerbanken bereit, bei mindestens drei Angeboten zu verkaufen. Ein Angebot fehle noch. Da Jörg Moser keine Beiz wollte, gab er ein tieferes Angebot ab als sein Kollege. Ein paar Wochen später bekam er den Zuschlag – weil sein Kumpel als nicht kreditwürdig eingestuft wurde. «So bin ich zur ‹Lueg› gekommen, die ich eigentlich nicht wollte.» Und so ist er in eine Geschichte geraten, die ihn nun nicht mehr loslässt.

Vor dem Wirtshaus oben am Übergang von Burgdorf hinüber nach Huttwil, 1881 erbaut, hielten einst die Postkutschen. Wie oft der Konkurs über das gastliche Haus kam, ist nicht mehr herauszufinden. Sicher ist nur, dass es zweimal in Flammen aufging. Die ruhige Berner Art von Jörg Moser kann leicht dazu führen, dass er unterschätzt wird. Er ist ein Macher. Er hat die «Lueg» zu einem Tagungshotel, zu einem «Hotspot» des Brauchtums und der Volksmusik ausgebaut und das Schulhaus Neuegg dazu gekauft.

Er habe seit 2006 hier oben zehn bis zwölf Millionen investiert. Am 1. August werden auf der «Lueg» das Zentrum für Schweizer Volksmusik und Volkskultur und ein Museum für Schweizer Volksmusik eröffnet. Die Förderung der Volksmusik und Volkskultur ist mit einer Stiftung abgesichert.

Wer einmal die «Lueg» erwirbt, ist dazu verpflichtet, Jörg Mosers kulturelles Erbe weiterzuführen. So ist es im Grundbuch festgeschrieben. Sobald es die Coronakrise zulässt, ermöglicht die Stiftung Kindern an zwei Tagen in der Woche kostenlosen Musikunterricht für Instrumente der Volksmusik und das Erlernen des Jodelns. Für diese Aktion hat Jörg Moser auch David von Ballmoos gewonnen. Der YB-Torhüter ist auf einem Bauernhof ganz in der Nähe der «Lueg» aufgewachsen.

Mit der Spende verbindet Moser keine Forderungen

Und so schliesst sich der Kreis: Über die «Lueg» ist Jörg Moser zum Förderer der heimischen Kultur geworden und zu dieser Kultur gehört eben auch der Skisport und ganz besonders das Lauberhornrennen. Er sagt: «Wir können doch nicht zulassen, dass dieser Anlass untergeht.»

Er hat schnell erkannt, wie der von Ski-Verbandspräsident Urs Lehmann schlau inszenierte Krach ums Geld gelöst werden kann. Lauberhorn-General Urs Näpflin will vom Verband eine Million von den TV-Geldern, aber Lehmann mag nur 700'000 Franken herausrücken. «Während einer Autofahrt Richtung Luzern habe ich am Samstagvormittag spontan entschieden, diese fehlenden 300'000 Franken zu spenden. Damit es am Lauberhorn weitergeht.»

Er verbinde mit dem Geld keinerlei Forderungen. «Es geht mir darum, dass der Konflikt gelöst wird und nun konstruktiv an einer neuen Struktur gearbeitet werden kann.» Mit bewegter Stimme habe ihm Urs Lehmann gedankt. Hoffentlich auch. Der Check mit den 300'000 Franken wird am 1. August auf der «Lueg» an Urs Lehmann zuhanden des Lauberhorns übergeben. An diesem Tag werden auch das Zentrum und das Museum für Volksmusik und Volkskultur eröffnet. Ein bisschen Werbung in eigener Sache darf schon sein.

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