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Das Herz der Tour de Suisse schlägt jetzt am TV

Die 80. Tour de Suisse ist eine Angelegenheit für Kletterer. Das Fehlen der Topstars ist die Chance für den Schweizer Mitfavoriten Mathias Frank.

Simon Steiner
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Der Mann für die Berge: Mathias Frank hofft auf den Gesamtsieg

Der Mann für die Berge: Mathias Frank hofft auf den Gesamtsieg

Keystone

Ist die Tour de Suisse ein Fall fürs Museum? An Geschichten aus der wechselvollen Vergangenheit des Radrennens würde es nicht mangeln – und zum schweizerischen Kulturgut gehört die Rundfahrt ohnehin längst. Das Landesmuseum in Zürich bot deshalb durchaus einen passenden Rahmen, um zehn Tage vor dem Start zur 80. Austragung das Teilnehmerfeld zu präsentieren.

Dabei haben die Veranstalter vielmehr die Zukunft als die Geschichte der Tour de Suisse im Fokus. Ein Jahr nach der Einführung des neuen Konzepts, wonach die Etappen an Start- und Abschlusswochenende jeweils konzentriert an einem Ort durchgeführt werden, folgt bereits die nächste Neuerung.

Der Etappenplan

11. Juni bis 19. Juni.

1. Etappe: Prolog in Baar ZG (6,4 km).

2. Etappe: Baar–Baar (187,6 km).

3. Etappe: Grosswangen LU–Rheinfelden AG (192,6 km).

4. Etappe: Rheinfelden– Champagne VD (193 km).

5. Etappe: Brig-Glis VS–Carì TI (Bergankunft/126,4 km).

6. Etappe: Weesen SG–Amden SG (Bergankunft/162,8 km).

7. Etappe: Arbon TG–Rettenbachgletscher/Sölden (AUT/Bergankunft/224,3 km).

8. Etappe: Einzelzeitfahren in Davos (16,8 km)

9. Etappe: Davos–Davos (117,7 km).

Um das TV-Publikum näher am Renngeschehen teilhaben zu lassen, werden deshalb während der Live-Übertragungen erstmals Fahrerdaten wie Herz- oder Tretfrequenzen oder Wattzahlen eingeblendet werden. «So können die Zuschauer hautnah erleben, welche Leistungen die Profis erbringen», ist Tour-Generaldirektor Olivier Senn überzeugt.

Möglich wird dies durch die Kooperation mit Velon. In dieser Organisation haben sich elf Profiteams mit dem Ziel zusammengeschlossen, den Radsport besser zu vermarkten. Weil Tour-de-Suisse-Veranstalter Infront-Ringier dieselbe Absicht verfolgt, hat sich eine Zusammenarbeit ergeben, die auf mehrere Jahre angelegt ist. «Wir stehen erst am Anfang», sagt Velon-Chef Graham Bartlett. «Es gibt noch grosses Verbesserungspotenzial, was die Präsentation von Radrennen betrifft.»

Das Feld beim Start zur letztjährigen Tour-de-Suisse-Etappe in Quinto

Das Feld beim Start zur letztjährigen Tour-de-Suisse-Etappe in Quinto

KEYSTONE/PABLO GIANINAZZI

Tourdirektor Senn erhofft sich von der Zusammenarbeit mit Velon unter anderem, mehr Topfahrer an die Schweizer Rundfahrt zu locken. Das ist in diesem Jahr aber nur beschränkt gelungen. Die grossen Anwärter auf den Sieg bei der Tour de France fehlen auf der Teilnehmerliste. Einzig Chris Froome ist von seinem Team Sky als Ersatzfahrer nominiert und könnte noch kurzfristig nachgemeldet werden.

Die Alpe d’Huez im Tessin

Dabei ist der Parcours ganz auf die starken Kletterer ausgerichtet. Gleich drei Etappen in Folge gehen mit einer Bergankunft zu Ende, bevor in Davos das Schlussbouquet mit einem Zeitfahren und einer weiteren Bergetappe folgt. Der Kampf um das Gesamtklassement dürfte in der 5. Etappe richtig lanciert werden: Der Schlussaufstieg zum Tessiner Skiort Carì weist praktisch dasselbe Profil auf wie der Tour-de-France-Klassiker Alpe d’Huez, die Steigungen zu den Ziellinien in Amden und Sölden sind kaum leichter.

Dies schränkt den Kreis der Anwärter auf den Gesamtsieg stark ein, wovon mit Mathias Frank womöglich ein Schweizer Fahrer profitieren könnte. Nach seiner Absenz vor einem Jahr hat der Tour-de-Suisse-Zweite von 2014 diesmal wieder die Gesamtwertung im Visier. Als stärkste Konkurrenten kündigen sich mit dem Slowenen Simon Spilak und dem Portugiesen Rui Costa die letzten Sieger an, aber auch die Amerikaner Tejay van Garderen und Andrew Talansky, der Franzose Warren Barguil oder der Brite Geraint Thomas.

Schweizer boomen

Mit 17 Schweizer Profis sind so viele einheimische Fahrer gemeldet wie lange nicht mehr. Das liegt vor allem daran, dass mit IAM Cycling und dem Zweitdivisionär Team Roth gleich zwei Equipen mit Schweizer Lizenz mit von der Partie sind. Vor seiner 14. und letzten Teilnahme steht Fabian Cancellara.

Der Berner könnte mit seinem 11. Etappensieg bei der Tour de Suisse zu den drei Rekordhaltern aufschliessen – und sich damit einen weiteren Eintrag in den Annalen der Rundfahrt sichern. Bevor auch der Radprofi Cancellara zu einem Fall fürs Museum wird

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