Mit 17 Grand-Slam-Titeln ist Rafael Nadal einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte. Als solcher hat sein Wort Gewicht, zumal der Spanier während Jahren im Spielerrat sass, den er für eine Weile auch präsidierte. Doch zum Fall Justin Gimelstob, der wegen Körperverletzung verurteilt worden war und erst dann als Spielervertreter aus dem ATP-Vorstand zurücktrat, äussert er sich sehr zurückhaltend. In der Vorwoche in Barcelona hüllte er sich in Schweigen.

Er begründete das mit der Haltung, die Stan Wawrinka jüngst in einem offenen Brief in der britischen Zeitung «Times» kritisiert hatte: Darüber zu sprechen sei schlecht für den Sport. «Es ist nicht positiv für das Tennis und deshalb wollte ich meine Meinung dazu nicht abgeben. Es ist nicht mein Job, darüber zu reden und es ist auch nicht etwas, das ich will.» Er sehe es nicht als seine Aufgabe, Druck auszuüben. Die Probleme müsste intern gelöst werden.

Nadal begrüsst Vorschlag von Federer

Für seine Kollegen sei der Fall damit abgeschlossen, monierte Wawrinka in seinem Schreiben. Und Nadals Reaktion war Wasser auf seine Mühlen. «Aus meiner Sicht ist alles ideal gelaufen. Es kam, wie es kommen sollte.» Nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Er meinte damit den Rücktritt von Gimelstob, den er für dessen Verdiente lobte. Es sei gut, dass nicht die Kollegen im Spielerrat über das Schicksal des Amerikaners hätten entscheiden müssen. 

Gedanken über die Besetzung des vakanten Postens des Spielervertreters aus der Region Nord- und Südamerika hat sich Nadal indes gemacht. «Wir haben viele Spanisch sprechende Spieler auf der Tour. Es wäre gut, wenn wir diesbezüglich eine gewisse Diversität schaffen könnten.» Nadal begrüsst auch das Gedankenspiel von Roger Federer, wonach Chris Kermode, dessen Vertrag als ATP-Präsident Ende Jahr ausläuft, an der Spitze verbleiben könnte. 

Kein Kopfzerbrechen wegen fehlendem Titel

Bezüglich seiner Gesundheit konnte Nadal leichte Entwarnung geben. Am Sonntag war er mit einem Magenvirus aufgewacht. «Das war eine sehr komplizierte Woche. Ich werde nicht lügen: Ich fühle mich immer noch etwas unwohl.» Er fühle sich aber jeden Tag ein Stück besser, gab aber zu bedenken, dass sein Körper geschwächt sei und er damit anfälliger für Verletzungen werde. Er werde für sein Spiel vom Mittwoch gegen Félix Auger-Aliassime (18) bereit sein. 

Er wisse, was er in den letzten 18 Monaten durchgemacht habe. «Darüber werde ich nicht mehr reden.» Dass er erstmals seit 14 Jahren zu diesem Zeitpunkt der Saison noch kein Turnier gewonnen hat, bereitet dem 32-Jährigen indes kein Kopfzerbrechen, wie Nadal sagt. «Ich verspüre deswegen nicht mehr Druck.» Für ihn sei nur wichtig, dass er bei den French Open (ab 26. Mai) gesund und gut in Form sei. In Paris hat Nadal elf Mal gewonnen.