FC Basel
Das FCZ-Spiel wird jetzt zum Charaktertest

FCB-Trainer Urs Fischer versteht die teils harsche Kritik gegen seine Person und seine Mannschaft nicht. Der Ex-Thun-Trainer erklärte den Klassiker gegen den FCZ kurzerhand zum Charaktertest.

Markus Brütsch
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Die Europa League hat Urs Fischer als Trainer schon kennen gelernt, umso mehr hätte er sich nun darüber gefreut, mit dem FCB in der Champions League mitzumischen. Doch es hat nicht sollen sein.

Die Europa League hat Urs Fischer als Trainer schon kennen gelernt, umso mehr hätte er sich nun darüber gefreut, mit dem FCB in der Champions League mitzumischen. Doch es hat nicht sollen sein.

Keystone

Selbst der sonst so unbekümmerte Breel Embolo ist bekümmert. «Ich habe ganz schlecht geschlafen. Aber das ist vermutlich allen anderen auch so ergangen», sagt der junge Stürmer des FC Basel und spielt lustlos mit dem Handy.

Das Warten am Flughafen in Tel Aviv auf die Heimreise ist nach der grenzenlosen Enttäuschung vom Vorabend doppelt mühsam. «Wir haben alles versucht. Aber man kann nun mal nicht immer gewinnen», sagt Embolo mit traurigen Augen.

Michael Lang blickt nach vorne

«Der Schock sitzt tief», sagt Michael Lang. «Es ist schwer, diesen Tiefschlag zu verarbeiten. In beiden Spielen haben wir in den dümmsten Momenten Gegentore bekommen.» Der von GC gekommene Rechtsverteidiger, der sich so sehr auf die erstmalige Teilnahme an der Champions League gefreut hatte, sagt dann aber trotzig: «Wir müssen sofort aufstehen und am Sonntag bereit sein, wenn der FC Zürich kommt.»

Lang weiss: In der nächsten Saison reicht der Schweizer-Meister-Titel, um direkt in die Champions League einzuziehen. So gesehen beginnen für den FCB schon in drei Tagen die Qualifikationsspiele für die Königsklasse 2016/17. «Ein langer und harter Weg», sagt Lang. «Aber so brutal kann der Fussball eben sein.»

FCB-Spieler freuen sich noch nicht auf die Europa League

Dieser Satz ist immer wieder zu hören nach diesem 1:1 bei Maccabi. Einem Ergebnis, das nach dem 2:2 im Hinspiel aufgrund der Auswärtstorregel nur in die Europa League führt. Dass man nun halt in jenem Wettbewerb möglichst weit kommen wolle, zumal der Final am 18. Mai in Basel stattfinde, ist schon auch zu hören – und doch: Die Europa League kann in diesen Stunden den meisten Basler Spielern gestohlen bleiben.

«Es ist brutal. Wenn man die zwei Spiele anschaut, waren wir die stärkere Mannschaft», hadert Flügel Davide Callà. «Dass wir über 180 Minuten gesehen das bessere Team waren, davon können wir uns nichts kaufen», sagt Sportdirektor Georg Heitz. Ansichten, die Trainer Urs Fischer uneingeschränkt teilt. Mit Recht. Ein Blick auf die Statistikblätter der Uefa zeigt die ganze «Ungerechtigkeit», die dem FCB widerfahren ist.

Über beide Spiele betrachtet, hat der FCB 62,5 Prozent Ballbesitz gehabt; er hat 29-mal den Abschluss gesucht, Maccabi nur 9-mal; er hat 10-mal das Tor getroffen, die Israelis nur 3-mal; er hat 20 Corners getreten, Tel Aviv lediglich 3; er hat 1239 Pässe gespielt, der Gegner nur 537; seine Passgenauigkeit ist um zehn Prozent besser gewesen und die Laufbereitschaft grösser: 214,5 km zu 210,6 km.

Maccabi-Coach gesteht Glück ein

Eigentlich unfassbar, dass angesichts solcher Werte nach 180 Minuten 3:3 Tore zu Buche stehen. «Wir hatten das nötige Glück», räumt Maccabis Trainer Slavisa Jokanovic ein. Und hat dabei wohl auch die Schiedsrichterleistung des Hinspiels im Kopf, hat diese doch ihren Teil zum schmeichelhaften 2:2 im St. Jakob-Park beigetragen.

Es kann für den FC Basel nur ein Ziel geben

Es war in der Saison 2011/12, als es für den FCB nur ein Ziel gab: das «Finale dahoam». Eine ganze Stadt sprach ein Jahr lang nur von diesem einen Spiel, der FCB ordnete ihm alles unter. Der Druck war riesig, doch das «Finale dahoam» wurde Tatsache. Zwar ging der FCB gegen Chelsea als Verlierer vom Platz. Aber unvergesslich wars für die Münchner Bayern trotzdem, den Champions- League-Final im eigenen Stadion zu spielen.

Vier Jahre später muss man sich beim Schweizer FCB fragen: Wollen, dürfen wir das auch? Den Final in unserem Stadion als Ziel ausgeben? Wir finden: Ja, der FCB darf. Er muss. Wie sagte einst Alex Frei: «Den Mutigen gehört die Welt!» Also liebe Basler, zeigt Mut! Mehr als in der zweiten Halbzeit in Tel Aviv! Nach dem Ausscheiden in den Champions-League-Playoffs sagten Embolo und Co. von sich aus, sie müssten sich jetzt neue internationale Ziele stecken. Voilà!

Wo sonst liegt der Reiz der Europa League? Klar, die Viertel- oder Halbfinals wie 2014 bzw. 2013 wären schön und ein grosser Erfolg. Doch wer schon so weit gekommen ist, will auch in den Final. Der findet am 18. Mai 2016 im Basler St. Jakob-Park statt. Der Weg dahin ist lang und steinig. Sechs Gruppenspiele, vier K.-o-Runden à zwei Spiele. Morgen werden in Monaco die zwölf Gruppen ausgelost.

Als einer der Gruppenköpfe geht der FCB den Brocken wie Schalke 04, Tottenham oder Napoli aus dem Weg. Dafür winkt ein schnelles Wiedersehen mit Trainernomade Paulo Sousa, der mit der Fiorentina in Topf 2 lauert. Auch Celtic Glasgow, Besiktas Istanbul, Augsburg oder Lazio Rom wären Zuschauermagneten und sportlich in Reichweite. Endgültig fest stehen die möglichen FCB-Gegner heute Mitternacht, wenn alle Playoff-Rückspiele abgepfiffen sind. Spiel 1 auf der «Road to Basel» ist am 17. September. (

Am Ende des Tages bleibt dann aber vor allem auch die Erkenntnis, dass es Eran Zahavi in der Form seines Lebens gewesen ist, der den Baslern übel mitgespielt hat. «Fünf Abschlüsse, fünf Tore», hat die «Jerusalem Post» das Rückspiel der 3. Runde gegen Viktoria Pilsen und die beiden Playoff-Partien gegen den FCB aus der Sicht des Captains zusammengefasst. «Maccabi-Verantwortliche haben mir erzählt, Zahavi habe sein Kopftor in Basel mit geschlossenen Augen erzielt», sagt Heitz.

Fischer hadert mit der öffentlichen Meinung

Fischer zeigt sich derweil irritiert über die teils harsche Kritik, die in der Schweiz nach dem Verpassen der Champions League laut geworden war. «Ich wehre mich dagegen, dass Maccabi ein leichter Gegner gewesen sei», sagte der 49-Jährige und versteht auch die Frage nicht, weshalb er in der Innenverteidigung den 37-jährigen Walter Samuel anstelle von Daniel Hoegh aufgestellt habe. «Samuel hat einen einzigen Zweikampf verloren, leider ausgerechnet vor dem 1:1. Sonst hat er einen tollen Match gespielt», sagt Fischer.

Dass er nun bereits Gegenwind zu spüren bekommt, obwohl seine Mannschaft nach elf Pflichtspielen mit neun Siegen noch ungeschlagen ist, verwundert ihn. «Ich weiss zwar, wie schnell sich Meinungen im Fussball ändern können», sagt Fischer, «aber diese Weltuntergangsstimmung ...».

Sanfte Vorwürfe, sein Team habe im Bloomfield Stadium zu wenig unternommen und sei zu passiv gewesen, weist er zurück. «Wir waren bereit für dieses Spiel», sagt Fischer, «dies hat die Startphase doch eindrücklich gezeigt.» Sie hätten auch nach der Pause mutig weiter nach vorne spielen wollen, dies sei klar seine Devise gewesen, sagt der Trainer.

«Doch sie hätten vorne die Bälle nicht mehr halten können und zu sehr durch die Mitte gespielt. «Wir müssen akzeptieren, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben. Punkt», sagte Fischer. «Das Spiel gegen den FCZ wird jetzt zum Charaktertest.»