Ski Alpin
Das Knie von Ski-Star Beat Feuz ist immer noch ein Problemfall

Das Gelenk des 27-Jährigen, gezeichnet durch viele Verletzungen und Operationen, stellt noch immer ein Problem dar. Alleine die Tatsache, dass der Umfang des linken Oberschenkels gut drei Zentimeter geringer ist als derjenige des rechten, belegt das.

Martin Probst
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"Das Knie wird sich wohl nie mehr verbessern", meint Beat Feuz.

"Das Knie wird sich wohl nie mehr verbessern", meint Beat Feuz.

Keystone

Für Beat Feuz ist er längst mehr als ein Trainer: Sepp Brunner, 55-jährig. Der Österreicher ist seit acht Jahren für die Männer von Swiss-Ski tätig, hat zuvor Sonja Nef betreut – und im letzten Winter Beat Feuz.
«Es gibt wohl niemanden, der mein Knie besser kennt als er», sagt Feuz. Das Gelenk des 27-Jährigen, geschunden und gezeichnet durch viele Verletzungen und Operationen, lässt zwar in der Vorbereitung auf die neue Saison mehr zu als im letzten Jahr, doch ein Problemfall ist das linke Knie noch immer.

Von 50 auf 80 Prozent
«Wenn ich im letzten Winter 50 Prozent dessen machen konnte, was die Kollegen taten, so stehe ich heute vielleicht bei 80 Prozent», sagt Feuz. Alleine die Tatsache, dass der Umfang seines linken Oberschenkels gut drei Zentimeter geringer ist als derjenige des rechten, belegt dies auf eindrückliche Weise. «Und», so Feuz, «das wird sich wohl auch nie mehr verbessern.»
Umso wichtiger ist es für den Berner, jemanden an seiner Seite zu wissen, der ihn kennt und versteht. Einen wie Sepp Brunner. «Wenn ich plötzlich spüre, dass ich weniger oder gar nicht trainieren kann, muss ich das Sepp nicht noch lange erklären. Er versteht es von selbst. Ich könnte mir schwer vorstellen, diese Basis und dieses Vertrauen mit einem neuen Trainer erneut aufzubauen», sagt Feuz. Brunner und Feuz – das harmoniert zurzeit einfach.

Die Karriere von Beat Feuz
7 Bilder
Beat Feuz im Sommertraining. Die grosse Frage damals: Hält das lädierte Knie. Die Antwort lieferte der Berner Oberländer letztes Wochenende auf der Skipiste: Es hält.
Beat Feuz und Trainer Sepp Brunner auf dem Lift auf dem Tuxergletscher in Hintertux im Zillertal.
Als Sieger im Ziel: Beat Feuz 2012 am Lauberhorn.
Beat Feuz beim Weltcup-Finale in Schladming
Beat Feuz wird nach seinem Erfolg in der Lauberhorn-Abfahrt von den Fans gefeiert
Beat Feuz: Erster Weltcupsieg!

Die Karriere von Beat Feuz

Im ersten Moment ein Schock
Umso grösser war für Feuz im ersten Moment der Schock, als Swiss-Ski den Österreicher zum neuen Gruppentrainer der Speed-Fahrer ernannte. Denn dies bedeutete zugleich, dass die Intensiv-Betreuung des letzten Winters nicht mehr möglich ist.
Doch rückblickend ist alles halb so schlimm. Sepp Brunner ist auch heute noch der wichtigste Ansprechpartner von Feuz, zwar zuständig für eine ganze Trainingsgruppe, aber immer noch vertraut mit der Situation des Lauberhornsiegers von 2012. Dieser Umstand ist für Feuz fast genau so wichtig wie der Fortschritt im Knie.

Veränderte Gefühlslage
Doch Brunner übernimmt im Team eine vielleicht noch wichtigere Rolle, als diese Episode bereits vermuten lässt. Denn der Österreicher hat nicht nur die Gefühlslage von Feuz verändert, sondern auch diejenige im ganzen Team. Warum ist das so?
Unter Brunners Vorgänger Walter Hubmann kam es zu Spannungen im Team der Speedfahrer. Öffentlich wollte sich damals zwar nie jemand äussern, doch nur schon ein kurzes Gespräch mit Athleten zeigt, wie glücklich sie mit der neuen Situation sind.
Egal wo man dieser Tage hinhört, die neue Harmonie ist regelrecht zu spüren. Ob dies alleine schon reicht, um die Resultate des Vorwinters zu toppen, wird sich erst weisen müssen, aber zumindest der Optimismus ist zurückgekehrt. Nur einer hebt bereits den Mahnfinger: Thomas Stauffer. Seit Frühling neuer Cheftrainer der Männer und Nachfolger von Walter Hlebayna. Er sagt: «Zu viel Harmonie kann dem sportlichen Ehrgeiz schaden.»

Zurück zur Stabilität
Trotzdem: Mit der neuen Situation ist auch Stauffer zufrieden. Denn im Moment scheint es so, als ob das Team der Männer nach unruhigen Jahren zu Stabilität gefunden hat.
Dass dies durchaus ein Rezept für Erfolg sein kann, beweisen die Schweizer Frauen, seit Cheftrainer Hans Flatscher das Amt nach turbulenten Zeiten übernommen hat.