National League

Das ganze Elend des Verlierens: Langnau unterliegt Servette mit 1:3

Bittere Niederlage für Langnau und dessen Goalie Ivars Punnenovs

Bittere Niederlage für Langnau und dessen Goalie Ivars Punnenovs

Heute hätten für die Langnauer Punkte her müssen. Doch nach der 1:3-Niederlage gegen Servette haben die SCL Tigers nur noch theoretische Chancen, um sich für die Playoffs zu qualifizieren.

Aus. Vorbei. In einer einzigen Szene, die vielleicht zehn Sekunden gedauert hat, sind die Anstrengungen aus etwas mehr als sechs Monaten Kraft- und Eistraining, Theorie und 48 Spielen zunichtegemacht worden. Langnaus schwedischer Stürmer Andreas Thuresson begeht eine Todsünde. Er spielt die Scheibe in der eigenen Zone zurück gegen die Mitte. Torhüter Ivars Punnenovs muss ein wenig aus dem Tor heraus um sie zu erreichen und lässt sie vom Stock abprallen. Genfs Stephané Da Costa wieselt ums Tor herum und trifft nach 47 Minuten und 26 Sekunden zum 2:1 für Servette. Von diesem Schock erholt sich Langnau nicht mehr und verliert am Ende 1:3.

Die Ausgangslage ist nun einfach, wahr und klar: die Langnauer kommen nur noch in die Playoffs, wenn sie aus den letzten beiden Partien gegen Kloten sechs Punkte holen und Servette aus den zwei ausstehenden Spielen gegen den SC Bern keinen Punkt mehr macht.

Ratlosigkeit herrscht

Die Chance ist nur noch theoretisch. Das Gefühl des Augenblicks: Aus und vorbei. Die Langnauer stapfen vom Eis und auf dem Weg in die Kabine bieten sie ein Bild des sportlichen Jammers. Das ganze Elend des Verlierens. Keiner flucht. Keiner zertrümmert den Stock. Keine Emotionen. Flasche leer. Captain Pascal Berger personifiziert diesen Verlierer-Blues. Die ersten Worte, die er vor den Chronisten findet, würden sich eigentlich zu einem Verlierer-Rap eignen.

Er versucht sein sportliches Elend in Worte zu fassen. Aber so wie er auf dem Eis den Weg zum gegnerischen Tor nicht gefunden hat, so ringt er nun um Worte und bringt keinen Satz zustande. «Ja…nein…ich weiss es nicht…was soll ich sagen…wir hätten…aber eben…schade…». Der Vorkämpfer der Langnauer ist so ratlos wie seine Kameraden.

Wenn das wichtigste Spiel in einer einzigen Szene verloren geht, dann braucht es zur Erklärung einen Sündenbock. Der Auslöser des Untergangs ist, wie eingangs geschildert, Andreas Thuresson. Aber als tragischer Held geht Ivars Punnenovs in die Geschichte ein. Der letzte Mann ist immer schuld. Weil er alles noch hätte retten können. Und wenn es je einen tragischen Helden in dieser Saison gegeben hat, einen echten tragischen Helden im Sinne der Philosophie, dann er. Aristoteles sagt, der tragische Held trage zwar die Verantwortung für sein Tun, jedoch geschehe es nicht aus einer negativen Motivation heraus.

Sysiphusarbeit des 21. Jahrunderts

Ja, so ist es. Der lettische Nationaltorhüter mit Schweizer Lizenz bringt eine Scheibe nicht unter Kontrolle und ist dafür verantwortlich. Er sagt, er sei von dieser Situation überrascht worden und der Puck sei irgendwie versprungen und er habe ihn nicht mehr unter Kontrolle gebracht. Das kann in einem unberechenbaren Spiel auf einer rutschigen Unterlage passieren. Und niemand wird Ivars Punnenovs einen Vorwurf machen. Er hat die Langnauer im Spiel gehalten. Mit mindestens zehn grossen Paraden. Mit einem gewöhnlichen Goalie wären die SCL Tigers zu diesem Zeitpunkt bereits mit drei oder vier Toren hoffnungslos im Rückstand gewesen.

Trainer Heinz Ehlers sieht sich um die Früchte seiner grossen Arbeit gebracht. Er ist der Sisyphus des Eishockeys. Diese Figur aus der griechischen Götterwelt war dazu verdammt, einen Stein den Berg hinaufzurollen und immer, wenn er fast oben war, donnerte der Stein wieder ins Tal. Heute ist Sisyphusarbeit eine Arbeit, die trotz andauernder Anstrengung einfach nie fertiggestellt werden kann. In der Antike war es der Versuch, einen Stein auf den Berg hinaufzurollen. Im 21. Jahrhundert ist es der Versuch, die Langnauer in die Playoffs zu coachen. Es wäre jetzt Zeit gewesen, um zornig zu sein. Aber Heinz Ehlers war so enttäuscht, dass er nicht einmal mehr Lust und Energie hatte, böse zu sein. Wahrlich, ein Zeichen, dass es «bös» um Langnau steht.

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